Zum internationalen Tag der Familie

Pflege und Unterstützung durch Kinder und Jugendliche

In vielen Familien, in denen chronische Erkrankungen, psychische Gesundheitsprobleme, körperliche Beeinträchtigungen oder Missbrauch von Alkohol oder anderer Substanzen vorliegen, sind Kinder und Jugendliche massgeblich in der Pflege von Angehörigen eingebunden.

Viele Kinder übernehmen entweder vorübergehend oder aber über viele Jahre hinweg regelmässige und erhebliche Unterstützungs- und Pflegeaufgaben für Familienmitglieder – dies meist vor der Öffentlichkeit, vor Entscheidungsträgern oder Fachpersonen «versteckt».

Bewusstsein schaffen und Hilfe anbieten

Wegen ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit ist die öffentliche Wahrnehmung von Young Carers ein wichtiges Anliegen. Bisher haben nur sehr wenige Länder das notwendige Bewusstsein für ihre Situation entwickelt und politische Massnahmen ergriffen. Der Gesundheitszustand, das Wohlbefinden und die individuelle Entwicklung der Young Carers kann durch Interventionen und Angebote in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung verbessert werden. Wichtig ist, die Verantwortung von Young Carers zu reduzieren, positive Ergebnisse zu fördern und negative Auswirkungen zu vermindern.

Finden Interventionen früh genug statt, können sie inadäquate Unterstützungs- und Pflegerollen verhindern. Ein familienzentrierter Ansatz ist dabei für den Erfolg massgebend. Betroffene Familien benötigen eine angemessene Unterstützung. Parallel dazu brauchen Young Carers auf sie zugeschnittene Hilfsangebote. Unterstützungsleistungen müssen familienorientiert, flexibel, verlässlich, qualitativ angemessen, koordiniert und nicht stigmatisierend sein.

Länder, in denen die Situation der Young Carers noch wenig erforscht ist, können sich an bereits vorhandenen internationalen Ergebnissen orientieren. Welche Schlüsselfaktoren dabei zentral sind, hat Prof. Dr. iur. Agnes Leu, Programmleiterin learn & care, Careum Forschung, letzte Woche auf Einladung von Carers Finland in einer Keynote festgehalten.


Weiterführende Literatur

  • Leu, A., & Becker, S. (2017). Länderspezifisches Bewusstsein zur Situation von Young Carers. Eine globale Betrachtung. In Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.), ZQP-Report Junge Pflegende (1st ed., S. 31–35). Berlin. PDF
  • Leu, A., & Becker, S. (2016). A cross-national and comparative classification of in-country awareness and policy responses to 'young carers'. Journal of Youth Studies, 1–13. doi:10.1080/13676261.2016.1260698
  • Leu, A., Jung, C., & Frech, M. (2016). Erwachsene, Jugendliche und junge Erwachsene als pflegende Angehörige in der Schweiz. Paediatrica, (27), 1–3. PDF
  • Leu, A., Jung, C., & Frech, M. (2016). Kinder und Jugendliche sind besonders schutzbedürftig: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene als pflegende Angehörige in der Schweiz. Clinicum, (4), 39–41. PDF