Podcast: Buntes Leben im Alter

Der Forschungsleiter der Careum Hochschule Gesundheit, Prof. Dr. Ulrich Otto, im Deutschlandfunk-Podcast «Generation 50 plus experimentiert» über den neuen Mix an Wohnformen im Alter.

«Wohnst du noch allein oder schon in Gemeinschaft?» Diese Frage zieht sich durch den Deutschlandfunk Kultur-Podcast von Anastasija Roon. Sie interviewte dabei auch den Forschungsleiter der Careum Hochschule Gesundheit, Prof. Dr. Ulrich Otto. Der Sozialgerontologe forscht mit seinem Team im Programm Ageing at home zu aktuellen Themen wie neue Wohn- und Pflegeformen im Alter, Caring Communities, pflegende Angehörige und integrierte Versorgung.

Gemeinsam nicht einsam sein – auch im Alter. Mit zunehmendem Alter werden Menschen einsamer. Fehlen Lebenspartner, werden Wohnpartner wichtiger. Auch deswegen experimentieren immer mehr Menschen ab fünfzig mit Wohnformen wie WG oder Hausgemeinschaft. Sogar eine Internetseite gibt es, die bei der Wohn-Partner-Suche hilft.

Wohnen im «Realexperiment»: Tendenz WG oder eher Hausgemeinschaft?

Für Ulrich Otto tun sich ältere Menschen schwerer damit als zum Beispiel Studierende, wenn es darum geht, in eine WG zu ziehen: «Die Älteren bringen eben ihr ganzes Leben schon mit in die Wohngemeinschaft und sind vielleicht auch weniger bereit, ganz neue Dinge zu machen oder sich von eigenen Dingen zu verabschieden. Aber sie bringen eben auch Ressourcen mit. Vielleicht grosses Verhandlungsgeschick, vielleicht eine Form von Gelassenheit. Insofern ist es natürlich anders, aber die Herausforderungen, die sind in der studentischen Wohngemeinschaft eigentlich die gleichen wie in einer Wohngemeinschaft, wo Ältere mit leben.»

Um in höherem Alter selbstbestimmt leben können, wagen sich immer mehr, in innovativeren Wohnformen zu leben – Tendenz steigend: «Aber dann gibt es eine ganz, ganz grosse und wachsende Gruppe, die versucht, Experimente, Realexperimente zu leben, und die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens ist wirklich inzwischen fast eine Massenbewegung geworden in der Generation 50 plus. Darunter verbergen sich aber ganz, ganz unterschiedliche Formen. Die Wohngemeinschaft älterer Menschen oder auch generationsgemischt ist eigentlich eher die seltenere Form. Ganz viele neuere Wohnformen sind Hausgemeinschaftsformen.»

Für Ulrich Otto sind denn auch Hausgemeinschaften zukunftsweisender als WGs: «Menschen wohnen Tür an Tür, aber unter einem grossen Gebäudedach, nicht aber hinter derselben Wohnungstür. Für die meisten bedeutet es ein gestuftes miteinander Zusammenwohnen, Dinge gemeinsam zu machen, vielleicht auch Gemeinschaftsflächen, den Gemeinschaftsgarten, den Gemeinschaftsraum gemeinsam zu bespielen, aber eben die eigene private Rückzugszone, die eigene Wohnung nicht aufzugeben.»

Generell gilt: Erfolgreich sind sozial gemischte Gemeinschaftsprojekte, aus seiner Sicht die robustesten Wohnformen. Wohnformen, die sich anpassen, egal, wie das Leben einem mitspielt: «Wir können inzwischen 20, 25 Jahre Wohnprojekte überblicken. Die erfolgreichen Projekte fangen sehr früh, meisten zu Beginn schon an, eine Mischung aus unterschiedlichen Bildungs-, Finanz-, Hausstands- und auch Altersgruppen zu bilden, und solche sehr gemischten Gruppen sind potenziell natürlich ressourcenreicher.»

Die neue Generation älterer Menschen wünscht vielfältige Wohnformen

Die gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen und der Wunsch nach Individualität und Selbstbestimmung verändern auch die Sicht auf das Wohnen und Leben im Alter. Ältere Menschen sind heute aktiver und selbstständiger. Gemeinschaftliche Wohnformen im Alter sind heute vielfältiger. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Lebenswelt und Lebenserwartung der neuen Generation älterer Menschen verändert hat: «Was hiess denn früher 65 bis 79? Da war das das Lebensende. Heute sind ganz viele Menschen, immer mehr Menschen in diesem Alter, aber sie sind in diesem Alter mobil. Sie sind noch recht gesund. Sie sind vielleicht auch mit Bildung und finanziellen Ressourcen gut ausgestattet.»

Das ganze Interview und den ganzen Podcast hören und lesen Sie auf Deutschlandfunk Kultur.

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