InnoWo – Zuhause wohnen bleiben bis zu letzt

Binationales Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Mannheim und der FHS St. Gallen

«Zuhause wohnen bleiben bis zuletzt» wünschen sich die meisten Älteren auch bei wachsender Hilfebedürftigkeit. Demgegenüber erweist sich in der Realität, dass die meisten Menschen in Institutionen sterben und aufopfernde private Pflege sowie ambulante Dienste immer weniger ausreichen. Die Perspektive, im Alter zu Hause wohnen zu bleiben, «Ageing in place», wurde nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch international zwar zum politischen Credo, aber bisher in der Praxis kaum umgesetzt.

Unter welchen Bedingungen können Ältere möglicherweise deutlich länger zu Hause wohnen bleiben? Länger als gemeinhin und unter hergebrachten Bedingungen angenommen? Jedenfalls jene, die sich dies «länger» wünschen? Das schweizerisch-deutsche F+E-Projekt «InnoWo – Zuhause wohnen bleiben bis zuletzt – in innovativen Wohnformen bzw. mit innovativ-ganzheitlichen Diensten», ging dieser Frage in drei, vorab als chancenreich beurteilten Settings, in einem intensiven qualitativen Forschungsdesign nach. Das binationale Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Mannheim (D) und der FHS St. Gallen (CH) wurde im Rahmen der ersten Welle des BMBF-Programms SILQUA 2009-2012 gefördert.

Untersucht wurden drei Settings:

  • dicht begleitetes häusliches Wohnen im Kontext eines best-practice-Dienstleisters
  • jung-und-alt-Wohnprojekte unter Einschluss von GWA-Profis als NetzwerkstifterInnen und gerade nicht als Case ManagerInnen
  • selbstorganisierte gemeinschaftliche Wohnprojekte

Die Forschungsresultate zeigen, wie vielfältig die Belastungen der alten Menschen und ihrer Angehörigen sind. Möglichst frühzeitige niederschwellige präventive Interventionen, vor allem aber die psychosoziale Beratung, können erste Krisen verhindern oder hinauszögern. Beginnt der Hilfeprozess in einer aktuellen Krise, ist es häufig notwendig, mehrere biopsychosoziale Interventionen simultan durchzuführen. Entscheidend kommt es dabei auf die Sorgfalt und Professionalität der Fachkräfte an, damit sie das gesamte Umfeld nicht verstören oder überfordern. Nicht zuletzt führt ein massgeschneiderter Hilfeprozess nur dann mittel- und langfristig zum gewünschten Ziel des Verbleibens zu Hause, wenn dieser immer aufs Neue und zuverlässig nachgebessert wird und die alten Menschen die Akteursrolle behalten können. Akteure in diesem Sinne sind aber auch die – oft selbst älteren – Angehörigen, deren Interessen und Bedürfnisse keineswegs konform mit denen der alten Menschen sind.

Laufzeit

2009 bis 2012

Drittmittel

Deutsches Bundesministerium für Bildung und Forschung, Schwerpunktprogramm Silqua

Team

Astrid Hedtke-Becker, HS Mannheim (D); Ulrich Otto, FHS St. Gallen (CH)

Publikationen

Hedtke-Becker, A., & Otto, U. (2014). Zu Hause wohnen bleiben bis zuletzt bei chronischer Krankheit im höheren Lebensalter / Living at home until the end of life with chronic diseases in older age. In Hochschule Mannheim, F+E-Profil (pp. 18–22). Mannheim. PDF

Hedtke-Becker, A., Hoevels, R., Otto, U., Stumpp, G., & Beck S. (2012). Zu Hause wohnen wollen bis zuletzt: Beraten und Intervenieren im Netzwerk chronisch kranker alter Menschen: Eine Fallstudie (pp.141-176). In: S. Pohlmann (Hg.). Altern mit Zukunft. Wiesbaden: VS Verlag.

Hedtke-Becker, A., Hoevels, R., Otto, U., & Stumpp, G. (2011). Selbstbestimmt bis zum Lebensende zu Hause bleiben – Strategien niederschwelliger Hilfen und psychosozialer Beratung für alte Menschen und ihr Umfeld. In: S.B. Gahleitner & G. Hahn (Hg.). Übergänge gestalten, Lebenskrisen begleiten (pp. 246-260). Bonn: Psychiatrie-Verlag.

Weitere Informationen

http://www.ifsa.ch/2051

Im Kollektiv wohnen, Radio SRF4News, 24. Dezember 2014: