Berufsbildung im internationalen Vergleich

Die Schweizer Lehrlingsausbildung geniesst weltweit hohes Ansehen. Das duale Bildungssystem macht global Schule und wird gerne kopiert. Doch auch die Schweiz hat in Sachen Berufsbildung noch Verbesserungspotenzial. Dies zeigte Dr. Ursula Renold, Leiterin des Forschungsbereichs Bildungssysteme an der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, im Careum Colloquium am 13. März 2018 anhand von vier Forschungsprojekten auf.

Ein Entwicklungsfeld ist etwa die Verbundpartnerschaft. Dabei kommt es laut Dr. Ursula Renold auf den qualitativ richtigen Mix der Firmenvertretungen in der Reformkommission an. Es ist entscheidend, dass sich innovative und forschungsorientierte Firmen an der Entwicklung von neuen Bildungsplänen beteiligen. Damit kann garantiert werden, dass auch die neuesten Technologien in der Ausbildung gelehrt und gelernt werden.

Jugendarbeitslosigkeit steigt an

Bei der Jugendarbeitslosigkeit wird die Schweiz ebenfalls gerne wegen der vergleichsweise tiefen Werte beneidet. Allerdings relativierte Dr. Ursula Renold die Zahlen: Im Trend der letzten 25 Jahre ist die Jugendarbeitslosigkeit gestiegen. Auch andere Indikatoren – wie etwa die temporären Arbeitsverträge – entwickeln sich eher in die falsche Richtung. «Es reicht nicht, dass ein Jugendlicher einfach einen Job hat», sagte die Bildungsexpertin. Es müsse sich auch um eine gute Arbeit handeln. Sie erklärte den negativen Trend mit der «Generation Praktikum», die keine Berufserfahrung vor dem Einstieg in die Arbeitswelt hat. Zusätzlich wollen Betriebe die Einarbeitungskosten von Neulingen nicht mehr bezahlen. Ihr Fazit: Der Bund sollte den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt wieder stärker unter die Lupe nehmen.

Aus der Sicht der Schulen wird die Lernortkooperation immer wichtiger. Jene Schulen, denen es mit pädagogischen Instrumenten gelingt, die Lernortkooperation zu verbessern, haben laut Dr. Ursula Renold einen komparativen Vorteil. Das Lernen im Kontinuum zwischen Schule und Bertrieben müsse vor allem auf der Tertiärstufe besser aufeinander abgestimmt werden.

Aufklärung für Zugewanderte

Raum für Verbesserungen gibt es auch beim sozialen Status der Berufsbildung. Etwa bei der Aufklärung der Neuzugewanderten. Denn je länger Immigrantinnen und Immigranten in der Schweiz leben, je mehr entscheiden sich Jugendliche mit hohen schulischen Leistungen für eine Berufslehre. Deshalb brauchen Neuzugewanderte aus Ländern ohne duales Berufsbildungssystem laut Dr. Ursula Renold zielgruppenspezifische Information über das Bildungssystem Schweiz, die vielfältige Berufsbildung und die Durchlässigkeit.