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Machtfaktor Patient

Am Careum Congress 2010 haben sich in der Schweiz erstmals sämtliche beteiligten Parteien des Gesundheitssystems zur Rolle der Patientinnen und Patienten ausgetauscht.

Rund 300 Teilnehmende und zahlreiche nationale und internationale Referierende haben sich am Careum Congress vom 11. und 12. November 2010 mit dem Gesundheitswesen der Zukunft und der Rolle der Patienntinnen und Patienten auseinandergesetzt. Es war der erste Kongress überhaupt in der Schweiz, der sämtliche beteiligten Parteien des Gesundheitssystems zu dieser Thematik zusammenbrachte.

Patientinnen und Patienten als Mitwirkende

Bürgerinnen und Bürgern, Konsumierenden sowie Patienntinnen und Patienten kommt in Bezug auf die Gesundheit eine immer bedeutsamere Rolle zu. So verlangt die Gesundheitsgesellschaft eine aktive und kompetente Beteiligung an der eigenen Gesunderhaltung, der Bewältigung chronischer Erkrankungen in einem komplexer werdenden Gesundheitssystem und am wachsenden Gesundheitsmarkt. Weiter entwickeln Patientinnen und Patienten selbst neue Formen des Empowerments und der gegenseitigen Unterstützung, z. B. durch die kreative Nutzung neuer Informationstechnologien, Internet basierter Plattformen und sozialer Netzwerke.

Mit nationalen und internationalen Partnern hat Careum auf diesem Kongress eine breite Vielfalt von patientenbezogenen Innovationen im Gesundheitswesen, der Gesundheitspolitik und auf dem Gesundheitsmarkt vorgestellt.

Das Fazit aus den zwei Tagen lautet: Patientinnen und Patienten sind Mitwirkende und nicht Objekte des Gesundheitswesens.

Die Careum Stiftung denkt das Gesundheitswesen der Zukunft

Die Careum Stiftung setzt mit diesem Kongress einen neuen Schwerpunkt in ihrer Tätigkeit und beabsichtigt, Selbstmanagementprogramme für chronisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen in der Schweiz zu verankern. Mit der Patientenbildung will die Careum Stiftung innovative und wegweisende Impulse setzen und auch aktiv mitgestalten. Der Careum Congress 2010 ist ein wichtiger erster Meilenstein in diesem Engagement.

Patientenbildung mit Augenmerk auf chronische Krankheiten

Chronische Krankheiten machen 86 Prozent der Erkrankungen aus. Viele davon sind auch darum ein Problem, weil die Patientinnen und Patienten keinen Zugang zu unterstützenden Programmen haben und ihre Bedürfnisse zu wenig ernst genommen werden. Das Patienten-Empowerment muss in Zukunft zur selbstverständlichen Realität werden – Patientinnen und Patienten gehören wirklich in den Mittelpunkt des Gesundheitswesens. José Martin-Moreno, Direktor der WHO Europa, sagt: «Es ist noch ein langer Weg, bis die Patienten- und Ärzteschaft gleichwertige Partner sind.»

Selbstmanagement als Schlüssel

Klar wurde in den zahlreichen Präsentationen und Diskussionen, dass das Patientenselbstmanagement verbunden mit dem technologischen Fortschritt und den Möglichkeiten des Informationstranfers im Internet ein massgeblicher Faktor in der Neugestaltung des Gesundheitswesens der Zukunft sein muss. Jim Phillips, Direktor des britischen Expert Patients Programme, zeigt mit seinem Vergleich die Problematik auf: «Einen schönen blühenden Garten kann man nicht erzwingen, man kann nur die Rahmenbedingungen dafür schaffen. So ist es auch mit dem Patientenselbstmanagement.» Die englischen Studien zeigen eine Kostenersparnis von drei zu eins: Für jeden ins Selbstmanagement investierten Franken spart das Gesundheitswesen drei Franken.

Sind die Patientinnen und Patienten Kunden im Gesundheitswesen?

Ausführliche Diskussionen drehten sich rund um das Thema «Patientinnen und Patienten als Kunden im Gesundheitswesen». Mit den neuen Informationskanälen im Internet sind die Patientinnen und Patienten immer besser informiert und erhalten so Entscheidungsgrundlagen. Aber für eine freie Entscheidung ist gleiche Augenhöhe zwischen Leistungserbringenden und Patientenschaft nötig. Stefan Etgeton, Leiter der deutschen Verbraucherzentrale, sieht dies im Gesundheitswesen jedoch noch nicht gewährleistet. Alle Beteiligten, die Krankenversicherungen, Leistungserbringende wie auch Politik und Industrie, gehören mit den Patientenorganisationen an einen gemeinsamen Tisch. Denn «die Zeit der weissen Götter ist vorbei», stellt Nationalrat Felix Gutzwiller klar.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Peter Littlejohns vom britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (kurz NICE) formuliert die Kostenfrage im Gesundheitswesen pragmatisch: «Das Budget im Gesundheitswesen ist immer begrenzt. Jeder Franken, der für eine erkrankte Person ausgegeben wurde, kann nicht für eine andere gebraucht werden.» Doch klar wird, dass durch Patientenbildung und -organisation Kosten gesenkt werden können. Dies haben verschiedene Projekte immer wieder gezeigt. Erkrankte Menschen, die an Empowerment-Programmen teilnehmen, können selbstbewusster mit ihrer Krankheit umgehen und nehmen die Angebote des Gesundheitswesens weniger in Anspruch.

Ist eine Patientenrevolution im Gange?

«Patienten-Empowerment ist eine Revolution von unten, von der Bevölkerung ausgehend. Wir können dies nicht top-down verordnen, es muss eine Bottom-up-Revolution sein», hält Martin Denz, Direktor der European Health Telematics Association, fest. Die Patientinnen und Patienten sind viel besser informiert und werden zunehmend anspruchsvoller. Das Gesundheitssystem muss sich demokratisieren und bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung, um dem gerecht zu werden. Der Careum Congress hat diesen Prozess klar aufgezeigt.


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