Studie zeigt: Minderheiten leben weniger lang in Neuseeland

Gibt es einen Zusammenhang zwischen ethnischen Unterschieden und der Lebenserwartung von Menschen über 65 in Neuseeland?

Die Menschen werden immer älter auch in Neuseeland. Dies zeigt eine Entwicklungskurve der Lebenserwartungen von Erhebungen der letzten fünfzig Jahre. Typisch für Neuseeland ist die aus verschiedenen Herkunftsgruppen zusammengesetzte Bevölkerung:  Die Minderheiten setzen sich aus Maori, den ursprünglichen Einwohnern (15% der Gesamtbevölkerung), aus Pazifischen Gruppen, Menschen die aus dem Pazifik eingewandert sind (6%) und aus asiatischen Einwanderern (10%) zusammen. Die Mehrheit der neuseeländischen Bevölkerung sind Einwanderer aus dem europäischen Raum. Die Statistik zeigt, dass die Minderheiten verglichen mit der Gesamtbevölkerung eine um 40% höhere Sterberate haben.

Frau Prof. Santosh Jatrana,  von der Swinburne University of Technology, Melbourne Australien, präsentierte  dazu ihre Studie am Careum Colloquium vom 24.08.216. Die Studie kam zu folgender überraschender Erkenntnis: Betrachtet man die Minderheitengruppen getrennt und vergleicht die Sterberaten, zeigt sich, dass im Vergleich zur Europäischen Mehrheit die Maori und die Pazifische Gruppe eine höhere, die Asiatische Gruppe jedoch eine tiefere Sterberate aufweist.

Wie aber lassen sich ethnische Unterschiede in der Sterblichkeit überhaupt erklären? Prof. Jatrana vergleicht zur Beantwortung dieser Frage fünf Faktoren, welche die  Lebensumstände sowie Gesundheit beeinflussen und setzt sie in Bezug zur Sterberate:  Bildung, Einkommen, Zugang zu einem Auto, Wohneigentum, benachteiligtes Quartier. Zudem betrachtet sie spezifische Todesursachen, die einen Einfluss haben könnten.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Unterschiede in der Sterblichkeitsrate zu einem Grossteil (43%) durch sozio-ökonomische Faktoren erklärt werden können. Wenn damit auch ein beachtlicher Anteil unerklärt bleibt, so liefern diese Forschungsergebnisse eine wichtige Entscheidungsgrundlage für politische Massnahmen: Wenn zukünftig die Unterschiede in der Lebenserwartung vermindert werden sollen, müssen sich die Lebensbedingungen bei den Minderheiten verbessern.

Literatur
SANTOSH JATRANA and TONY BLAKELY Socioeconomic inequalities in mortality persist into old age in New Zealand: study of all 65 years plus, 2001–04. Ageing and Society, Available on CJO 2013 doi:10.1017/S0144686X12001195

Frau Prof. Dr. Santosh Jatrana wurde mit dem  "early career fellowship award" an der Australian Academy of Science ausgezeichnet.