Wie gelingt Interprofessionalität?

Tag 2 zur Zusammenarbeit von Gesundheitsfachleuten

Tagung SAMW Tag 2 - Gruppendiskussion: «Wie gelingt Interprofessionalität?»

Mehr als 60 Fachpersonen aus der Gesundheitswelt trafen sich am 9.6.16 zum zweiten Mal auf dem Careum Campus, um über vier bestimmende Faktoren von Interprofessionalität für die Praxis nachzudenken. Die Tagung wurde vom SAMW  organisiert und nimmt Bezug zur «Charta: Zusammenarbeit der Fachleute im Gesundheitswesen»

Prof. Monika Schäfer, Einführung SAMW Tagung, 9.6.2016 Careum Campus Zürich
Einführung Prof. Monika Schäfer

In ihrer Begrüssungsrede, auch im Namen der Careum Stiftung als Gastgeberin der Tagung, zeigte Prof. Monika Schäfer, Leiterin Bildungsentwicklung, wie Careum interprofessionelle Zusammenarbeit in Aus- und Weiterbildung zusammen mit Partnern fördert und stimmte die Teilnehmenden mit einem thematischen Rückblick auf die erste Tagung ins Programm der zweiten Tagung ein.

Am ersten Tag waren die Faktoren «Setting» und «Verantwortung» Thema, mit Praxisbeispielen.

Zwei weitere Faktoren «Leadership» und  «Kommunikation»

Prof. Dr. Rudolf Stichweh

Am zweiten Tag referierte Prof. Dr. Rudolf Stichweh über die Entwicklung der Professionen und Berufssilos. Dabei erläuterte er, warum «Leadership» und «Kommunikation» bei der Interprofessionalität besonders herausfordernd sind. Gute Praxis ist losgelöst von der hierarchischen Rolle. Entscheidend ist vielmehr die Moderationsfähigkeit: Brücken schlagen können zwischen Wissenssystemen und Werten, vernetzen können  von wichtigen Informationen, andere Perspektiven erkennen, an den Grenzen vermitteln.

Damit einher geht der Anspruch an Kommunikation: Jede Profession weiss von der andern, dass diese über anderes Wissen zum Thema verfügt und aus einer anderen Perspektive das gleiche Problem angeht. Hier ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, bedeutet, eine gemeinsame Sprache zu finden, im gegenseitigen Austausch.

Best Practice

Teilnehmende der Tagung präsentierten ihre Fallbeispiele aus der Praxis. Sie veranschaulichten eindrücklich, welche Prozesse in der interprofessionellen Zusammenarbeit zum Ziel führen aber auch, wo Scheitern die Sache einen Schritt vorwärts bringen kann.  

Gruppensession SAMW Tagung Interprofessionalität 9.6.2016

In den Arbeitsgruppen brachten die Diskussionen motivierende Resultate: eine gemeinsame Sprache festlegen und sich gleichzeitig auf die eigene Fachkompetenz konzentrieren, war eine Erkenntnis, die gerne geteilt wurde.
Aus den Diskussionen wurde klar: Interprofessionalität hat ein Gesicht erhalten mit den vier Faktoren und gibt gleichzeitig Rätsel auf. Wie können wir lernen, eine neue Sprache zu sprechen; wie können wir die andern selber besser verstehen und von ihnen auch verstanden werden? Wie funktioniert die Orchestrierung im interprofessionellen Team ohne Dirigent, aber wie eine improvisierende Jazz Formation mit individuellem Einsatz von Solisten, bei denen Leadership immer wieder wechselt? Welche treibenden Kräfte tragen Interprofessionalität nach aussen? Wo liegen noch unbekannte Stolpersteine?

Gruppendiskussion SAMW Tagung Interprofessionaität 9.6.16 Careum Campus

Mit der Aufforderung zu Mut und Pragmatismus, mit Strukturen, die zu Fallbeispielen führen und Mosaiksteinchen, die dazu beitragen, Leidenswege von Patientinnen und Patienten zu verkürzen, setzte die Tagung einen vorläufigen Schlusspunkt.
Am 8.12.2016 folgt eine nächste Tagung in Bern mit zusammenfassenden Resultaten und weiteren Ergebnissen laufender Studien.