Im Fokus: Pflegende Angehörige aller Altersgruppen

Am 30. Oktober ist jeweils der Tag für pflegende und betreuende Angehörige. Für Careum Forschung stehen Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen das ganze Jahr im Zentrum. Berücksichtigt werden dabei Angehörige aller Altersgruppen.

Angehörigen die nötige Aufmerksamkeit schenken

Am 30. Oktober wird pflegenden Angehörigen die Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit geschenkt, auf die sie sonst oft verzichten müssen. In der Schweiz fehlt auch heute noch die nötige professionelle Begleitung, um Angehörige im Alltag angemessen zu unterstützen. Entlastungsangebote, gezielte Informationen zu Krankheit, Therapie, Versicherungsfragen und rechtlichen Belangen sind in der Schweiz bisher bei keiner nationalen Dachorganisation einheitlich zugänglich gemacht. Das bedeutet für die Betroffenen, dass sie häufig auf sich alleine gestellt sind und Mühe haben, gezielte Unterstützung zu organisieren.

Angehörigenforschung über die ganze Lebensspanne

Careum Forschung prägt seit einigen Jahren massgeblich die schweizerische Angehörigenforschung. Dieses Jahr konnte das ältestes Forschungsprogramm work & care von Careum Forschung bereits sein zehnjähriges Bestehen feiern. Dieses Jubiläum wird auch am Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen gewürdigt, u.a. mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Iren Bischofberger darüber, wo die Schweiz mittlerweile steht in der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Angehörigenbetreuung (weitere Informationen hier.)

Die drei Programmbereiche von Careum Forschung haben alle Altersgruppen pflegender und betreuender Angehöriger im Blick: von den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Betreuungs- und Pflegeaufgaben (Young Carers) über pflegende Angehörige, die Erwerbsarbeit und die Pflege ihrer Nächsten vereinbaren (work & care) bis hin zu den älteren und hochaltrigen Menschen, die selbstbestimmt und teilweise technikunterstützt zu Hause oder in innovativen Wohnformen leben möchten (Ageing at home). Dieser weite Blickwinkel auf Angehörige aller Altersgruppen ist ein Alleinstellungsmerkmal von Careum Forschung in der schweizerischen Forschungslandschaft.

Datengrundlagen schaffen

Gerade sind neue und wichtige Projekte im Bereich Angehörigenforschung gestartet. Gleich mehrere eingereichte eigene Projekte oder Projektbeteiligungen von Careum Forschung wurden im Sommer fast zeitgleich bewilligt – vier Projekte im Rahmen des vom Bundesrat finanzierten Förderprogramms «Entlastungsangebote für pflegende Angehörige» sowie ein EU-Projekt über Young Carers (Vergleich von sechs europäischen Ländern) im Forschungsrahmenprogramm «Horizon 2020».

Die neuen BAG-Projekte werden allesamt gemeinsam und programmübergreifend von «Young Carers», «work & care» und «Ageing at home» erarbeitet.

Neue Projekte im Bereich Angehörigenforschung

Die gesamte Lebensspanne im Blick hat das Projekt Bedürfnisse pflegender Angehöriger nach Unterstützung und Entlastung. Hier wird die Bevölkerung in der Schweiz repräsentativ befragt (in Kooperation mit gfs.bern). Es geht explizit um die Bedürfnisse betreuender und pflegender Angehöriger jeden Alters – sozusagen vom Kind zum Senior. Eine solch breite Datengrundlage in der Lebenslaufperspektive fehlt bis anhin für die Schweiz.

Den Pflegebeginn und die Notfallsituation ins Zentrum stellt das Projekt Unterstützung für pflegende Angehörige beim Einstieg und in Notfallsituationen (Projektleitung: Fachhochschule St. Gallen, Prof. Dr. André Fringer), z. B., wenn Angehörige unvermittelt und unvorbereitet mit einer Erkrankung oder einem Unfall eines Familienmitglieds konfrontiert werden und sich die Situation kurzfristig verschärft.

Careum Forschung ist auch beteiligt an einem Projekt über angehörigenfreundliche Vorsorgungskoordination (Projektleitung: sottas formative works). Mit diesem Projekt soll die Koordination durch und für pflegende Angehörige untersucht werden.

Das Projekt Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege in Unternehmen der Schweiz (Projektleitung: Büro BASS) wird beratend unterstützt durch Prof. Dr. Iren Bischofberger, Programmleiterin «work & care», als langjährige Expertin auf dem Gebiet.

Diese neuen und laufenden Projekte sind die Basis, um auch 2018 die Gesundheitswelt der Zukunft durch massgebliche Forschung besser zu gestalten.

Angehörigenbetreuung international

Ganz anders als in der Schweiz präsentiert sich die Situation in Australien. Marianne Frech (wissenschaftliche Mitarbeiterin Careum Forschung) konnte in Sydney mehrere Wochen Teams der nationalen pflegenden Angehörigen-Organisation (im speziellen Carers NSW) begleiten. Pflegende Angehörige jeden Alters werden individuell unterstützt, begleitet und entlastet. Diese Organisation bildet ein Netzwerk für die Betroffenen, informiert, bietet spezifische Kurse an und vertritt die Anliegen der pflegenden Angehörigen auf Regierungsebene. Zusätzlich führt sie jedes zweite Jahr eine grosse Umfrage für pflegende Angehörige durch. Die erhobenen Daten werden veröffentlicht und stossen auf grosses Medienecho.
Die 7. Internationale Carers Konferenz mit dem Thema Caring into the future: the new world? fand vom 4.-6. Oktober 2017 in Adelaide statt. Über 500 Delegierte aus 15 Ländern nahmen daran teil und Careum war mit mehreren Beiträgen vertreten (Präsentation und Poster). Die Konferenz läutete zugleich die nationale Carers week ein, die mit vielen Angeboten und Aktionen in allen Bundesstaaten auf das Engagement der pflegenden Angehörigen aufmerksam machte.

Mehr erfahren:

Careum Forschung

Entlastungsangebote für Pflegende Angehörige, BAG

Impulsveranstaltung zum Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen: «Berufstätig sein und Angehörige betreuen: Wie gelingt dies?»