Zivis in der Betreuung zu Hause

Zivildienstleistende: Eine Ressource für pflegende Angehörige und ihre Nächsten zu Hause? Die Careum Hochschule Gesundheit sondiert, ob Einsätze von Zivildienstleistenden in der Gesundheitsversorgung zu Hause und unter Beachtung der Arbeitsmarktneutralität möglich sind.

Ausgangslage

Der Betreuungsbedarf für Menschen jeden Alters, aber besonders im hohen Alter, wächst in der Schweiz rasant weiter: Gesundheitsfachpersonen, Angehörige und Freiwillige stossen dabei immer mehr an ihre Grenzen. Gangbare Wege werden händeringend gesucht – Heimplätze und Profi-Pflege reichen als Lösungswege bei weitem nicht aus. Die verschiedenen Unterstützungsangebote haben – je nach Perspektive – Vor- und Nachteile für die Nutzenden und das Versorgungssystem. Hier könnten «helfende Hände» der Zivildienstleistenden (Zivis) potenziell eine Ressource sein, zusätzlich zu den bestehenden Unterstützungsmöglichkeiten und unter strikter Beachtung der Vorgabe der Arbeitsmarkt- und Wettbewerbsneutralität solcher Einsätze.

  • Seit Jahrzehnten gibt es Bestrebungen, pflegende Angehörige und ihre Nächsten im Privathaushalt zu unterstützen. Am 5. Dezember 2014 hat der Bundesrat den «Aktionsplan zur Unterstützung und Entlastung für betreuende und pflegende Angehörige» verabschiedet.
  • Weitere Unterstützungspersonen sind: 24h-Care Migrantinnen, Personen, die sich über Uber- bzw. Airbnb-ähnliche Plattformen stundenweise anbieten, Nachbarschaftshilfe und Zeitgutschriftsysteme oder eine Anstellung von Angehörigen bei der Spitex, SpitexPlus Angebote (aus privaten Eigenmitteln und nicht via KVG finanziert).
  • Nur wenig im Fokus stand bisher der Einsatz von Zivildienstleistenden. Obwohl der Zivildienst bereits jetzt bei der gemeinnützigen Spitex und in nicht gewinnorientierten Alten- und Pflegeheimen geleistet werden kann, ist das «Setting Privathaushalt» noch wenig auf Zivis resp. Zivi-Einsätze sind nicht auf das Setting zu Hause ausgerichtet.
  • Im Gegensatz zu anderen Nicht-Profi-Gruppen weisen Zivis einige Besonderheiten auf: Es sind in der Regel relativ junge Männer mit meist begrenzten Einsatzzeiten von Montag-Freitag (verglichen mit Care-Migrantinnen), die über mehrere Wochen oder Monate im Einsatz sind. Sie wählen den Dienst nur begrenzt freiwillig im Rahmen ihrer Dienstpflicht. Und sie erhalten zwar eine einführende, aber keine vertiefte Ausbildung.

Eine wissenschaftliche Untersuchung soll ermitteln, ob sowohl bei den Angehörigen wie auch ihren Nächsten überhaupt der Wunsch und Bedarf nach Unterstützung durch Zivildienstleistende besteht. Die Careum Hochschule Gesundheit, Bereich Forschung, wurde aufgrund ihrer langjährigen Expertise im Bereich Angehörigenpflege mit der Aufgabe betraut.

Projekt

Das Projekt sondiert den möglichen Einsatz von Zivis im privaten Umfeld von Angehörigen und ihren betreuungsbedürftigen Nächsten. Die zentrale Frage ist, ob junge Männer ohne Fachausbildung von pflegenden Angehörigen und ihren Nächsten akzeptiert würden, und was Angehörigen und ihren Nächsten dabei wichtig wäre (u. a. bzgl. fachlichen Kenntnissen, Beziehungsqualität, Kontinuität und Berechenbarkeit der Leistungserbringung, Kosten).

Die Ergebnisse liefern den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern eine Basis, ob Zivi-Einsätze gegebenenfalls auf das Setting zu Hause ausgerichtet werden sollen.

Methodisches Vorgehen

Mittels standardisiertem Fragebogen werden in den drei Landessprachen (D, F, I) Angehörige und betreuungsbedürftige Personen befragt. Über sogenannte Fallvignetten wird erfasst, wie heterogen die Situation von Angehörigen und ihren betreuungsbedürftigen Nächsten ist (Alter, Geschlecht, Beruf, Beeinträchtigung, Unterstützungsbedarf, Wohnort Land/ Stadt etc.) und welche Bedürfnisse sie in Bezug auf Zivis haben. Abschliessend werden die Ergebnisse von Angehörigen und betreuungsbedürftigen Personen sowie einschlägigen Organisationen und Zivis in einem Fokusgruppengespräch bewertet und diskutiert. Davon abgeleitet werden wirkungsvolle Massnahmen empfohlen.

Projektteam

Careum Hochschule Gesundheit: Prof. Dr. Ulrich Otto, Prof. Dr. Iren Bischofberger, Prof. Dr. Agnes Leu, Dr. Marco Riguzzi, Regina Gerlich, Fabian Berger

Laufzeit

Februar 2019–Juli 2019

Finanzierung

Bundesamt für Zivildienst ZIVI 


Kontakt

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