Auswirkungen der Care Migration

Eine Untersuchung der Care Migration hat struktulle Schwächen in der häuslichen Langzeitversorgung in der Schweiz aufgedeckt.

Ausgangslage

Die Pflegebedürftigkeit nimmt in der Schweiz wie im gesam­ten Europa zu. Dabei werden Fragen für eine finanziell tragbare und personell realisierbare häusliche Gesundheitsversorgung immer virulenter. In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren ein Markt für Betreuungsdienstleistungen im Privathaus­halt entwickelt. Vorrangig aus Mittel- und Osteuropa kommen Care Migrantinnen in hiesige Haushalte, um für eine gewisse Zeit Sorgearbeiten für hilfe- und pflege­bedürftige Personen zu übernehmen.

Projekt

In Kooperation mit dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) ist im Juli 2013 die Untersuchung «Care-Migration – transnationale Sorgearrangements im Privathaushalt» als Obsan-Bericht 57 erschienen. Careum Forschung hat dafür aus der Optik von pflegenden Angehörigen wie auch von Expertinnen und Experten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich die gesundheitspolitische Relevanz, das Ausmass sowie die Auswirkungen der Care Migration auf das Gesundheitssystem in der Schweiz untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Care Migration quantitativ in der Schweiz überschaubar ist. Eine Quantifizierung ist allerdings aufgrund mangelhafter statistischer Sichtbarkeit grundsätzlich schwierig.

Für viele pflegende Angehörige sind folgende Beweggründe besonders wichtig, eine Care Migrantin zu beschäftigen: der Wunsch der betreuten Person zu Hause zu bleiben, die Sicherheit im Leben zu Hause sowie eine personelle Konstanz bei der Betreuung und Zuwendung. Die Bezahlbarkeit der Betreuungsleistung spielt für die Entscheidung eine zentrale Rolle. Die Experteninterviews decken strukturelle Schwächen in der häuslichen Langzeitversorgung in der Schweiz auf – sowohl bezüglich der auf dem Markt verfügbaren Dienstleistungsangebote wie auch der Finanzierungslogik. Insgesamt dokumentieren die Interviews politischen Handlungsbedarf zur Sicherstellung langfristiger häuslicher Versorgung, die für den Privathaushalt finanzierbar ist und dennoch faire Arbeitsbedingungen der Betreuenden ermöglicht. Es zeigt sich, dass ein hoher Bedarf nach Information und Beratung bei allen Akteuren besteht.

Obsan-Bericht 57

van Holten, K., Jähnke, A., & Bischofberger, I. (2013). Care-Migration – transnationale Sorgearrangements im Privathaushalt (Obsan Bericht 57). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium. Volltext zum Download oder Bestellformular für die Druckversion.

Laufzeit

2011–2013

Drittmittel

Bundesamt für Statistik BFS, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan)

Publikationen

Jähnke, A., Truong, J., & Martin, M. (2012). Workshop Care-Migrantinnen in der häuslichen Versorgung. Moderation: Karin van Holten. Swiss Congress for Health Professions. Winterthur, 31. Mai 2012. PDF

van Holten, K., & Soom Ammann, E. (2015). Negotiating the potato: The challenge of dealing with multiple diversities in elderly care. In V. Horn & C. Schweppe (Hrsg.), Transnational Aging. Current insights and future challenges (S. 200–217). London: Routledge. Verlag

Beiträge der Abendveranstaltung «Sollen wir eine Care-Migrantin anstellen?» vom 14. Mai 2013 in Aarau.

Radio SRF 4 News: Care Migrantinnen in der Schweiz, 24. Juli 2013, www.srf.ch

van Holten, K. (2014). Pflegetrends in Privathaushalten – neu verteilen oder auslagern? Präsentation. Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern Kanton Bern. Thun, 29. April 2014. PDF

Walser, B. (01. Mai 2014). Eine Arbeit mit viel Präsenzzeit und wenig Privatsphäre. Berner Zeitung, 12-13. PDF

Schwerpunktausgabe des Online-Fachmagazins «FMC impulse» zu Angehörigen, Freiwilligen und Care Migrantinnen in der Pflege, Ausgabe 2015/2. www.fmc.ch


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