All together better Health Conference VIII, Oxford

Wertebasiertes Lernen und Handeln

Unter dem programmatischen Leitmotiv "All together better Health" (ATBH) veranstaltet das World Interprofessional Education and Collaborative Practice Co-ordinating Committee (WCC) als Dachorganisation von regionalen Netzwerken (CAIPE aus GB, CICH aus Kanada, NIPNET aus Skandinavien, EIPEN für europäische Länder, AIPPEN aus Australien und Neuseeland, AIHC aus USA, JAIPE und JIPWEN aus Japan) alle zwei Jahre einen internationalen Kongress.

Vom 6.-9. September 2016 fand an der Universität Oxford die achte  ATBH-Konferenz zur Förderung der interprofessionellen Bildung und Praxis statt, an der über 550 Teilnehmende aus 30 Ländern teilgenommen haben.

Ausgehend von einer Einladung von Richard Gray, Präsident des britischen CAIPE, anlässlich des internationalen Workshops 2015 in Zürich, hat Careum die Gelegenheit genutzt, an diesem internationalen Anlass aktiv mitzuwirken und mit Bildungsexperten, innovativen Gesundheitsunternehmen sowie Vertretern der Bildungs- und Gesundheitspolitik den Dialog weiterzuführen.

Wertebasiertes Lernen und Handeln

Die Oxford-Konferenz stand unter dem Titel Values-based Interprofessional Practice. Damit wird der Umstand in den Blick genommen, dass Patientenzentrierung und Nutzensteigerung in komplexen Situationen die «gute Praxis» neu definieren: Mit interprofessionellen Partnerschaften und unter Einbezug der Betroffenen kommen nicht nur Wissen, Skills und Erfahrungen zum Einsatz. Gemeinsame Werte und Visionen sowie individuelle Überzeugungen und Handlungsoptionen fliessen in eine ausgewogene Entscheidfindung ein.

Mehrere Keynotes zeigten auf, wie wertebasierte Praxis in Anamnese, Diagnostik, Versorgung sowie bei der Systemsteuerung und Organisationsentwicklung umgesetzt werden können. Politische und wirtschaftliche Faktoren wirken als Treiber der Entwicklung zur interprofessionellen Bildung und Praxis hin. Diskussionen zu Wertesystemen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für Überprüfung von Nutzen, nicht nur für autonome Patientinnen und Patienten 

Values Based Practice ist ergänzendes Gegenstück zur Evidence Based Practice: Wenn der Mensch als Subjekt im Zentrum steht, wird der aktuell kritisch diskutierten "tyranny of evidence" entgegengewirkt. Der Bildung fällt hier eine zentrale Rolle zu, weil sie Haltungen und Grundmuster des professionellen Handelns mitformt. Wertebasierte Praxis bildet als Referenzrahmen in der interprofessionellen Bildung und beim Schaffen von gelingender Zusammenarbeit essenzielle Grundlagen: sie ermöglicht echte Ko-Produktion (resp. co-creation) zwischen verschiedenen Berufsgruppen wie auch mit Patienten, Nutzern, Bürgern.

Beiträge von Careum

Neben dem fachlichen und persönlichen Austausch hat Careum drei Beiträge zur ATBH-Konferenz beigesteuert.


German Speaking IPE Experts (v.l.): Monika Schäfer, Ursula Walkenhorst, Theres Scherer, Beat Sottas

German Speaking Countries meet International IPE Experts

Unter Federführung von Careum präsentierte im Workshop "German Speaking Countries meet International IPE Experts" ein Autorenteam das Positionspapier zur interprofessionellen Ausbildung des Ausschusses IPE der Gesellschaft für medizinische Ausbildung (GMA) der deutschsprachigen Länder (Walkenhorst, Mahler, Sottas). Es enthält sieben Empfehlungen

  • Interprofessionelle Ausbildungskonzepte
  • Curriculumsentwicklung und Didaktik
  • Qualifikation der Lehrenden
  • Organisationsentwicklung
  • Qualitätssicherung und Evaluation
  • Forschung über interprofessionelle Kompetenzentwicklung
  • Netzwerkbildung

sowie fünf Elemente einer Umsetzungsstrategie für die Policy- und Strategieebene.


Workshop Teilnehmende diskutieren kritische Erfolgsfaktoren zu IPE

Unter dem Motto "enhancing significant steps" erarbeiteten die 30 Teilnehmenden in sechs Gruppen Antworten auf Kernfragen über die kritischen Erfolgsfaktoren sowie die strategischen, operativen und forschungsbezogenen Umsetzungsmassnahmen.

Aus dem Bündel von Ratschlägen (PDF) der internationalen Experten folgende Elemente:

  • Mutig den Lead übernehmen und mit Gleichgesinnten Netzwerke und Allianzen bilden
  • Auf bestehende Strukturen aufbauen, Bestehendes evolutiv weiterentwickeln  
  • Interprofessionelle Kompetenzen als Kern des professionellen Handelns betrachten
  • In Diskussionen aufzeigen, dass interprofessionelle Versorgung zielführend ist und die dazu notwendigen didaktischen und organisatorischen Konzepte vorschlagen
  • Mit der Medizinerausbildung und der Medizin Ressourcen teilen
  • Bestehende Rahmenkonzepte anpassen, statt das Rad neu zu erfinden
  • Pilotversuche initiieren und evaluieren
  • Bekannte Persönlichkeiten als Supporter und Multiplikatoren nutzen
  • Das Interesse der Studierenden an interprofessioneller Kooperation Ernst nehmen und sie als bottom-up Promotoren wertschätzen
  • Mit Forschung die Mehrwerte interprofessioneller Praxis aufzeigen
  • Immer wieder über Postulate und Beispiele guter Praxis sprechen; dazu in Netzwerken aktiv mitarbeiten und durch das Organisieren von Tagungen Momentum und Breitenwirkung gewinnen.  

 

Vortrag und Poster
zum intersektoralen Ansatz in der Bildung der Gesundheitsberufe


Beat Sottas präsentiert Poster Educating Health Professionals: an Intersectoral Approach 

Die im Careum Working Paper 7 «Umrisse einer neuen Gesundheitsbildungspolitik» (PDF) 
vorgestellte Vierfeldertafel bildete den Ausgangspunkt zur Erläuterung, warum allen vier notwendigen Funktionsbereichen zusammen mit dem Einbezug von Patienten, Nutzer, Bürger 
materiell und finanziell die Aufmerksamkeit zu schenken ist. 
Mit diesem umfassenderen Verständnis soll eine wirksamere interprofessionelle Ausbildung erreicht werden.


Vierfeldertafel aus dem Working Paper 7

Poster: Educating Health Professionals: an Intersectoral Policy Approach (PDF)


Teilnahme an der EIPEN Jahresversammlung

Die ATBH-Konferenz in Oxford bot den Rahmen für ein Treffen der rund 20 Mitglieder des kontinentaleuropäischen Netzwerks für interprofessionelle Ausbildung EIPEN.


(v.l.) Monika Schäfer, André Vyt (Board EIPEN, Chair), Beat Sottas beteiligen sich an der für Careum ersten EIPEN Jahresversammlung

Nebst den statutarischen Geschäften bildete die Suche nach einem Austragungsort für die nächste EIPEN-Tagung einen Schwerpunkt.   

Eindrücke und Einschätzung

Die Tagungsorte waren exklusiv und optimal auf den Anlass zugeschnitten: die Examination Halls  für die Vorträge, Workshops, Seminare, Postersessions und Lunch Events ebenso wie das altehrwürdige Sheldonian Theatre für die Keynotes und Plenarveranstaltungen. In Kommentaren lobten Teilnehmende die perfekte Organisation, die "fantastic venue", "inspiring IPE presentations" und auch "fine social arrangements" u.a. im Blackwell's Bookstore. Ein ganz spezielles Highlight war das Conference Dinner im grossen Speisesaal des Balliol Colleges, den viele aus den Harry Potter Filmen kennen. Resümierend brachte es eine Teilnehmerin aus Spanien auf den Punkt: "The conference gives me hope for the future of IPE. It was interesting to learn that issues are similar in most countries".

Aus Careum-Sicht war die Teilnahme wichtig und erfolgreich: sie gab einerseits den Rahmen, um von erfolgreichen Konzepten und guter Praxis zu lernen sowie die eigenen Arbeiten in die Diskussion einzubringen. Andererseits gab die Konferenz mit der Werte-Orientierung wichtige Impulse, wie eine ko-produktive Haltung und Patientenorientierung in Bildungsangeboten und in der interprofessionellen Versorgungspraxis implementiert werden können. Darüber hinaus war der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen insbesondere aus den deutschsprachigen Ländern für die Pflege des Netzwerks zur Gesundheitsbildungspolitik und die Arbeit an laufenden Projekten wertvoll.

Gesamtprogramm  ABTH VIII, Oxford (PDF)

B. Sottas   10.10.2016   

 


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