Patienten-Experten handeln aus innerer Stärke

Patienten-Experten handeln aus innerer Stärke

Dr. phil. Peter Lude, MSc, seit 32 Jahren querschnittgelähmt und Rollstuhlfahrer, erzählte,  wie er mit dieser Einschränkung lebt. Elsbeth Fischer-Doetzkies, pensionierte Pflegeexpertin und langjährige Pflegende Angehörige, schilderte, wie sie die Beziehung zusammen mit ihrem chronisch erkrankten Partner meistert, und wie sie akute und chronische Umstände rund um die Krankheit bewältigt.
Obwohl beide Interviewpartner in unterschiedlichen Situationen leben, teilen sie gemeinsame Erfahrungen. Sie nehmen Verantwortung selbstbewusst wahr und wissen, wie sie ihre Anliegen im Kontakt mit ihrem Umfeld einbringen können.
Den Studierenden konnten sie exemplarisch aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht in der Gesundheitsversorgung und wie sich Patienten und Angehörige Gehör verschaffen können. Dieser Einblick in das Patienten-Mentorat aus dem Schwerpunkt «Clinical Excellence» bildete einen Beitrag zur Gestaltung von Kommunikation und Wertehaltung zwischen Gesundheitsfachpersonen mit Patienten und Angehörigen.

Mit einem Körper ohne Bewegung Beweglichkeit entwickeln

Peter Lude musste sich schon in jungen Jahren mit massiven Einschränkungen auseinandersetzen und einen neuen Weg finden. Er hat sich von Beginn an auf die innere Wahrnehmung konzentriert und darauf, was er noch kann. Wille und Freude am Leben sind bei ihm die Triebfedern, die ihn bis heute anstossen, Ziele zu setzen und zu erreichen. Er spürt Zuversicht in sich und beteiligt sich als vollwertiges Mitglied an der Gesellschaft. So ist er auch neben dem Beruf als Psychotherapeut in eigener Praxis, seiner Tätigkeit in Lehre und Forschung, seit über sechs Jahren Gemeinderat.

Er gestaltet sein Leben zusammen mit seiner Partnerin, die ihn oft begleitet. Sie haben gemeinsam diese Wahl getroffen und übernehmen Verantwortung für ihr je eigenes Leben mit Blick auf die Bedürfnisse des Partners, der Partnerin. Täglich gilt, die fordernde Situation neu zu bewältigen, zu meistern, was der Alltag von ihnen verlangt, in gegenseitiger Abstimmung, flexibel und gewandt. Bei ihnen geht es nicht nur um die Pflege, sondern vor allem um den gepflegten Umgang in der Beziehung. Peter Lude arbeitet daran, gut gestimmt zu sein. Seine Partnerin weiss, was sie will und kann.

Unterstützung beanspruchen, wenn es die Situation verlangt

Elsbeth Fischer-Doetzkies steht als Pflegende Angehörige an einem anderen Ort. Ihr Partner lebt in einer Pflegeinstitution für chronisch Erkrankte und muss von Zeit zu Zeit hospitalisiert werden. Es kann jederzeit passieren, dass sich der Gesundheitszustand verändert und sie zur Stelle sein muss. Die chronischen und akuten Situationen verlangen von ihr innere und äussere Bereitschaft, das Geschehen flexibel zu managen. Sie berichtet, wie sie ihren Partner in diesen Situationen unterstützt, begleitet, für einen kontinuierlichen Informationsfluss sorgt und die notwendigen vielfältigen Koordinationsarbeiten mit den Gesundheitsfachleuten steuert.

Die Einschränkungen bei ihrem Partner und für sie als Angehörige haben sich schleichend entwickelt. Je nach Befund  musste immer wieder neu entschieden werden, wie sie Pflege und Präsenz an seiner Seite organisieren konnten. In gemeinsamer Absprache haben sie immer wieder geklärt, ob und welche Unterstützung sie beanspruchen sollten und konnten. Die lange Erfahrung als Begleiterin hat die innere Haltung gestärkt, selbstbewusst wahrzunehmen, welche Form der Unterstützung in welcher Situation sinnvoll ist. Mit dieser klaren Haltung kann Elsbeth Fischer-Doetzkies auch den Gesundheitsfachleuten Sicherheit vermitteln.

Literaturhinweis
Peter Lude, Querschnittlähmung – Schritte der Bewältigung. Die Kraft der Psyche. Springer Verlag.2016

Konferenzhinweis
Elsbeth Fischer-Doetzkies, Angehörige und begleitende Mentorin, am Deutschen Pflegetag März 2016