Nach 50 im Gesundheitsberuf

Wiedereinstieg und Weiterbildung: Das Careum Forum 2015 hat Karrierewege nach 50 im Gesundheitsberuf beleuchtet.

«Nicht das Alter, sondern eigenes Können und Erfahrungen sind entscheidend.» Diese Aussage konnte man am Careum Forum 2015 in unterschiedlichen Ausprägungen immer wieder hören.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Arbeitnehmende 50plus ihre Arbeitsfähigkeit und Motivation im Beruf durch Laufbahnplanung und Weiterbildung erhalten können. Im betrieblichen Umfeld übernehmen Vorgesetzte Führungsverantwortung durch Teamentwicklung und tragen so zur Erhaltung der älteren Mitarbeitenden bei. Auf der politischen Ebene steigt durch die starke Zunahme der älteren Bevölkerung der Druck, gesetzliche Rahmenbedingungen den Veränderungen anzupassen. Der ältere Teil der Bevölkerung braucht neue Lösungen und verschafft sich immer mehr Gehör.

Ungefähr 300 Teilnehmende besuchten das Careum Forum 2015. Prof. Monika Schäfer, Leiterin Careum Bildungsentwicklung, führte durch das Programm. Das Publikum beteiligte sich mit Fragen und applaudierte dort, wo es um den unmittelbaren Bezug zur eigenen Situation im Betrieb ging. Hie und da konnte man Kopfnicken oder auch lautstarkes Beipflichten mit Seitengesprächen beobachten.

Dr. Alexandra Cloots vom Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft der FHS St. Gallen beleuchtete in ihrem Impulsreferat das Thema 50plus aus Sicht von Leadership und Organisationsentwicklung. Sie zeigte auf, wie individuelle Profile und Anforderungen im Betrieb durch Teamentwicklung vereinbart werden können. Was sich genau die älteren Mitarbeitenden wünschen und welche Lebensentwürfe für sie gewinnbringend sind, damit beschäftigt sich auch die Forschung. Die Einführung von flexiblen Arbeitszeitmodellen und der flexible Umgang mit Funktionen und Aufgaben kommen den Bedürfnissen von Arbeitnehmenden und Betrieben entgegen. Eine Laufbahnplanung geschieht lebenslang und sollte regelmässige Standortbestimmungen nach 30plus, 40plus und 50plus enthalten.

Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik bei Travail.Suisse, zeigte bei der Einführung zur ersten Gesprächsrunde eindrücklich auf, wie das Thema 50plus in der Arbeitswelt auf die politische Agenda gekommen ist. Die Bevölkerungsgruppe 50plus wächst ständig. Heute gibt es in der Berufsbildung gleich viele Berufseinsteigende wie Abgänge durch Pensionierungen. In den nächsten 15 Jahren werden mehr Arbeitnehmende pensioniert werden, als neu einsteigen. Der Fachkräftemangel wird sich somit noch mehr verschärfen. Neue Modelle zur Weiterbildung und Massnahmen auf dem Arbeitsmarkt können dem entgegenwirken. Heute werden z. B. Stipendien nur bis 35 Jahre ausgezahlt, da die Laufbahnplanung von der jungen Karriere her gedacht ist. Hier sollten neue Modelle entwickelt werden.

In der ersten Gesprächsrunde wurde das Thema Wiedereinstieg und Weiterbildung vertieft. Monika Varain Nesseler, Fachfrau medizinisch-technische Radiologie MTRA, Radioonkologie Stadtspital Triemli, zeigte als Wiedereinsteigerin nach 18 Jahren mit ihrem Beispiel, dass ein erfolgreicher Karriereaufbau möglich ist, wenn sich beide Seiten engagieren. Sie konnte wieder Fuss fassen im alten Beruf und ist jetzt dabei, ihre Weiterbildung voranzutreiben, um ihre Aufgabenschwerpunkte  zu verlagern.

Dass Weiterbildung kein Zaubertrank ist, sondern gezielt erfolgen soll, machte Dr. Silvia Kübler, Geschäftsleiterin Careum Weiterbildung, deutlich. Wir müssen uns immer wieder auf Brüche einstellen und uns selber die Frage beantworten, was wir mit uns in den unterschiedlichen Lebensphasen anfangen.

Pia Baur-Manzetti, Geschäftsleiterin Spitex Aarau, brachte ebenfalls wertvolle Erfahrungen aus ihrer Praxis ein. Aus ihrer Sicht sollten die Arbeitgebenden Weiterbildungsprogramme fördern. Sie lebt das am eigenen Beispiel vor. Zudem macht sie die Erfahrung, dass kleinere Teams gesünder arbeiten. Das mittlere Kader sollte gestärkt werden und Vorbild sein und auch hier ist Teamentwicklung sehr wichtig. Entscheidend ist ausserdem, die Flexibilität zu fördern, aber nicht beliebig. Es sollte Klarheit herrschen bei den Mitarbeitenden. In ihrem Betrieb haben alle Führungspersonen und Mitarbeitenden höchstens zwei festgelegte Rollen. So entsteht Transparenz.
 

In der zweiten Gesprächsrunde ging es um die betrieblichen Rahmenbedingungen. In seiner Einführung berichtete Urs Schmid, Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Aargau, über die Plakatkampagne des Kantons Aargau «Die Qualifikation zählt, nicht das Alter». Die kantonale Kampagne soll dazu beitragen, die verlängerte Suchdauer bei Stellenlosen 50plus zu vermindern und Arbeitgebende auf das Potenzial dieser Bevölkerungsgruppe aufmerksam zu machen. Die Zahlen zeigen, dass die Arbeitslosenquote bei der Zielgruppe 50plus nicht höher ist als bei jüngeren Jahrgängen. Erst wenn eine Stelle gekündigt ist, ist es schwer, wieder Fuss zu fassen. Die Laufbahnplanung sollte auch mit 50plus in die eigenen Hände genommen werden und Weiterbildungen zu absolvieren, gehört heute selbstverständlich dazu.

Diese Erfahrungen konnte Daniel Neugart, Präsident des schweizweit agierenden Dachverbands SAVE 50Plus Schweiz, stellvertretend für ältere Arbeitnehmende und Arbeitslose bestätigen. Mit dem Leitsatz «Wir müssen unser Leben selber in die Hand nehmen» ermutigt der Verband die älteren Arbeitnehmenden, eigene Lösungen zu entwickeln.

Jürgen Maier, Pflegeexperte Intensivstation Neurochirurgie UniversitätsSpital Zürich, schilderte anschaulich, wie sich die betriebliche Organisation über die Jahre gewandelt hat und welche Anforderungen an das Personal gestellt werden. Ältere Mitarbeitende haben die Möglichkeit, ihre Tätigkeit so anzupassen, dass sie über Zeitplanungen und Aufgabenverteilungen die Arbeiten erledigen, bei denen sie ihre volle Leistungsfähigkeit einbringen können. Andere Aufgaben überlassen sie den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Dass dies zu Gesprächen und offenen Diskussionen führt, gehört zum Programm. Deshalb muss auch Zeit eingeplant werden für die Organisation im Team. Die Führungslinie muss klare Vorstellungen von den Zielen und Leistungen haben und die Mitarbeitenden mit Feingefühl führen.

Aus der Sicht von Mitarbeitenden, die herauszufinden versuchen, wie sie ihre Motivation und Leistungsfähigkeit im Beruf erhalten können, sprach Gabi Lyndain, Fachfrau medizinisch-technische Radiologie MTRA, Diagnostik Stadtspital Waid. Sie arbeitet seit vielen Jahren in ihrem angestammten Beruf und stellt bei sich mittlerweile Ermüdungserscheinungen und teilweise gesundheitliche Beeinträchtigungen fest. Sie kann ihren Beruf zwar noch ausüben, möchte aber ihre Aufgabenschwerpunkte so verlagern, dass es für sie wieder besser stimmt. Hier bietet sich eine Laufbahnplanung an. Ursula Page, Bildungsberaterin Gesundheit Soziales Kanton Aargau, konnte bestätigen, dass viele Klientinnen und Klienten mit genau dieser Fragestellung in ihre Praxis kommen. Meist gelingt es dann, gemeinsam eine Lösung zu finden, ohne dass der Beruf gewechselt werden muss. Dies zeigt auch, wie Laufbahnplanung dazu beitragen kann, Mitarbeitende im Gesundheitswesen zu behalten.

Rosmarie A. Meier, Leiterin Alterszentrum Bürgerasyl-Pfrundhaus Stadt Zürich, erzählte, wie sie mit niederschwelligen Ansätzen zu Teamentwicklung und Karriereplanung umgeht. Sie legt grossen Wert auf ältere Mitarbeitende in ihrem Betrieb, denn diese haben eine wichtige Funktion als Gesprächspersonen für die Bewohnerinnen und Bewohner. Wer aus vergangener Zeit berichten kann, trägt zum gegenseitigen Verständnis bei. Ebenso profitieren jüngere Mitarbeitende von den älteren im Dialog. Aber auch umgekehrt funktioniert es: Ältere lernen von den Jüngeren, wo sie flexibel bleiben sollten.

Als Empfehlung an das Publikum meinten die Teilnehmenden der zweiten Runde, dass eine Mischung bezüglich Alter, Herkunft und Qualifikation auf allen Ebenen sehr viel zu einer lebendigen Betriebskultur beitrage. Eine sehr enge Zusammenarbeit, bei der alle in die gleiche Richtung zielen, sei dabei entscheidend.

Prof. Monika Schäfer, Leiterin Careum Bildungsentwicklung, ermutigte in ihrem Schlusswort dazu, bei der Arbeit die persönlichen Anliegen vorzubringen, die Entwicklung der eigenen Karriere an die Hand zu nehmen und sich bei Bund, Kantonen, Bildungszentren und Betrieben aktiv einzubringen.


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