Grenzüberschreitende Langzeitpflege

Der demographische Wandel verlangt nach neuen Modellen, um den Forderungen nach Bezahlbarkeit und geeigneter Versorgung in der Langzeitpflege gerecht zu werden. Angesichts des hohen personellen wie auch finanziellen Aufwands erstaunt es nicht, dass die Nachfrage nach ausländischem Pflegepersonal zunimmt. Die Mobilität im Gesundheitswesen war auch Thema an der Association of Geographers AAG Annual Conference, 29. März bis 4. April 2016, in San Francisco. Karin van Holten (Careum Forschung) präsentierte zusammen mit Eva Soom Ammann (Universität Bern) ihre Forschungsergebnisse zum Phänomen der grenzüberschreitenden Langzeitpflege unter dem Titel Less professional, but more humane. Transnationalizing long-term care delivery.

Der Vortrag über Care Migration erfolgte im Rahmen der Session Health mobilities II, die von Heidi Kaspar (Universität Zürich / Careum Forschung) und Audrey Bochaton (University Paris Ouest Nanterre la Défense) organisiert wurde.

Die Wanderbewegung erfolgt in zwei Richtungen: Auf der einen Seite werden Pflegekräfte aus dem Ausland «importiert». Es handelt sich hier meist um Frauen aus Deutschland und aus osteuropäischen EU-Ländern. Solche Care-Migrantinnen wohnen und arbeiten für eine gewisse Zeit in den Privathaushalten von pflegebedürftigen Personen als «Live-ins».  Auf der anderen Seite verlassen pflegebedürftige Personen ihre Heimat und suchen in östlichen und südlichen Schwellenländern bezahlbare Pflege und häusliche Versorgung. Es lässt sich somit aufzeigen, dass transnationale Strategien von verschiedenen Akteuren angewendet werden, sowohl von Nutzer/innen wie auch von Anbieter/innen von Pflegedienstleistungen.

Diese Entwicklungen werden vom Wohlfahrtsstaat und dem Gesundheitssystem nicht angemessen aufgenommen. Karin van Holten stellt deshalb zur Debatte, in welchem Ausmass es überhaupt ein staatliches Interesse gibt, solche transnationalen Wanderbewegungen in der Pflege zu regulieren –  erfolgt doch die Bezahlung aus eigenem Sack und entlastet letztlich auch das Budget des Sozialstaates.