Neue Entwicklungen im Medizinstudium

Durch das Sonderprogramm Humanmedizin steigt die Zahl der Universitäten, die Medizinerinnen und Mediziner ausbilden. Dr. med. Christian Schirlo und Waltraud Georg von der medizinischen Fakultät der Universität Zürich zeigten an der Veranstaltung «Careum Campus lebt» die neuen Entwicklungen auf.

Hans Gut (Careum), Waltraud Georg (Universität Zürich) und Dr. med. Christian Schirlo (Universität Zürich) beim Anlass «Careum Campus lebt» (v. l.).

Das Medizinstudium hat viele dynamische Entwicklungen erfahren. «Wir erleben die Reform der Reform der Reform», sagte Dr. med. Christian Schirlo, Stabsleiter des Dekanats der medizinischen Fakultät der Universität Zürich, an der Veranstaltung «Careum Campus lebt» vom 24. Oktober 2017. Auf das Studienjahr 2017/18 sind zusätzliche Studienplätze und Standorte hinzugekommen. Dies eröffnet den Studierenden eine breitere Palette. So können sie ihr Studium etwa an der Universität Zürich beginnen und für den Joint Medical Master nach St. Gallen oder Luzern wechseln. Oder sie steigen in den neu geschaffenen Bachelor Humanmedizin an der ETH Zürich ein und setzen ihr Studium im Tessin fort. «Für Studieninteressierte bedeutet dies allerdings auch, dass es deutlich komplizierter wird, wohin die Reise geht», sagte Waltraud Georg, Leiterin Stab Studiendekanat der medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Um die neuen Ausbildungsangebote miteinander koordinieren zu können, haben die universitären Partner das Bildungsnetzwerk Medizin initiiert.

Sonderprogramm für mehr Abschlüsse in Humanmedizin

Doch was steckt hinter diesen neuen Entwicklungen? Der Schweiz mangelt es an einheimischen Ärzten, die Zahl der praktizierenden Hausärzte sinkt, die ländlichen Gebiete sind unterversorgt, der Frauenanteil steigt und die Arbeitszeiten haben sich geändert. Um die Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften zu reduzieren und die Gesundheitsversorgung nachhaltig sicherzustellen, hat der Bund das Sonderprogramm Humanmedizin 2017 bis 2020 mit einer Sonderfinanzierung über 100 Millionen Franken ins Leben gerufen. Damit sollen die Ausbildungskapazitäten und Abschlüsse in Humanmedizin ausgebaut werden. Anstrengungen zur Stärkung der medizinischen Grundversorgung und der Interprofessionalität werden dabei explizit begrüsst. Das Interesse an einem Medizinstudium ist ungebrochen, wie Waltraud Georg ausführte. Die Anmeldungen für den Eignungstest sind stetig gewachsen. Tatsächlich hat die Universität Zürich auch die Studienplätze von 2012 bis 2017 bereits von 240 auf 372 erhöht.

Als Herausforderungen der neuen Ausbildungsmöglichkeiten zählte Waltraud Georg etwa die curriculare Planung und Abstimmung, die Ausarbeitung der Profile, die Erprobung neuer Lehr- und Lernformen, die verstärkte Nutzung digitaler Medien oder den Reiseaufwand für die Studierenden auf. Eine weitere Herausforderung stellt der neue Lernzielkatalog für Medizinerinnen und Mediziner dar. Neu sind darin die sogenannten «Entrustable Professional Activities» enthalten. Dar­unter werden berufliche Fähigkeiten verstanden, die so sicher beherrscht werden, dass sie von der betreffen­den Fachperson ohne Supervision ausgeübt werden können.

Neue Modelle für medizinische Grundversorgung gefragt

In der Diskussionsrunde kam etwa die Frage auf, welche Steuerungsmöglichkeiten es gibt, um das Problem der medizinischen Grundversorgung zu lösen. Viele Studierende wissen laut Dr. med. Christian Schirlo am Anfang des Medizinstudiums noch nicht, wohin sie wollen. Deshalb müsste die Förderung der Grundversorgung auch später ansetzen. «Durch curriculare Massnahmen kriegen wir das nicht hin.» Es brauche noch andere Mechanismen. Gefragt sind auch neue Modelle wie etwa interprofessionelle Gesundheitszentren. Der Einzelkämpfer in der Einzelpraxis sei dagegen nicht mehr attraktiv. 

Die Veranstaltung «Careum Campus lebt» soll den Austausch auf dem Careum Campus fördern. «Es geht darum, sich gegenseitig kennenzulernen. Im Idealfall können so gemeinsame Projekte entstehen», erklärte Hans Gut, Präsident der Careum Stiftung. Die medizinische Fakultät der Universität Zürich bezeichnete er als wichtigen Nachbarn. Mit der gemeinsamen «Hauptbibliothek – Medizin Careum» sei bereits 2005 der physische und geistige Grundstein für die Zusammenarbeit auf dem Careum Campus gelegt worden.