SCHP 2018: Patienten mehr ins Zentrum rücken

Keynote-Speakerin Prof. Dr. Ilona Kickbusch am SCHP. Bilder: Milena Svec Götschi

Die «personenzentrierte Gesundheitsversorgung» stand am zweitägigen Swiss Congress for Health Professions (SCHP) 2018 im Careum Auditorium im Mittelpunkt. Dies verleitete den Zürcher Regierungspräsidenten Dr. Thomas Heiniger zur provokativen Frage, ob die Gesundheitsversorgung nicht per Definition personenzentriert sei. Um gleich darauf in seiner Begrüssungsansprache auszuführen, dass dem nicht so ist. Die Gesundheitsversorgung ist ein komplexes System von vielen Akteuren mit eigenen Interessen. «Da werden die Patienten oft in den Hintergrund gerückt.»

Dabei können die Patienten viel bewirken. Sie sind die absoluten Experten, wenn es um ihre eigene Gesundheit geht. Stichwort: Gesundheitskompetenz. «Sie entscheidet, wie gut sich die Patienten im Gesundheitssystem zurechtfinden.» Heiniger erwähnte in diesem Zusammenhang  auch das kürzlich in Partnerschaft mit Careum lancierte Projekt «Gesundheitskompetentes Zürich». Er forderte die Fachpersonen auf, als Ansprechpersonen dabei zu helfen, die Komplexität des Systems zu reduzieren. Und er nahm auch die Fachhochschulen in die Pflicht: «Die Bildung ist wichtig, um die Weichen zu stellen. Denn der Wandel beginnt immer in den Köpfen der Menschen.»

«Es wird zu viel über Patienten statt mit ihnen gesprochen»

Prof. Ursina Baumgartner, Rektorin der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit und SCHP-Organisatorin, wies in ihrer Rede auf die Individualität von Patienten und Angehörigen hin: «Die Betroffenen sprechen eine eigene Sprache – aus dem Bauch heraus.» Zu oft würden solche Aussagen von Fachpersonen nicht ernst genommen. Die oberste Patientenschützerin Susanne Hochuli und Patientencoach Cristina Galfetti bemängelten zusätzlich, dass viel zu viel über Patienten statt mit ihnen gesprochen würde.

In den Keynotes des ersten Tages stand die Einbindung von Patienten im Zentrum. Prof. Dr. Sabine Hahn von der Berner Fachhochschule stellte der Schweiz kein gutes Zeugnis aus: «Wir sind noch weit entfernt von Koproduktion.» Sie forderte deshalb, das «Service-User Involvement» bereits in der Ausbildung, aber auch in der Forschung voranzutreiben. Prof. Dr. Beatrice Beck Schimmer, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, klärte auf, wie man nicht auf die «dunkle Seite» des wissenschaftlichen Fehlverhaltens gerät. Wissenschaftlich integer zu arbeiten, heisst eben auch, Patienten früh in Forschungsprojekte einzubinden.

Vom bevormundeten Patienten zum Self Carer

Prof. Dr. Bernhard Güntert von der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein zeigte derweil auf, dass sich die Patientenrolle über die Jahre verändert hat: Vom bevormundeten Patienten zum Manager der eigenen Gesundheit oder zum Self Carer. Und Dr. Marco Vencato von der Gebert Rüf Stiftung stellte das Programm «First Ventures» vor, das Wissenschaft und Unternehmertum verknüpft. Es fördert Fachhochschulabsolventen mit innovativen Geschäftsideen.

Prof. Dr. Ilona Kickbusch, Stiftungsrätin bei Careum, hielt im Tagesrückblick fest, dass das Schweizer Gesundheitswesen im internationalen Vergleich zwar gut abschneidet. «Aber gerade im Hinblick auf Patientenbeteiligung wäre noch viel mehr möglich.» Von der besseren Kommunikation im Krankenhaus bis hin zu Forschungsprojekten. Sie wies darauf hin, dass Patienten in anderen Ländern etwa als Peer Reviewer tätig sind oder in Beiräten sitzen. In ihrem Keynote am Ende des zweiten Tags betonte Ilona Kickbusch zusätzlich, dass der patientenzentrierte Ansatz die Zukunft im Gesundheitswesen bedeutet. Klar ist: Es braucht dafür auch aktive und kompetente Bürgerinnen und Bürger sowie Patientinnen und Patienten.

Ausführlicher Bericht im Careum Blog

Zusätzlich kamen die 180 Teilnehmenden am SCHP 2018 in den Genuss einer Vielzahl von spannenden Parallelveranstaltungen und von drei Paneldiskussionen. Auch Peers waren mit einem eigenen Spiel präsent. Die Teilnehmenden konnten sich mit ihnen an einem eigenen Tisch austauschen, ihren Blickwinkel einnehmen und Informationen aus Betroffenensicht sammeln. Am nationalen Kongress haben sich alle Fachhochschulen Gesundheit aus der Schweiz mit Forschungsbeiträgen und Fachinputs beteiligt. Das zeigt sich auch bei den eingereichten Postern. Alle Beiträge aus den Workshops und Parallelsessions kamen zudem von Beteiligten aus den Fachhochschulen. Ein ausführlicher Bericht zur zweitätigen Tagung wird in den nächsten Wochen im Careum Blog erscheinen.

Der nächste SCHP, der eine Plattform bietet, um sich über Trends in der Gesundheitswelt auszutauschen, findet am 31. August und 1. September 2020 in St. Gallen statt. Er steht unter dem Motto: «young interprofessionals working  culture today and in the future – best practice and methods for health care and education».

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SCHP18 Kongresswebsite

Blogbeitrag zur personenzentrierten Gesundheitsversorgung von Prof. Dr. Iren Bischofberger