Die Beziehung ist der Schlüssel

Was genau macht die Qualität einer professionellen Beziehung aus? Diese und weitere Fragen zur Beziehungsarbeit beantworteten Expertinnen und Experten am Careum Pflegesymposium 2019.

«In Beziehung treten – Luxus oder Notwendigkeit?», so lautete das Motto des Careum Pflegesymposiums vom 4. Juni 2019. Für Rüdiger Bauer ist das keine Frage: «Eine gelungene Beziehung ist Voraussetzung für eine gute Pflege.» Der erfolgreiche Autor weiss, welche positiven Auswirkungen eine gute Beziehungspflege mit sich bringt: «Insgesamt verbessert sich die Atmosphäre in den Pflegeheimen, die Hektik verschwindet, es ist genug Zeit vorhanden und die Angehörigen sind zufrieden.» Das bestätigte auch Dr. Miriam Engelhardt. «Gute Zusammenarbeit und Zufriedenheit bei der Arbeit korrelieren nicht nur mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sondern sind auch tiefe, persönliche Bedürfnisse der Mitarbeitenden», erklärte die promovierte Soziologin vor gut 400 Teilnehmenden im Kultur-  und Kongresshaus Aarau.

Berührung berührt

Auch Berührung kann heilsam sein, weiss Anemone Eglin, Theologin mit Ausbildungen in Integrativer Therapie, Kontemplation und Handauflegen. «Eine achtsame Berührung zeichnet sich durch eine innere Präsenz aus.» Generell werde die zwischenmenschliche Beziehung durch achtsame Berührung gestärkt.

Um immer wieder für andere da sein zu können, brauche es einen achtsamen Umgang mit sich selbst. Darauf machte Niklaus Brantschen aufmerksam, Jesuiten-Pater und autorisierter Zen-Meister. Um Achtsamkeit zu ermöglichen, stehen für Niklaus Brantschen fünf Maxime im Vordergrund: Im Leibe leben. In Kontakt sein. Stille werden. Zeit haben. Disziplin und Konzentration.

Gute Beziehungsarbeit schliesst Angehörige mit ein

Die Beziehungspflege bei Menschen mit Demenz fordert Pflegende besonders. «Um Menschen mit Demenz Beziehung zu ermöglichen, sollten Pflegende an verschiedenen Punkten ansetzen und so den Veränderungen individuell begegnen», erklärte Neurowissenschaftler Prof. Dr. Pasquale Calabrese.

Eine gute Beziehungsarbeit schliesst auch die Angehörigen ein. «Angehörige können bei der Versorgung und Betreuung von Pflegebedürftigen die wichtigste Ressource oder auch die grösste Schwierigkeit für beruflich Pflegende darstellen», sagte Dr. Tanja Segmüller, Professorin für Alterswissenschaften an der Hochschule für Gesundheit in Bochum.

Ein weiteres Highlight der Tagung war der Auftritt des Luxemburger Karikaturisten und Pressezeichners Carlo Schneider. Er zeichnete live Karikaturen zum Thema Beziehungsarbeit und fasste am Vor- und Nachmittag die Themen der Fachvorträge grafisch in einem «Rückblick mit Augenzwinkern» zusammen.*

Autorin: Brigitte Teigeler (Journalistin und redaktionelle Mitarbeiterin bei NOVAcura)

*Der ausführliche Bericht des Careum Pflegesymposiums wird in der Ausgabe 7-2019 der Fachzeitschrift NOVAcura erscheinen.

 

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Abstracts, Fotos und Präsentationen vom Careum Pflegesymposium 2019