Pflegende Angehörige in der Schweiz

Die Bevölkerungsbefragung im Rahmen des Förderprogramms «Entlastungsangebote für pflegende Angehörige» möchte einen Beitrag leisten, Forschungslücken für die Schweiz zu schliessen und Grundlagen zur Entwicklung, Planung und Ausgestaltung von Massnahmen und Angeboten im Bereich Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen in verschiedenen Lebensphasen zu liefern.

Ausgangslage

Pflegende Angehörige erhalten international seit rund dreissig Jahren sehr viel Forschungsaufmerksamkeit. Im Vergleich zu anderen Ländern verzeichnet die Schweiz teilweise jedoch einen deutlichen Forschungsrückstand – auch weil sie in wichtigen international vergleichenden Studien nicht einbezogen war. Die Situation von pflegenden Angehörigen ist sehr individuell und komplex. Dies zeigt sich auch in den Themenstellungen der bisherigen Forschung: Untersucht wurden nicht nur die gesundheitliche Situation der beeinträchtigten Person, sondern auch die Merkmale und Lebensumstände der Angehörigen, wie z. B. Geschlecht, gesundheitlicher Zustand, Berufstätigkeit, Lebensphase oder die Beziehung zwischen den beiden Personen. Bisherige Forschungsarbeiten in der Schweiz rückten meistens sehr spezifische Untergruppen pflegender Angehörigen ins Zentrum. Diese Datenlage lässt keine allgemeinen Aussagen über die Bedürfnisse pflegender Angehöriger über unterschiedliche Lebensphasen hinweg zu. Im Hinblick auf politische Entscheidungen und Massnahmen zur Sicherstellung der adäquaten Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger in der Schweiz sind diese jedoch notwendig.

Projekt

Im Rahmen einer schweizweiten, repräsentativen Bevölkerungsbefragung werden pflegende Angehörige schriftlich zu ihrer Situation und ihren Bedürfnissen nach Unterstützung und Entlastung befragt. Nach dem Zufallsprinzip werden Personen aus dem Register der schweizerischen Wohnbevölkerung (Stichprobenrahmen für Personen- und Haushaltsbefragung SRPH, Bundesamts für Statistik BFS) ausgewählt und angeschrieben. Die pflegenden Angehörigen unter ihnen werden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen in dem sie Fragen zu den folgenden Bereichen beantworten:

  • Kontext und Einflussfaktoren (v. a. Merkmale zur Pflege- und Lebenssituation)
  • Bedürfnisse nach Entlastung und Unterstützung
  • Inanspruchnahme bestehender Angebote
  • Lösungsansätze zur bedürfnis- und bedarfsgerechten Unterstützung und Entlastung


Die quantitative Befragung ermöglicht es, wichtige demografische und situative Merkmale zu erfassen sowie die einzelnen Untergruppen zu analysieren. So können nicht nur Profile der Betroffenen nachgezeichnet, sondern auch ihre Bedarfe kategorisiert werden.

Pflegende Angehörige in unterschiedlichen Lebensphasen berücksichtigen
Mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung können sozial vielfältig und generationenübergreifend pflegende Angehörige untersucht werden – die Alterspanne reicht vom Kind zum Senior. Das Befragungsinstrument wird in drei Landessprachen (Deutsch, Französisch und Italienisch) sowie in allen Sprachversionen optional in leicht verständlicher Sprache («Leichte Sprache») angeboten. Dadurch wird sichergestellt, dass auch Personen mit geringeren Lese- oder Sprachkenntnissen (z. B. Kinder, Personen aus anderssprachigen Ländern) den Fragebogen verstehen und ausfüllen können. Der Fragebogen kann in Papierversion oder online ausgefüllt werden. Eine Besonderheit des Projektes ist, dass pflegende Angehörige in verschiedenen Altersgruppen als Expertinnen und Experten im gesamten Forschungsprozess beigezogen werden, von der Fragebogenentwicklung bis zur Auswertung der Ergebnisse.

Projektziele

Die Ergebnisse der Befragung werden statistisch ausgewertet und anschliessend in den aktuellen Forschungsstand (Schweiz/international) und die strukturellen Rahmenbedingungen in der Schweiz eingebettet. So soll eine Art Bedürfniskatalog mit abzuleitenden Massnahmen für die Politik entstehen. Die Ergebnisse dienen auch der Weiterentwicklung von Angeboten vor Ort.

Projektteam

  • Careum Forschung: Prof. Dr. iur. Agnes Leu, Prof. Dr. Ulrich Otto, Prof. Dr. Iren Bischofberger,  Hannah Wepf, Nadja Kägi
  • gfs bern: Lukas Golder, Cloé Jans
     

International Advisory Board

Finanzierung und Auftraggeber

Bundesamt für Gesundheit (BAG), Förderprogramm «Entlastungsangebote für pflegende Angehörige»

Laufzeit

Juli 2017–Juni 2019 (24 Monate)