Geriatriekongress in Wien: Careum Forschung leistet einen starken Beitrag zur Perspektivenvielfalt

57. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie – Wissen und Forschung für ein gelingendes Alter(n)

Die Alternswissenschaften stehen – international – vor gewaltigen Herausforderungen. Nicht zuletzt auf gerontologischen Kongressen wird versucht, dazu alle einschlägigen wissenschaftlichen Disziplinen multiperspektivisch zusammenzubringen, um interdisziplinär nach dem verfügbaren Stand des Wissens sowie möglichen Lösungswegen und Innovationen zu suchen. Der soeben beendete Wiener Geriatriekongress zielte genau in diese Richtung.

Pflege und Unterstützung auf die Distanz

Angehörige, die ein Familienmitglied unterstützen oder pflegen, werden von der Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen. Das laufende Förderprogramm des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist dafür ein ganz aktueller Beleg. Die meisten denken dabei typischerweise an die Tochter, die vor Ort oder doch in der Nähe wohnt und notfalls auch ganz intensiv Pflege und Betreuung übernimmt. Dass immer häufiger auch Personen unterstützen, die weiter entfernt wohnen, machen sich die wenigsten klar. Und zwar weder in der Öffentlichkeit, noch bei Fachkräften und in der Forschung.

Anders war dies auf dem 57. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie in Wien. Eine ganze Session widmete sich dem Thema «Distance Caregiving»: Mitarbeitende von Careum Forschung, dem Forschungsinstitut der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit, sowie von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und der Katholischen Hochschule Freiburg beleuchteten dieses Thema in einem Symposium von verschiedenen Seiten. Moderiert von Ulrich Otto (Leiter Careum Forschung) wurden einerseits bereits vorliegende Erkenntnisse aus der internationalen Literatur (Vortrag Birgit Kramer), aber auch erste empirische Ergebnisse aus dem binationalen Projekt «DiCa: Pflege- und Hilfepotenziale über nationale Distanzen und internationale Grenzen hinweg» (SILQUA-FH/BMBF) (Vortrag Birgit Kramer & Karin van Holten) vorgestellt. In weiteren Beiträgen wurden die Chancen und Herausforderungen von technischen Hilfsmitteln (Vortrag Anna Hegedüs), die Rolle der Versorgungsforschung (Vortrag Stefanie Klott) und der Transnationalisierung (Vortrag Karin van Holten) thematisiert. In einer weiteren Session zur Spannung zwischen Pflege und Betreuung brachte Ulrich Otto zudem Überlegungen zum Thema «Betreuung und Pflege aus Distanz – Angehörige im Pflegeteam stark machen» ein.

Innovative sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forschung

In den Beiträgen von Careum Forschung am ÖGGG-Kongress in Wien ging es aber nicht nur um das Thema Distance Caregiving, in jedem Falle aber um Innovationsthemen. Neben drei präsentierten Postern von Ulrich Otto (siehe unten), stellte Yvonne Liebert-Keller in ihrem Vortrag das Projekt Double-Duty Caregiving vor: Sie sensibilisierte das Publikum für die Doppelrolle von Pflegefachpersonen, die zu Hause zugleich ihre Angehörigen unterstützen. Spannende Diskussionspunkte wurden auch in einem weiteren Vortrag von Ulrich Otto zum Thema «Uber in der Pflege?» aufgeworfen. Zugespitzt fragte er: «Darf über Plattformen pflegen wer will?» – stundenweise niedrigschwellig und flexibel, auch ohne Qualitätssicherung und jenseits sicherer Arbeitsverhältnisse?

Der spannende Kongress inspirierte und motivierte für weitere Projekte und Vortragstätigkeiten und stärkte zudem die Vernetzung von Careum nach Österreich und Deutschland. Und umgekehrt konnte das interdisziplinäre Careum Forschungsteam zusammen mit den Ludwigsburger Projektkolleginnen einen starken Beitrag zur im Kongress gewünschten Perspektivenvielfalt leisten, damit im eher altersmedizinisch geprägten Programm auch die sozialen und pflegerischen Aspekte und die Perspektive der Sozial- und Verhaltenswissenschaften angemessen zum Tragen kommen.

Tagungsunterlagen