«Malmö war extrem wichtig für uns!»

Verschiedene internationale Forschungsteams – ein Thema: Young Carers

Es ist in der Regel so: Forschungsthemen im Gesundheitsbereich werden oft zuerst auf nationaler Ebene und auf nationale Eigenheiten hin untersucht. Spannend wird es aber dann, wenn man Resultate international vergleichen und sich mit anderen Forschungsteams über die Materie austauschen kann. So lassen sich Erkenntnisse vergleichen, festigen oder aber es eröffnen sich ganz neue Forschungshorizonte.

Forschungsteams, Vertreter/innen von Hilfsorganisationen und Betroffene aus allen Teilen der Welt trafen sich vom 29.–31. Mai 2017 an der 2. Internationalen Young Carers-Konferenz in Malmö, um über das zu sprechen, was ihnen am meisten am Herzen liegt: Die Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Familienangehörige betreuen oder pflegen. Young Carers, deren Kindheit und Schulzeit durch Verantwortung und Aufgaben geprägt und oftmals auch belastet werden, während gleichaltrige Kinder unbeschwert auf dem Spielplatz herumtollen.

Young Carers-Forschung in der Schweiz: In kurzer Zeit viel passiert

Während Grossbritannien bereits seit 25 Jahren Forschungen zum Thema betreibt und mit Prof. Dr. Saul Becker über eine international renommierte Forschungspersönlichkeit verfügt, stehen in anderen Ländern die Forschungsteams meist erst am Beginn ihrer Auswertungen. Auch in der Schweiz gibt es noch grosse Forschungslücken. Das Team um Prof. Dr. iur. Agnes Leu, Careum Forschung (Forschungsinstitut der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit) forscht erst seit 2014 zur Situation der betroffenen Kinder und jungen Menschen (mehr Informationen zu den Projekten). Trotz des späten Starts lässt sich nach gut drei Jahren bereits eine erste positive Bilanz ziehen, wie Agnes Leu und Marianne Frech in ihrem Vortrag in Malmö betonten. Es ist sehr viel gegangen in kurzer Zeit. Politische Entscheidungsträger wurden aktiv angegangen, das Medieninteresse geweckt und eine erste Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der zuständigen Fachpersonen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich hat stattgefunden. Gerade ist eine Online-Befragung in Schulen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz angelaufen. Bei dieser repräsentativen Studie stehen 9-16jährige Kinder und Jugendliche im Zentrum. Untersucht wird, wie sich ihr Alltag gestaltet, welche Aufgaben sie zu Hause übernehmen und wie es ihnen geht.

(Zur Videoübertragung auf Bild klicken oder hier: Vortrag A. Leu und M. Frech ab -39:50)

Zusammenarbeit bringt die Forschung weiter

Der Ländervergleich bringt Erkenntnisgewinn. Die Zusammenarbeit mit Saul Becker und anderen Forschenden aus dem angelsächsischen und internationalen Raum treibt auch die schweizerische Forschung an. Solche Konferenzen wie in Malmö sind deshalb sehr wichtig, wie Agnes Leu betont. Auch wenn es nationale Unterschiede gibt, auch wenn sich politische Systeme unterscheiden und man im Ländervergleich von unterschiedliche hohen Prozentzahlen ausgehen kann – ein Young Carer in Australien unterscheidet sich nicht gross von einem Young Carer in der Schweiz. Die Kinder und jungen Menschen sind international in derselben Situation, stehen vor ähnlichen Herausforderungen, leiden meist still, empfinden ihre Ausnahmesituation als Normalität und werden von der Öffentlichkeit meist kaum wahrgenommen.

Gute Strategie zahlt sich aus

Dass sich die schweizerischen Resultate im internationalen Kontext durchaus sehen lassen dürfen, merkten Agnes Leu, Corinna Jung und Marianne Frech am Interesse anderer Teams aus Ländern, die noch in der Startposition stehen. So kamen durchaus interessierte Fragen von belgischen, finnischen und französischen Forschenden, vor allem nach der Strategie und der effizienten Vorgehensweise des schweizerischen Teams. (Mehr zur Stategie in der Präsentation)

Mehr Informationen

  • 2nd International Young Carers Conference in Malmö: Alle Liveübertragungen, Reportagen und Informationen hier.
  • Videos – Young Carers kommen selbst zu Wort: «Every child has the right to...», Eindrückliche Kurzfilme auf angehoriga.se über pflegende Jugendliche. Zur Situation in der Schweiz: Careum Forschung führte Interviews mit schweizerischen Young Carers über ihre Situation. Erste Videos hier (im Aufbau).
  • Lesenswert: Beiträge im Careum-Blog zum Thema Young Carers.
  • Twitter-Nachlese unter #youngcarers2017