Careum Dialog 2013

Gesundheitspolitik trifft Bildungspolitik II –Gesundheit und Bildung als lernende Systeme zusammenführen

Das Verhältnis von Gesundheits- und Bildungspolitik stand im Zentrum der Gespräche am Careum Dialog. Im Swiss Re Centre for Global Dialogue diskutierten am 31.01. und 01.02.2013 gegen 80 deutsche, österreichische und schweizerische Gäste aus verschiedenen Bereichen des Gesundheits- und Bildungssystems die Frage, wie eine zukunftsfähige Gesundheitsbildungspolitik für das 21. Jahrhundert aussehen soll.

Der Careum Dialog 2013 knüpft an die Anregung an, Gesundheits- und Bildungspolitik über die Grenzen zwischen Disziplinen und Berufen, Institutionen und Ländern hinaus zu diskutieren. Ziel der Gespräche war es, aktuelle Entwicklungen wie das europäische WHO-Konzept «Gesundheit 2020» und die neuen gesundheitspolitischen Trends in den deutschsprachigen Ländern vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Lancet-Kommission von 2010 weiterzudenken.

Prof. Dr. Gerhard Igl, Prof. Dr. Pierre-André Michaud, Dr. Catherine Gasser, Prof. Dr. Helmut Brand, Prof. Dr. Thomas Zeltner (von links nach rechts).Der Dialog ging von der Frage aus, wie gut die deutschsprachigen Länder auf die wirtschaftlichen, demografischen und gesundheitlichen Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind. Er unterstrich zum einen die Bedeutung einer langfristigen gesundheitspolitischen Perspektive, die weit über 2020 hinausweisen muss, auch wenn das im kurzfristig orientierten politischen Umfeld immer schwieriger wird.

Zum anderen hoben die Gesprächsteilnehmenden hervor, dass eine zukunftsfähige Gesundheitspolitik zahlreiche Massnahmen erfordert, die ausserhalb des Gesundheitswesens liegen.

Besonders betont wurden die folgenden Punkte:

  • Die Bedeutung der Bildung: Die Schaffung gesundheitsförderlicher Bedingungen, die die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken, ist zentral. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bildung, denn die Evidenz weist auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bildung, Lebensumständen und Gesundheit hin. Insbesondere müssen Bildungsmassnahmen bereits im frühkindlichen Alter ansetzen.

  • Die Bedeutung von nachhaltigen Strukturen und Prozessen der intersektorellen Zusammenarbeit: Es müssen unterschiedliche Gefässe geschaffen werden, die einen langfristigen Dialog zwischen den vielen Akteuren im Gesundheits- und Bildungssystem ermöglichen. Vorgeschlagen wurden beispielsweise ein Rat oder eine Konferenz für Gesundheitsberufe. Dies soll es ermöglichen, den gesundheitsorientierten Bedarf im breiten Dialog – auch mit Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft – als gesellschaftspolitischen Auftrag zu erfassen.

  • Die Bedeutung von interprofessioneller und interdisziplinärer Zusammenarbeit: Diese ist ebenso wichtig wie die Kommunikation zwischen Bildungs- und Gesundheitssystem und die Interaktion mit Handlungsträgern ausserhalb dieser Bereiche. Neben lebenslangem Lernen ist es zentral, in der Gesundheitsausbildung Kompetenzen in Leadership und Management zu vermitteln. Sowohl «Gesundheit» als auch die «Bildung» sind lernende Systeme, die sich miteinander austauschen müssen, um auf gesellschaftliche Veränderungen gezielt reagieren zu können.

Zum Abschluss des Dialogs trafen sich der schweizerische Bundesrat Alain Berset und der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger zum Gespräch. Minister Stöger unterstrich die Bedeutung einer Sichtweise auf die Gesundheit, die über die Krankenversorgung hinausgeht. Diese Sichtweise sowie die Vernetzung vieler handlungsrelevanter Akteure sei einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Verankerung der österreichischen Gesundheitsziele gewesen, sagte er. Bundesrat Berset hob ebenfalls die Bedeutung des Dialogs hervor.

Die grosse Zahl von Mitwirkenden, Playern und Leistungserbringenden im Gesundheitswesen zwinge dazu, gemeinsam Lösungen zu suchen und zu finden. Er war sich mit Stöger darin einig, dass die Sensibilität für die unterschiedlichen Kulturen verschiedener Subsysteme eine der zentralen Herausforderungen bei der Konsensfindung sei. Berset plädierte für ein pragmatisches Vorgehen, das auf «Soft Power» und die Einbindung aller Beteiligten setzt. Stöger sagte, um die Gesundheitsziele zu implementieren, gelte es, diesen Gesamtblick aufrechtzuerhalten, Ergebnisse sichtbar zu machen und sie zu diskutieren.


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