Ins Altersheim nach Thailand?

Quelle: Pixabay

Den Lebensabend im Ausland verbringen – individuelle Pflege und Betreuung in familiärer Atmosphäre in Alters- und Pflegeheimen Südostasiens oder Osteuropas? Kosten sparen und dabei Dienstleistungen empfangen, die in der Schweiz teurer oder unerschwinglich sind? «Care Exports» und Langzeitversorgung: ein gesellschaftlich aktuelles Thema.

Menschen mit bestehendem Pflege- oder Betreuungsbedarf, die in Alters- und Pflegeheime in Südostasien oder Osteuropa emigrieren – handelt es sich bei diesem Phänomen um das Zukunftsmodell «erschwingliches Pflegeparadies» oder aber um einen blossen Medienhype? Karin van Holten, Careum Forschung, referierte über Gerontological colonialism or affordable quality care in paradise? an der 14. IMISCOE-Konferenz in Rotterdam (28.–30. Juni 2017) und präsentierte Forschungsergebnisse zu diesem aktuellen Thema.
Die IMISCOE (International Migration, Integration and Social Cohesion) ist das grösste europäische Forschungsnetzwerk zu Migration und Integration. Karin van Holten ist Mitglied des IMISCOE Standing Committees ‹Ageing Migrants› und führte gemeinsam mit Prof. Sandra Torres (Universität Uppsala, Schweden) ein Forschungspanel zu ‹Media Representations at the Intersection of International Migration and Population Aging› durch.

Angehörige in der medialen Kritik

Karin van Holten präsentierte Ergebnisse aus der Untersuchung von insgesamt 68 Zeitungsartikeln der schweizerischen Medienlandschaft innerhalb der letzten fünfzehn Jahre über das Phänomen der «Care Exports», der Emigration älterer Menschen in Alters- und Pflegeheime Südostasiens oder Osteuropas. Sie konnte aufzeigen, wie eng die öffentliche Wahrnehmung dieses Phänomens mit anderen aktuellen Themen verwoben ist, z. B. mit gesellschaftlichen und demographischen Entwicklungen oder Diskussionen über Gesundheitspolitik, Langzeitversorgung und Fachkräftemangel. Interessant ist, dass die Medien in der Regel ein äusserst widersprüchliches Bild über pflegende und betreuende Angehörige vermitteln. So wird die starke Belastung pflegender Angehörigen durchaus wahrgenommen und anerkannt. Emigrieren jedoch Familienmitglieder in ausländische Pflege- und Alterseinrichtungen, wird deren Angehörigen bald einmal unmoralisches Handeln, finanzielle Eigeninteressen und mangelndes Engagement vorgeworfen.

Die Anzahl der gefundenen Artikel lässt auf den ersten Blick einen Boom vermuten, jedoch stellt dies die Analyse wegen der geringen Bezüge zu konkreten Angeboten in Frage. So beziehen sich die meisten Artikel über Pflege in Thailand lediglich auf zwei Heime. Bei einem «Boom» müssten sich deutlich mehr Angebote für Schweizer finden lassen. Vielmehr bezeugt die stetige Präsenz des Themas in den Medien wohl eher die aktuellen Herausforderungen in der Schweizer Langzeitversorgung, die so medial aufgenommen werden.

Auch interessant

  • Care Migration: Wenn ausländische Live-ins in Schweizer Haushalten leben und pflegen.
  • Programm work & care: Über die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege.