«Young Carers» – aktuelle Forschung im Fokus

Wie ein neuer Forschungszweig entsteht und was es dazu braucht.

Interessante Einblicke ins Forschungsprogramm zu «pflegenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen» in der Schweiz erhielten am Forschungslunch vom 7. Dezember 2017 Studierende der Kalaidos FH Gesundheit und weitere Gäste. Prof. Dr. iur. Agnes Leu berichtete, wie sie gemeinsam mit ihrem Team dieses neue Forschungsthema seit 2014 strategisch in der Schweiz aufgebaut hat und damit Breitenwirkung entfalten konnte.

In der Skala von Stufe 5 auf 3 geklettert

Als Gradmesser und Orientierung zum Forschungsstand dient eine Skala, die in Zusammenarbeit mit Prof. Saul Becker (UK) entstand. In sieben Stufen wird damit länderübergreifend der Bewusstseinsgrad zur Forschung über «Junge Pflegende in Familien» verglichen. Als 2014 das Thema in der Schweiz aufkam, war die Datenlage noch unklar. Heute ist die «Young Carers Forschung» im internationalen Vergleich bereits von der tieferen Stufe 5 «Emerging» auf die höhere Stufe 3 «Intermediate» geklettert. 

Das Forschungsprogramm wird durch den Schweizerischen Nationalfonds und durch weitere Fördermittel unterstützt. Dahin haben mehrfache Anstrengungen geführt. So wurden über gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Politik und Gesellschaft auf das Forschungsthema «Young Carers» aufmerksam. Das Anliegen soll alle Landesteile erreichen. Um zu bestimmen, wer sich als «Young Carer» versteht, muss zuerst die Begrifflichkeit beforscht werden. Dies geschieht über Interviews mit betroffenen Familien und Ansprechpersonen aus Gesundheit, Bildung und Soziales.

Fragebogen mit Betroffenen entwickelt

Forschung hautnah erleben konnte das Publikum am Forschungslunch auch mit den ergänzenden Erklärungen von Dr. phil Corinna Jung, Senior Researcher im Projekt. Sie zeigte Forschungsmethoden sowie die Vernetzungs- und Recherchearbeit mit den verschiedenen beteiligten Gruppen auf: Was weiss man über Kinder und Jugendliche mit Betreuungs- und Pflegeaufgaben? Gibt es sie auch in der Schweiz? Welchen Belastungen sind sie ausgesetzt? Haben sie auch ein Anrecht auf Entlastungen als pflegende Angehörige? Wer steht für ihre Rechte ein?

Bei der Entwicklung der Fragebogen konnten Betroffene selber dabei sein. Sie sollten mitbestimmen können, wie ihre Bedürfnisse in die Forschung einfliessen können. Der Umgang mit sensiblen Daten verlangt sorgsamen Umgang mit Informationen. Alle Daten im Projekt sind vertraulich und anonym. Ausnahmesituation sind Personen, die selber ein aktives Interesse daran haben, in der Öffentlichkeit zu erscheinen.

Erste Forschungsergebnisse

Die ersten Forschungsergebnisse zeigen: Es gibt «Young Carers» in der Schweiz, und sie sind Fachpersonen ihrer eigenen Situation. Als Aussenstehende sind wir aufgefordert hinzuschauen, wo wir ihnen begegnen und wie wir sie unterstützen können. Diese Kinder werden schneller reif. Wichtig ist, sie besonders wahrzunehmen, wenn die Situation problematisch wird. Sie sind mehrfachen Belastungen ausgesetzt und brauchen Begleitung. Auch «Young Carers» sollten von den Fachpersonen transparente Informationen erhalten und jederzeit Fragen stellen können.

Mehr erfahren

Forschungsprogramm «Young Carers» von Careum
Blogbeitrag zu den ersten Forschungsergebnissen
Unterlagen zur ersten nationalen Young Carers Tagung in Neuchâtel