Älter werden mit Behinderung und die Lebendigkeit bewahren

Abendveranstaltung von Careum Forschung und Spitex Zürich Limmat

Die zunehmende Hochaltrigkeit ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Auch Menschen mit Querschnittlähmung werden immer älter. So gewinnt eine neue Frage immer mehr Bedeutung: Wie geht man im Alter mit Behinderung um? Damit setzte sich am 24. November die Abendveranstaltung von Careum Forschung und der Spitex Zürich Limmat auseinander. Gut 40 Personen folgten den Referaten und der engagierten Diskussion.

Der Abend darf als gelungenes Beispiel für Patientenzentrierung und Nutzerorientierung bezeichnet werden, basierte er doch auf dem Buch «Warum das Leben weiter geht – auch im Alter und mit Behinderung». Herausgegeben wurde es von Peter Lude, Fritz Vischer und Mechtild Willi Studer 2014 im Verlag Johannes Petri. Es entstand ganz wesentlich mit der Beteiligung von Patientinnen und Patienten und rückt so die Patientenzentrierung in den Mittelpunkt.

Ins Thema der Veranstaltung führte der Mitherausgeber Dr. Peter Lude (Praxis für Psychotherapie und Dozent für Rehabilitationspsychologie) ein. «Eine Querschnittlähmung ist von aussen betrachtet eine Katastrophe», sagte er. Aus seiner eigenen Erfahrung konnte er aber feststellen, dass die Innensicht anders sei: Jede Lebensbedrohung habe auch lebenszuwendende Prozesse zur Folge. Sie mobilisieren Ressourcen. Es gehe darum, innerlich aktiv zu sein. Untersuchungen zeigen, dass vor allem Angehörige so reagieren, wie man es von Patientinnen und Patienten erwarte: Mit Krise und Stress. Es sei daher zentral, auch Angehörige in den Rehabilitationszentren zu betreuen.

Christina Brunnschweiler, CEO Spitex Zürich Limmat, hob die verschiedenen Facetten von Autonomie hervor: körperliche, gefühlsmässige, soziale und rechtliche. «Die Spitex sieht in Autonomie und Pflegebedürftigkeit keinen Widerspruch, sondern einen gemeinsamen Weg», sagte sie. Denn es gehört zum Grundauftrag der Spitex, die Autonomie zu stärken. Freilich gibt es dabei eine Reihe von Herausforderungen: zum Beispiel pflegerische Standards, die fortwährende Anpassung der benötigten Unterstützung oder sich ändernde Fragestellungen mit zunehmendem Alter. Es brauche daher eine hohe Aushandlungs- und Kooperationsbereitschaft, sagte sie.

Anke Jähnke, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Careum Forschung, stellte das laufende Forschungsprojekt «Arrangements von Menschen mit Querschnittlähmung» vor. Es geht von der Frage aus, wie querschnittgelähmte Personen Pflege, Betreuung und Unterstützung zu Hause organisieren. Erste Erkenntnisse aus den bereits geführten Interviews zeigen: Es sind personell meist sehr komplexe Arrangements mit teilweise bis zu 12 Personen, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Auch bezüglich Finanzierung besteht eine grosse Vielfalt. Die Arrangements entstehen im Rahmen spezifischer Lebenskontexte und verändern sich im Lebenslauf entsprechend. Finanzierungshürden und -logiken können dabei die Bestrebungen zur Selbstbestimmung einschränken.

Dass Hochaltrige mit Behinderung ein neueres Phänomen sind, zeigte auch die anschliessende Diskussion, die von Prof. Dr. Ulrich Otto, Leiter Careum Forschung, moderiert wurde. Die Kombination aus Altersbeschwerden und Querschnittlähmung könne sehr schwierig sein, wurde klar festgehalten. Noch gibt es weder Alters- und Pflegeinstitutionen noch Spitex-Dienste, die spezialisiert auf hochaltrige Menschen mit Behinderungen sind. Die Diskussion zeigte aber auch, dass dem Thema zunehmend Beachtung geschenkt wird, etwa mit dem Ageing-Projekt der Schweizer Paraplegiker-Stiftung.