Motiviert im Gesundheitsberuf

Das Careum Forum 2014 hat sich mit den Faktoren befasst, die in Ausbildung und Berufspraxis für Motivation und Engagement sorgen.

Engagierte und gut qualifizierte Fachleute sind die wichtigste Ressource in der Gesundheitsversorgung. Welche Faktoren in Ausbildung und Berufspraxis für Motivation und Engagement sorgen, war das Thema am Careum Forum 2014 vom 18. September, das eine rekordhohe Zahl von gegen 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzeichnete. Den Rahmen bildeten die SwissSkills Bern 2014, die ersten zentralen Berufsmeisterschaften in der Schweiz. Vor zehn Jahren wurden mit dem Berufsbildungsgesetz die Gesundheitsberufe in die ordentliche Bildungssystematik des Bundes eingegliedert. Fachfrauen und -männer Gesundheit (FaGe) waren entsprechend an den SwissSkills vertreten.

Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger würdigte in seinem Grusswort die Bedeutung der Gesundheits- und Sozialberufe, die zusammengenommen auf der Liste der gefragtesten Berufe an zweiter Stelle liegen. «Die Berufslehre ist die Basis für das lebenslange Lernen», sagte er. Für die Attraktivität der Berufslehren seien die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wichtig. Denn zu den grossen Vorteilen des schweizerischen Bildungssystems zähle die Durchlässigkeit der Stufen, die eine Vielzahl von Perspektiven eröffne. Dass sich in den vergangenen zehn Jahren in den Gesundheitsberufen viel verändert habe, unterstrich auch Urs Sieber in seinem Grusswort. Der Geschäftsführer der OdASanté sagte, die Ausbildung sei heute konsequent auf den Bedarf ausgerichtet. Unter welchen Bedingungen die Ausgebildeten ihr Arbeitsleben lang im Beruf verweilen, sei eine zunehmend wichtige Frage. «Neben der Ausbildung gewinnt die Personalerhaltung immer mehr an Gewicht», meinte er. Der Personalbedarf sinke um fünf bis zehn Prozent, wenn sich die Verweildauer im Beruf um ein einziges Jahr erhöhe.
 

Überdurchschnittliches Engagement in den Gesundheitsberufen

«Motivation ist ein komplexes Konstrukt», leitete Prof. Dr. Andreas Hirschi, Leiter der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bern, sein Impulsreferat ein. Es bildete die Grundlage für die nachfolgenden Gesprächsrunden. Ziele, Handlungsüberzeugungen und Gefühle spielen eine Rolle bei der Arbeitsmotivation. Eine Studie, in der 1620 Lernende aus verschiedenen Berufen befragt worden waren, zeigte bei diesen grundlegenden Motivationsvariablen keine Unterschiede zwischen Lernenden in Gesundheitsberufen und anderen Lehrberufen. Lernende in Gesundheitsberufen nehmen ihre Arbeit aber als bedeutsamer wahr, sehen ihre Berufsaussichten positiver und zeigen sich insgesamt engagierter bei der Arbeit. Engagement entstehe aus einer Kombination von persönlichen und umweltbedingten Faktoren, sagte Andreas Hirschi. Die Überzeugung, bestimmte Ziele verfolgen zu wollen und sich auch zuzutrauen, diese zu erreichen, sei das eine. Ebenso wichtig sei aber auch das Umfeld: ein passender Arbeitsplatz, an dem man seine Fähigkeiten einsetzen sowie die Ausgestaltung der Arbeit beeinflussen kann und Feedback erhält.

Praxisbezug ist für die Ausbildung wichtig

Ana Gonçalves da Silva, Berufsbildnerin am Pflegezentrum Gehrenholz in Zürich, nahm in der Gesprächsrunde den Faden von Andreas Hirschi auf. Die Lernenden seien sehr engagiert, sagte sie. Für die Motivation sei es wichtig, theoretisch erworbenes Wissen in der Praxis auch anwenden zu können. Daher sei es für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner entscheidend, den Inhalt der Lehrpläne zu kennen, um die Aufgaben entsprechend anzupassen, damit das Wissen auch vertieft werden könne. Den Praxisbezug hob auch Caesar Anderegg, Lernender Fachmann Gesundheit am Careum Bildungszentrum in Zürich, hervor. Am Arbeitsplatz ins Team und in die Verantwortung eingebunden zu sein, sei sehr motivierend. Neben dem direkten Kontakt zu den Patientinnen und Patienten sei es für ihn auch wichtig, Ansprechpersonen zu haben. «Ich möchte Antworten bekommen, wenn ich Fragen habe», sagte er. Der Zusammenhang mit der Praxis sei im Unterricht wesentlich, meinte Adrian Mani, pädagogischer Mitarbeiter am Careum Bildungszentrum. Unterrichtsinhalte mit realen Situationen zu verbinden sei Kern der kompetenzorientierten FaGe-Ausbildung. Dadurch seien die Ausbildungsinhalte sinnstiftend.

Die Bedeutung sinnstiftender Aufgaben

In der zweiten Gesprächsrunde stellte Ines Trede vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung eine Untersuchung zu Laufbahnentscheidungen von Gesundheitsfachpersonen (FaGe) vor. Die Längsschnittstudie zeigt, dass ein Jahr nach Ausbildungsabschluss 90 Prozent der Absolvierenden dem Gesundheitswesen treu geblieben sind – rund 40 Prozent als FaGe und etwa 30 Prozent in einer tertiären Ausbildung. «Die betriebliche Ausbildung hat einen entscheidenden Einfluss darauf, was nach der Ausbildung passiert», sagte Ines Trede. In diesem Sinn belege die Studie die Aussagen der vorangehenden Gesprächsrunde. Sinnstiftende Aufgaben und die Ausbildungsbegleitung spielten eine wichtige Rolle, wenn es um den Verbleib im Beruf gehe.

Franziska Zúñiga vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel stellte eine Befragung des Pflege- und Betreuungspersonals in Alters- und Pflegeinstitutionen der Schweiz vor (Projekt SHURP). Über 5000 Personen in 163 Einrichtungen waren hierfür interviewt worden. Dabei zeigte sich eine hohe berufliche Bindung der FaGe. Zwischen den Altersgruppen bestehen aber Unterschiede. Die Absicht, den Beruf zu verlassen, sei mit rund 20 Prozent bei den unter 30-Jährigen doppelt so hoch wie bei den über 50-Jährigen.

Marco Borsotti, Zentrumsleiter Betagtenzentrum Eichhof in Luzern und Vizepräsident der kantonalen Organisationen OdAs Gesundheit und Soziales (KOGS), stimmte den Befunden auch aus der Sicht der Arbeitgebenden zu. In der Praxis seien für die Motivation im Beruf kulturelle Fragen wichtig: die Akzeptanz der Gesundheitsfachpersonen (FaGe) innerhalb der Gesundheitsberufe, das Vertrauen in ihre Fähigkeiten und der richtige Skill-Grade-Mix. Ein enges Zusammenspiel von Bildung und Praxis könne die Motivation im Beruf steigern, meinte er. Die Bedeutung der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten unterstrichen auch Franziska Zúñiga und Ines Trede. Man dürfe es aber nicht negativ bewerten, dass mehr FaGe aus der Akutpflege als aus der Langzeitpflege eine tertiäre Ausbildung machten, sagte Ines Trede. Die Gründe dafür lägen in der Rekrutierung und dem Bedarf.

Wertschätzung und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten

In seinem resümierenden Ausblick wies Andreas Hirschi darauf hin, dass die Bindung an Arbeitgebende von einem ganzen Fächer verschiedener Faktoren beeinflusst wird. Neben der Unterstützung und Förderung durch die Arbeitgeberinnen und -geber spielen auch die Arbeitsgestaltung, die Entwicklungsmöglichkeiten, die Wertschätzung bzw. die Belohnung und soziale Beziehungen eine Rolle. Um eine emotionale Bindung aufzubauen, sei die Sinnhaftigkeit der Arbeit wichtig. Dass Mitarbeitende heute weniger loyal seien und die Arbeitsstelle eher wechselten, könne man durchaus auch positiv sehen: Es erfordere zwar mehr Flexibilität seitens der Arbeitgebenden, bedeute aber auch, dass die Mitarbeitenden selber Verantwortung für ihre Karriereentwicklung übernähmen. In diesem Sinn sagte Prof. Monika Schäfer, Leiterin Careum Bildungsentwicklung, in ihrem Schlusswort: «Wenn wir Sie motiviert haben, das Thema Motivation in Ihren Betrieb und Ihren Alltag zu tragen, ist das Ziel erreicht.»


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