Gesucht: Junge Ideen für eine alternde Gesellschaft

Funktionales, intuitives und dennoch schönes Design – bei der Produktenentwicklung für ältere Menschen geht es längst nicht nur um Pflege- und Unterstützungsprodukte. Mit dem SENovation-Award werden gezielt innovative Start-ups unterstützt, die technologische oder digitale Innovationen für ältere Menschen auf den Markt bringen wollen. Neu können an der diesjährigen Ausschreibung auch Bewerbungen aus der Schweiz eingereicht werden.

Die Gesellschaft wird immer älter. Diese demographische Entwicklung wirkt sich auch auf die Produktentwicklung aus – auch vor dem Hintergrund, dass die Kaufkraft der über 60-Jährigen bis 2020 weltweit ein Volumen von 15 Billionen US-Dollar erreicht haben dürfte!
Jedoch finden längst nicht alle Produkte, die gezielt für ältere Menschen lanciert werden, auch tatsächlich einen Markt. Beispielsweise gibt es viele Senioren und Seniorinnen, die kaum Interesse an den speziell für ältere Menschen entwickelten simplen Klapphandys mit grossen Tasten und wenig Funktionen zeigen. Auch in dieser Altersgruppe setzt ein wachsender Teil auf das Design und die Technik von Smartphones und Tablets. Die Geräte werden auch längst nicht nur zum Telefonieren benutzt. Es werden Applikationen genutzt, Fotos gemacht, Karten virtuell ausgespielt, Sudokus gelöst, Textnachrichten gesendet, Videotelefonate mit den Grosskindern geführt.

Form versus Funktion?

Der Designleitsatz «form follows function» gilt auch für Produkte, die für speziell für ältere Menschen entwickelt werden. Ein Produkt muss zuerst Zweck und Bedürfnisse erfüllen und erst in zweiter Linie auch dem Auge gefallen. Trotzdem sollen sich Form und Funktion nicht grundsätzlich ausschliessen. Auch ältere Menschen möchten zunehmend schönes Design – und nicht nur praktische Geräte.

Frank Leyhausen, MedCom International Bonn und Projektleiter des SENovation-Awards, ruft Unternehmen und Start-ups dazu auf, diese Entwicklung im Auge zu behalten: «22% der deutschen Bevölkerung und über 18% der schweizerischen Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. Unternehmen nehmen diese wachsende Konsumentengruppe mit ihren veränderten Bedürfnissen nicht war, dies gilt gerade auch für die Gründerszene.» In den USA sei die Thematik unter dem Namen «Longevity Economy» schon seit Jahren eine feste Größe bei Innovation und Geschäftsmodellentwicklung.

SENovation-Award: Design von jungen Menschen für ältere Menschen

Die Produktentwicklung für ältere Menschen zu «entstauben» und zu entstigmatisieren – das ist ein Anliegen des SENovation-Award. Der Wettbwerb richtet sich an Start-ups und potenzielle junge Gründer und Gründerinnen, die gute Ideen für die ältere Zielgruppe in der Schublade haben oder entwickeln wollen. Die eine gewinnbringende Geschäftsidee suchen und gleichzeitig etwas Nützliches tun wollen.

Für Frank Leyhausen sollen zwei Dinge erreicht werden: «Mit dem SENovation-Award wollen wir Bewusstsein für die Alterung der Absatzmärkte in der Gründerszene schaffen und innovative Lösungen für dieses Marktsegment sichtbar machen.»

Mit in der Jury des SENovation-Award sitzt auch Jun.-Prof. Dr. Claudia Müller. Sie ist Leiterin «IT für die alternde Gesellschaft» am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Siegen und zugleich Gastprofessorin an der Careum Hochschule Gesundheit, Bereich Forschung. Ihr zentrales Anliegen ist: «Bei der Produktentwicklung müssen die Themen Pflegebedarf, Lebensqualität und Wohlbefinden aus einer Perspektive der gesellschaftlichen Vielfalt und Inklusion betrachtet werden!»

Auch Schweizer Start-ups können neu am Wettbewerb teilnehmen!

Die Bewerbung zum SENovation-Award 2019 läuft bereits (Bewerbungsschluss 30. Juni 2019). Nachdem 2018 lediglich Bewerbungen aus Deutschland akzeptiert werden konnten, freut sich die Jury nun auch auf  kreative Konzepte aus den Nachbarländern.

Was bringt der Award? Die beiden Gewinner erhalten 5'000 Euro Preisgeld und ein individuelles Coaching. Alle Finalisten können zudem sowohl beim Live Pitch in Berlin und beim Finale in Dortmund wichtige Kontakte knüpfen und sichtbar werden.

Für die letztjährigen Gewinnerprojekte hat sich die Teilnahme gelohnt. Den Preis der Gruppe Start-ups gewann die Pflegeplattform Pflegix. Der Preis für Konzepte in der Vorgründungsphase ging an das Team spur. Es entwickelte ein Konzept für Sensorsets zur Verbesserung der Mobilität von Demenzkranken. Frank Leyhausen: «Pflegix expandiert und wir unterstützen hierbei im B2B-Bereich. Und spur hat sich mit unserer Unterstützung um eine Bundesförderung beworben.»
Initiatoren und Unterstützer des Wettbewerbs sind die Deutsche Seniorenliga e.V. und die SIGNAL IDUNA Gruppe.

Mehr erfahren:

Website SENovation-Award