Gesundheitsstandort Privathaushalt

Menschen mit Krankheiten, Behinderungen und Gebrechlichkeiten leben in vielen Fällen zu Hause. Sie managen ihre Krankheiten oft selbstständig oder werden von Angehörigen unterstützt. Private Haushalte übernehmen damit eine ausserordentlich wichtige gesellschaftliche Funktion und sind eine massgebliche Stütze in der Gesundheitsversorgung. Ein trifftiger Grund, den wenig beachteten «Gesundheitsstandort Privathaushalt» zu stärken.

Spricht man von Gesundheitsversorgung, denkt man in erster Linie an ambulante und stationäre Einrichtungen, wie z. B. Spitäler oder Alters- und Pflegeheime. Dabei finden Betreuung und Pflege von kranken und alten Menschen grösstenteils zu Hause statt, in der Familie, im privaten Umfeld.

Dieser Umstand macht es nötig, die landläufige Vorstellung von Gesundheitsversorgung um den «Gesundheitsstandort Privathaushalt» zu erweitern. Dafür plädieren auch Prof. Dr. Iren Bischofberger und Prof. Dr. Ulrich Otto (beide Careum Forschung) in der soeben erschienenen Ausgabe von «fmc-Impulse: Integrierte Versorgung beginnt zu Hause».

Gesundheitsstandort der Zukunft

Der «Gesundheitsstandort Privathaushalt» steht, so Iren Bischofberger, immer noch im Schatten von Spitälern und Pflegeheimen und gilt in Fachkreisen als unspektakulär und uninteressant. Zudem wüssten viele Gesundheitsfachpersonen kaum, wie Patienten und Patientinnen zu Hause ihre Krankheit oder Behinderung zusammen mit ihren Angehörigen handhaben und mit den verschriebenen Therapien leben würden. Dies angesichts der Tatsache, dass die Zukunft gerade im häuslichen Setting liegt, unterstützt durch Digitalisierung und integrierte Versorgung – Stichwort: ambulant vor stationär! 

«Gesundheitsstandort Privathaushalt»: Mehr als bloss vier Wände

Ulrich Otto sieht den Privathaushalt als «zentralen Gesundheits- und Lebensort», als den «lebenslangen Bewältigungsort» von Menschen. Hier findet alles statt: von der banalen Erkältung über chronische und schwere Mehrfacherkrankungen bis oftmals auch das Sterben.

Gemäss Ulrich Otto ist der «Gesundheitsstandort Privathaushalt» deshalb weit mehr als vier Wände. Es ist der Ort, an dem Gesundheitskompetenz und sinnvolles Gesundheitsverhalten gelernt und dieses Wissen weitergegeben wird. An dem bestimmt wird, ob Gesundheitsförderung, Prävention und Resilienz Chancen haben – oder nicht. Und deshalb ist der Privathaushalt neben dem ambulanten und stationären Standort auch viel mehr als der dritte Standort – er ist eigentlich eher der erste. Deshalb gilt: Gesellschaft und Gesundheitssystem müssen, gemäss Otto, den Gesundheitsstandort Privathaushalt vermehrt qualifizieren und fördern.

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