Genesungsprozesse in Praxis und Forschung

4. Internationaler Psychiatriekongress zu seelischer Gesundheit und Recovery

Genesungsprozesse und Recovery-Wege standen auch im Mittelpunkt des 4. Internationalen Psychiatriekongresses zu seelischer Gesundheit und Recovery, der am 28. und 29. Juni 2018 in Bern stattfand. Der Kongress wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von Careum mitorganisiert, zusammen mit den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern und dem Sanatorium Kilchberg.

«Recovery» (Genesung) beschreibt, wie Betroffene lernen, mit den persönlichen, gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen ihrer Erkrankung umzugehen und zu einem selbstbestimmten Leben zurückzufinden.

Seitens Careum begrüsste Prof. Dr. Iren Bischofberger die rund 330 Teilnehmenden, von denen ein Drittel Menschen mit eigener Psychiatrieerfahrung waren. Careum wurde zudem von Anna Hegedüs vertreten, die nicht nur im Kongresskomitee aktiv mitwirkte, sondern auch als Moderatorin des 2. Symposiums zum Thema «Demenz und Recovery» das Podiumsgespräch leitete. Sie führte das Gespräch mit dem an einer seltenen Alzheimerform erkrankten Georg Jungkamp-Streese  und mit seiner Ehefrau Jutta Streese, die ihn unterstützt.

Am Kongress referierten international bekannte Koryphäen, wie zum Beispiel Patricia Deegan, Patrick Corrigan, Colin King, Jed Boardman, sowie weitere Angehörige und Betroffene. Zusätzlich waren auch freie Beiträge eingereicht worden. Dieser ausgewogene Tagungsmix ermöglichte die Vermittlung von persönlichen Genesungswegen (hier nachzuhören), internationaler Forschung und Entwicklungen, gleichzeitig konnte auch auf innovative Ideen aus dem deutschsprachigen Raum eingegangen werden.

Die Tagungsblöcke wurden durch verschiedene Arten von «Reflexionen» aufgelockert: Ein Reflecting-Team, bestehend aus einer Betroffenen, Angehörigen, Pflegefachperson und einem Arzt, trug Gedanken über das Symposium vor. Kathrin Obrist und Bärni von Wattenwyl sangen in einer musikalischen Reflexion Lieder über Recovery. Greis (alias Grégoire Vuilleumier), Rapper und Slam-Poet, gab poetische Reflexionen des Gehörten zum Besten.

Der durchaus gelungene und inspirierende Kongress ermöglichte es den Teilnehmenden, neue Impulse für die eigene Arbeit und den Alltag zu gewinnen.  Es bleibt zu wünschen, dass die Impulse ihren Weg in alle Ebenen der Versorgung finden und Recovery dadurch vermehrt ermöglicht wird.