Intersektorale Innovationen im ambulanten Bereich

Das von der Careum Stiftung und der B.Braun-Stiftung getragene Programm richtet in der Ausgabe 2016 den Blick auf das Versorgungskontinuum. Besonderes Augenmerk gilt den Prozessen, der Effizienz, den Datenflüssen und auch der Orientierung an den sich ändernden Bedarfen im Zuge der Ambulantisierung und der Zunahme an chronischen Krankheiten. 

Unter dem Titel «Langzeitversorgung war gestern…  heute zählt sektorenübergreifende Prozessintegration» stellte Marlies Petrig vom Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit KZU  dar, wie die behäbige Planung mit der kürzeren Hospitalisationsdauer und steigenden Fallschwere vereinbart werden kann. Durch aufsuchendes Care und Case Management sowie wöchentlichen Zielgesprächen im interprofessionellen Team (Pflege, Geriater, Physio- & Ergotherapie) können 64 % der Hochbetagten wieder nach Hause gehen.

Anhand der eigenen Biographie und ihrer Arbeit bei der Spitex Luzern stellte Christine Rex dar, welche Kompetenzen es braucht, damit ein solch anspruchsvolles Care Management möglich wird. Im Beitrag «Fit for practice: Expanded Roles in Nursing» zeigte sie den Nutzen einer Pflegeexpertin in komplexen Lebenssituationen, wenn sie die Akteure der Versorgung koordiniert und selber klinische Leistungen erbringt. Als Studiengangsleiterin stellte sie vor, wie die Kalaidos FH Gesundheit zur Schärfung der «expanded roles» beiträgt und damit die in der Grundversorgung notwendige Aufgabenübertragung erst ermöglicht.

Stefan Essig und Robyn Cody vom Institut für Hausarztmedizin und Community Care in Luzern  erläuterten, wie sich der «scope of practice» der Hausärzte verändert und  welche Potenziale zur Integration von Nurse Practitioners (NP) daraus resultieren. Die Forschungsergebnisse machen insgesamt deutlich, dass dies eine Chance für die «Hausarztmedizin» ist. Die Versorgungsqualität bleibt hoch, die Tätigkeiten der NP geben gute Antworten auf Anforderungen der Patienten und die Kompetenzen schaffen Sicherheit in autonomen Rollen. Die anlaufende disruptive Innovation im multiprofessionellen Setting braucht allerdings gute Kommunikation und Organisationsentwicklung.   

Wie anspruchsvoll die Umsetzung innovativer Ansätze ist, zeigte Stefan Knoth anhand von Beispielen aus seiner Arbeit als Berater für System-, Organisations- und Strategieentwicklung bei Curanovis. Wenn von sektorenübergreifender Versorgung die Rede sei, fänden oft Sektorenübergriffe statt. Und: die Sektoren manifestierten sich als Sektörchen mit Grenzziehungen entlang politischer, professionaler, persönlicher, emotionaler, regionaler, ethischer und gesellschaftlicher Linien. Bei der Steuerung und Regulierung sei hingegen zu beobachten, dass in der Schweiz die Kompromissbereitschaft hilft, dass (branchenfremde) Akteure innovative Arrangements über die Sektorengrenzen hinweg realisieren können.

Beat Sottas