Wenn Patienten Grenzen überschreiten

Care Migration global betrachtet

Dr. Heidi Kaspar in Waterloo, Kanada

Wer verliert und wer gewinnt, wenn Gesundheitsfachpersonen ins Ausland migrieren? Diese Frage muss global betrachtet werden.

Nicht nur die Schweiz muss die Auswirkungen des demographischen und gesellschaftlichen Wandel meistern, um adäquate Pflege und Versorgung auch in Zukunft gewährleisten zu können. Gelingt es z.B. Japan, die Herausforderung einer alternden Gesellschaft ohne Rekrutierung von Pflegefachkräften aus dem Ausland zu bewältigen? Und weshalb können es sich viele Pfleger/innen in den Philippinen nicht mehr leisten, ihre Ausbildung abzuschliessen?
Am internationalen Workshop «Global Migration, Gender and Professional Credentials: Transnational Value Transfers and Losses» an der Balsillie School of International Affairs in Waterloo (Ontario, Kanada) wurden am 25./26. Mai Fragestellung zum Thema globale Care Migration diskutiert.

Careum Forschung in Kanada mit dabei

Auch die Schweiz war vertreten: Dr. Heidi Kaspar, Careum Forschung (Forschungsintitut der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit), war als Rednerin geladen. In ihrem Beitrag setzte sie aber einen Kontrapunkt zu den anderen Vorträgen. Sie beleuchtete nämlich den transnationalen Transfer von Sorgearbeit, wenn Patient/innen – und nicht Gesundheitsfachkräfte – Ländergrenzen überschreiten.

Zwei Themen zogen sich wie ein roter Faden durch die zwei Tage:

  • Global Care Chain und Brain Drain: Der Import von ausgebildeten Gesundheitsfachkräften durch einkommensstarke Länder aus z.B. den Philippinen oder Indien entzieht diesen Ländern wertvolle, dringend benötigte Fachkräfte. Zudem lagern Länder wie Kanada oder die Schweiz auch Ausbildungskosten aus, wenn sie Fachkräfte im Ausland rekrutieren. Die kritische Forschungsgemeinschaft spricht daher auch von einer neo-kolonialen Praxis.
  • Deskilling: Gesundheitsfachkräfte sind weltweit äusserst gefragt. Dennoch müssen sie oft die Entwertung ihrer Qualifikationen hinnehmen. Damit verbunden sind nicht nur harte Rückschläge in Berufsbiographien, sondern auch der Verlust dringend benötigter Ressourcen, denn es kommt nicht selten vor, dass eine Pflegerin  im Ankunftsland Hausangestellte wird.

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