Wir können nicht alles digitalisieren

Der 16. Case Management Kongress hat sich mit den Chancen und Gefahren der Digitalisierung und der Flexibilisierung der Arbeitswelt befasst. «Wir müssen mitdenken und mitmachen», lautete eine Kernaussage aus der Podiumsdiskussion in der Welle in Bern. Es wurden diverse Vorträge rund um Trends und Themen der Zukunft sowie ihren Herausforderungen angeboten.

Einen Blick in die Zukunft der Schmerzbehandlungen und Prävention bot Dr. Oliver Christ von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er zeigte mithilfe von Virtual Reality moderne Therapien auf. Weiter ging es mit digitaler Unterstützung im Haushalt: Michael Lehman, Leiter des Living Labs in Biel, stellte mit grosser Begeisterung seine aktuelle Forschung vor. Er und sein Team haben eine Lebenswelt kreiert, genauer gesagt ein Haus mit einem älteren Ehepaar – den Brönnimanns. Herr Brönnimann ist an Demenz erkrankt. Seine Frau Elisabeth ist schon etwas unsicher auf den Beinen. Wie kann Digitalisierung die Brönnimanns nun im Haushalt unterstützen? Kann sie vielleicht eine pflegerische Tätigkeit ersetzen oder eben nicht? Die Ideen des Forschungsteams, wie zum Beispiel ein digitaler Kleiderschrank, regten zum Nachdenken, aber auch ein wenig zum Schmunzeln an.

Wo sind die Grenzen der Digitalisierung?

Am Mittag standen diverse Foren zur Verfügung. Zum Beispiel zum elektronischen Patientendossier, das schon bald jeden von uns vor die Entscheidung stellen wird: Möchte ich meine privaten Daten in digitaler Form an ausgewählte Personen weitergeben, damit der Informationsfluss gewährleistet wird?

Wo ist die Grenze in der Digitalisierung zu ziehen? Gibt es denn eine und stimmt diese für uns alle? Auch dies bot viel Gesprächsstoff am Case Management Kongress. Spannende Beispiele aus dem Leben von Herzchirurg Prof. Dr. Dr. Thierry Carel vom Inselspital Bern zeigten die ethischen Fragen infolge von Digitalisierung auf. «Es braucht Politik in der Forschung, und die hinkt hinten nach», lautete ein Statement. Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die aktuelle Forschung: Wohin geht diese in der Medizin und was bedeutet dies für Case Manager?

Am Schluss waren sich alle einig: Wir können nicht alles digitalisieren. An erster Stelle muss immer der Patient als Individuum mit seinen eigenen Wünschen und Gefühlen stehen. Dies geht eben auch in einer digitalen Welt oft nur durch direkten Augenkontakt.

Bild und Text: Larissa Kallen und Fabienne Kohler (Studierende der Kalaidos Fachhochschule)

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