Care Migration aus Sicht der Spitex

Spitex-Mitarbeitende sorgen sich um die Qualität der Versorgung im Privathaushalt und um die Arbeitsbedingungen der Care Migrantinnen.

Ausgangslage

Versorgungsarrangements werden zunehmend aus dem stationären in den häuslichen Raum verlagert. Dies ist eine Folge der gesundheitspolitischen Prämisse «ambulant vor stationär» und den Optionen des medizinisch-technischen Fortschritts. Dies bringt anspruchsvolle und zeitintensive Pflegesituationen in Privathaushalten mit sich. Dafür sind die Dienstleistungen der Spitex weder personell noch strukturell genügend ausgebaut. Daher eröffnet sich zunehmend ein Pflegemarkt, in dem Care Migrantinnen in Privathaushalten von pflegebedürftigen Personen leben und arbeiten.

Projekt

Das Forschungsprojekt «Care Migrantinnen in der häuslichen Versorgung» zielt darauf ab, Chancen und Herausforderungen der Care Migration aus Sicht der Spitex zu erschliessen. Die Untersuchung wurde mit einer Kombination aus qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden umgesetzt: Im Rahmen einer standardisierten Umfrage hat das Projektteam alle 13 Zentren der Spitex Sihl und Limmat zur Anzahl der ihnen bekannten Haushalte mit Care Migrantinnen befragt. Lediglich 13 Haushalte waren der Spitex zum Zeitpunkt der Umfrage bekannt. Es zeigte sich unter anderem ein Bedarf nach Best Practice-Informationen für die Spitex-Organisationen.

Zur Einschätzung der Versorgungsarrangements wurden 17 leitfadengestützte Experteninterviews mit Spitex-Mitarbeitenden der Stadt Zürich sowie angrenzender Gemeinden und Kantone durchgeführt. Die Analyse ergab folgende vier Spannungsfelder:

  • sprachliche und kulturelle Verständigung
  • Qualifikation und anspruchsvoller Arbeitsalltag
  • Zusammenarbeit und Zuständigkeiten
  • Auseinandersetzung und kulturelle Verständigung

Die Interviews mit Expertinnen und Experten sowie mit Angehörigen verweisen auf die Schwierigkeiten bei der langfristigen Finanzierung von Betreuung und Pflege zu Hause. Dabei zeigt sich auch eine relevante Rolle der Hausarztpraxis hinsichtlich der Akzeptanz und Unterstützung des Sorgearrangements. Grundsätzlich stehen Care Migrantinnen nicht in direkter Konkurrenz zur Spitex, weil sie andere Dienstleistungsbereiche abdecken. Die Spitex nimmt die Zusammenarbeit mit Care Migrantinnen vorwiegend als Miteinander wahr. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass kommunikative, koordinative, strukturelle und ethische Unklarheiten und Unzulänglichkeiten bestehen, die das Wohl des erkrankten Menschen wie auch der Care Migrantinnen gefährden können. Entscheidend für die Versorgungsqualität sind faire Arbeitsbedingungen in der 24-Stunden-Betreuung, weil sie grundlegend für das Wohlbefinden der Care Migrantin und für die Lebensqualität der Betreuten sind.

Schlussbericht
Jähnke, A., van Holten, K., & Bischofberger, I. (2012). Schlussbericht zur Befragung der Spitex zur Situation in Privathaushalten mit Care-Migrantinnen. Zürich: Careum Stiftung. PDF

Weitere Informationen

Die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich hat ein Informationsdossier rund um das Thema Care Migrantinnen als neue Haushaltsangestellte zusammengestellt.

Laufzeit

Dezember 2011–April 2012

Drittmittel

Kooperation mit der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich

Publikationen

Jähnke, A., Truong, J., & Martin, M. (2012). Workshop Care-Migrantinnen in der häuslichen Versorgung. Moderation: Karin van Holten. Swiss Congress for Health Professions. Winterthur, 31. Mai 2012. PDF

van Holten, K., & Soom Ammann, E. (2015). Negotiating the potato: The challenge of dealing with multiple diversities in elderly care. In V. Horn & C. Schweppe (Hrsg.), Transnational Aging. Current insights and future challenges (S. 200–217). London: Routledge. Verlag

Beiträge der Abendveranstaltung «Sollen wir eine Care-Migrantin anstellen?» vom 14. Mai 2013 in Aarau.

Radio SRF 4 News: Care Migrantinnen in der Schweiz, 24.07.2013, www.srf.ch

van Holten, K. (2014). Pflegetrends in Privathaushalten – Neu verteilen oder auslagern? Vortrag. Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern Kanton Bern. Thun, 29. April 2014. PDF

Walser, B. (01. Mai 2014). Eine Arbeit mit viel Präsenzzeit und wenig Privatsphäre. Berner Zeitung, 12-13. PDF

Schwerpunktausgabe des Online-Fachmagazins «FMC impulse» zu Angehörigen, Freiwilligen und Care Migrantinnen in der Pflege, Ausgabe 2015/2. www.fmc.ch


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