Interprofessionelle Ausbildungsstation: Erste Erfahrungen aus Heidelberg

Auf der Heidelberger Interprofessionellen Ausbildungsstation – kurz HIPSTA – geht es zu wie auf anderen chirurgischen Stationen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Versorgung der Patientinnen und Patienten liegt in der Hand von Teams aus Medizinstudierenden und Lernenden der Pflege. Betreut werden sie von Lehrbeauftragten der Chirurgie und Praxisanleitenden der Pflege. Das Ziel ist, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte sowie die angehenden Pflegefachpersonen gemeinsam die Herausforderungen des Klinikalltags kennenlernen, ein besseres Verständnis für die jeweils andere Berufsgruppe entwickeln und sich auf die spätere berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit vorbereiten können.

Positives Fazit nach 55 «HIPSTA's»

Seit April 2017 ist die deutschlandweit erste Lehrstation – ein Angebot der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, des UniversitätsKlinikums Heidelberg, der Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg und der Fachschaft Medizin Heidelberg – an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie in Heidelberg in Betrieb. Bisher haben 55 «HIPSTA’s» jeweils in Teams von vier Studierenden der Medizin und vier Auszubildenden der Pflege über vier Wochen sechs Patienten in zwei Zimmern in einer Früh- und Spätschicht betreut. Dr. med. Pascal Probst und Pflegefachfrau Birgit Trierweiler-Hauke aus Heidelberg berichteten am 14. November 2017 auf Einladung von Dr. phil. Gert Ulrich, Projektleiter «Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation», auf dem Careum Campus von den ersten Erfahrungen. Sie zogen ein durchweg positives Fazit. Die Studierenden gehen mit viel Eigeninitiative und Engagement an die Sache heran und arbeiten gut zusammen. Auf die meisten Antworten zu den Fragen des klinischen Alltags kommen sie ganz alleine. Die Komplexität der Patienten-Fälle spielt dabei keine Rolle. Die Patienten fühlen sich zudem sehr gut versorgt.

Als unerwartete Schwierigkeiten nannten Probst und Trierweiler-Hauke etwa die Abstimmung der Curricula, die IT-Zugänge und Berechtigungen für die Studierenden und Auszubildenden oder die für HIPSTA nötigen Räume. Dafür gab es bei der Information der Patienten und bei juristischen Fragen überraschend keine Probleme.

Besonders wichtig: ein motiviertes Team von Lernbegleitern

Klar ist: Es braucht Förderung, Raum und Zeit. Besonders wichtig ist ein motiviertes Team von Lernbegleitern. Diese sind in Heidelberg halb in der Praxis und halb in der Schülerbegleitung tätig. Die Kontinuität ist vor allem durch die Praxisanleitenden der Pflege garantiert. Im Tagesablauf sind extra Freiräume eingeplant, damit die HIPSTA‘s auch bei anderen Disziplinen wie Ernährungsberatung, Psychoonkologie oder Sozialdienst vorbeischauen können. Es kommen abwechselnd interprofessionelle und monoprofessionelle Elemente zum Zug. Von Seiten der Studierenden ist das Interesse an HIPSTA gross. Allenfalls muss künftig gar ein Auswahlverfahren eingeführt werden.

Das Fazit aus Heidelberg: Eine Interprofessionelle Ausbildungsstation ist realisierbar und in jedem Fachbereich umsetzbar. Die Ziele für die Interprofessionelle Ausbildung sollten allerdings genau definiert und dann entsprechend curricular umgesetzt werden. Das Ganze sollte zudem praxisorientiert sein, deshalb ist die Empfehlung aus Heidelberg, das interprofessionelle Modell eher am Ende der Ausbildung einzusetzen.

Wertvolle Inputs für mögliche Ausbildungsstation in Zürich

Die anwesenden Mitglieder des Projekts «Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation» nahmen die wertvollen Inputs aus Heidelberg mit grossem Interesse entgegen. Die Idee ist nämlich, dass am UniversitätsSpital Zürich ebenfalls eine interprofessionelle Ausbildungsstation installiert wird, auf der Lernende und Studierende aus unterschiedlichen Professionen und Bildungsstufen von-, mit- und übereinander lernen. Dafür spannen die sechs Institutionen Careum Stiftung, Medizinische Fakultät der Universität Zürich, UniversitätsSpital Zürich, Careum AG Bildungszentrum für Gesundheitsberufe, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Departement Gesundheit) sowie das kantonale Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen zusammen.

Fernsehbericht über HIPSTA in der Landesschau Baden-Württemberg vom SWR

 

Mehr erfahren

Projektbeschrieb «Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation»


Kontaktperson für weitere Informationen

Gert Ulrich, Dr. phil., M.A.
Projektleiter «Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation»,
Kooperationsprojekt von Careum, UZH, USZ, CBZ, ZHAW, ZAG

Careum Stiftung
Pestalozzistrasse 3
CH-8032 Zürich
+41 43 222 64 26
gert.ulrich@careum.ch