Patientenzentriert und interprofessionell:
Zwei Bücher – eine gemeinsame Perspektive

Der Careum Verlag lud am 5. April 2018 zur Buchvernissage ins Careum Auditorium. Rund 100 Interessierte liessen sich die exklusive Vorstellung der beiden Neuerscheinungen nicht entgehen. Den Anfang machten die Autoren selbst. Dr. Werner Widmer, Direktor der Stiftung Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule, stellte das Buch «Gesundheitswesen gestalten – Gesellschaft und Interprofessionalität als treibende Kräfte» vor, das er zusammen mit Kathrin Schaffhuser verfasst hat.

Auf sieben Trendwellen surfen für ein besseres Gesundheitswesen

In der Publikation werden sieben Trends beschrieben, die wie grosse Wellen über die Gesellschaft und das Gesundheitswesen hineinbrechen. Es sind dies: Demografie, Epidemiologie, Individualisierung, De-Institutionalisierung, Medizin, Digitaliserung und Ökonomisierung. Die Message: Es ist viel gescheiter, auf diesen Wellen zu surfen und ihre Energie als Chance zu nutzen, anstatt sie zu ignorieren und von ihnen überrollt zu werden. Im Zentrum steht dabei, dass das Potenzial der interprofessionellen Zusammenarbeit genutzt wird. «DAS Gesundheitswesen gibt es nicht. Es ist ein Gemeinschaftswerk», führte Dr. Werner Widmer dazu aus. In seinen Augen hat die Schweiz ein hervorragendes Gesundheitssystem für schwerkranke, arme Patientinnen und Patienten. Das Problem: Das System wird auch mündigen, empowerten Menschen übergestülpt. «Das macht es teuer.» Sein Rezept für ein gesundes Gesundheitswesen: Lieber Patientinnen und Patienten erst unterstützen, wenn sie überfordert sind.

In der von Moderator David Guggenbühl geführten Diskussionsrunde gab Dr. Widmer unverhohlen zu, dass er mit dem Buch auch politisch Einfluss nehmen will. So soll die Publikation etwa auch an nationale und kantonale Politiker versandt werden. Dass das Buch Einfluss haben wird, hofft auch Dr. Fridolin Marty, Leiter Gesundheitspolitik bei economiesuisse: «Es ist ein innovatives und cleveres Buch.»Es sei kein Pamphlet wie andere Bücher zum Gesundheitswesen, sondern verfolge einen ganzheitlicheren Ansatz. Er versah das Buch mit dem Gütesiegel «pragmatisch, aber nicht bescheiden».

Patient als Experte für sein eigenes Leben

Die zweite Neuerscheinung «Palliative Care – Eine Einführung für Mitarbeitende in der Betagtenpflege» will eine Lücke füllen. Es gebe zwar bereits viele Lehrbücher zu Palliative Care, erklärte Autor Dr. Heinz Rüegger vom Institut Neumünster stellvertretend für das interdisziplinäre Autorenkollektiv, dem auch Eva Niedermann, Claudia Pflugshaupt, Beatrice Schär und Christoph Schmid angehören. Aber eine einfache, elementare, für alle verständliche Einführung in die Grundlagen fehlte bisher. Das Heft ist deshalb bewusst als Arbeitsinstrument für die Praxis gedacht. Es beinhaltet neun Schlüsselaspekte für Palliative Care: Lebensqualität, Grundhaltung des Respekts/der Solidarität, radikale Orientierung an den Bertroffenen, Linderung belastender Symptome, Einbeziehung von Angehörigen, Interprofessionalität und Interinstitutionalität, vorausschauendes Handeln und laufende Evaluation, Abschiedskultur und Sterbebegleitung. Im Buch finden sich auch Fallbeispiele zur Diskussion und Selbstreflexion. Mitautorin Claudia Pflugshaupt, Fachexpertin Pflege der Residenz Neumünster Park, bestätigte in der Diskussionsrunde, dass Teams in der Praxis im «kompakten Arbeitsheft» nachschlagen und es breit verstanden wird.

Palliative Medizin, Pflege und Begleitung haben zum Ziel, das Leiden von Menschen mit einer unheilbaren, lebensbedrohlichen und/oder chronisch fortschreitenden Krankheit zu reduzieren und bis zuletzt eine möglichst hohe Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Im Zentrum steht die betroffene Person und nicht, was Ärzte, Pflegende oder Angehörige für sinnvoll halten. Der Patient oder die Patientin ist Experte oder Expertin für sein eigenes Leben.

Palliative Care für die gesamte Medizin

Barbara Brühwiler, Mitglied des Stiftungsrates Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule, hob in ihrem Referat die Gemeinsamkeiten der beiden Neuerscheinungen hervor. Beide Publikationen legen grossen Wert auf die interprofessionelle, institutionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit und auf die radikale Orientierung an der betroffenen Person.

In der Diskussionsrunde fragte ein Teilnehmer, weshalb die Grundsätze der Palliative Care eigentlich nicht als Dach über die ganze Medizin gestülpt würden. Von Dr. Widmer erntete er für diesen Vorschlag volles Verständnis. Weshalb es trotzdem noch nicht so weit ist, erklärte Dr. Marty damit, dass die vielen verschiedenen Player im Gesundheitswesen bisher zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren und jeder nur für sich denkt.

 

Neuerscheinungen im Verlagsshop

Gesundheitswesen gestalten – Gesellschaft und Interprofessionalität als treibende Kräfte
von Werner Widmer und Kathrin Schaffhuser

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Pallative Care – Eine Einführung für Mitarbeitende in Institutionen der Altenpflege
von Eva Niedermann, Claudia Pflugshaupt, Heinz Rüegger, Beatrice Schär und Christoph Schmid

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