Kontroversen und Perspektiven

Gesundheitspolitik trifft Bildungspolitik: Der Careum Dialog 2015 hat das Spannungsfeld zwischen herkömmlichen Berufsbildern und sektorenübergreifenden Ansätzen beleuchtet.

In den letzten Jahren sind neue Konzepte vorgelegt worden, um die Gesundheitsberufe auf eine bessere interprofessionelle Zusammenarbeit auszurichten. Während divergierende Auffassungen deren Umsetzung verzögern, entstehen in den Bildungsinstitutionen und in der Praxis wegweisende Kooperationsprojekte über Berufs- und Sektorengrenzen hinweg.

Hier knüpfte der Careum Dialog 2015 an. Am 29. und 30. Januar 2015 trafen sich 70 hochrangige Entscheidungsträger aus der Schweiz, Deutschland und Österreich im Swiss Re Centre for Global Dialogue in Rüschlikon, um über das Spannungsfeld zwischen zähem Beharren und ermutigenden Aufbrüchen an der Schnittstelle zwischen Bildungs- und Gesundheitspolitik zu diskutieren.

Der Careum Dialog 2015 beleuchtete Aufgaben der Gesundheitsbildungspolitik aus drei Perspektiven unter reger Beteiligung der Entscheidungstragenden aus den drei Ländern. Ein Expertengespräch ging der Frage nach, ob sektorenübergreifende Ansätze jenseits der monoprofessionellen Silos überhaupt eine Chance haben. Ein zweites Panel aus Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern adressierte das Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen des Gesundheitsmarkts und den überregulierten Qualifizierungsverläufen.

In einem dritten Panel zur Politik gingen unter anderem Pascal Strupler, der Direktor des Schweizerischen Bundesamts für Gesundheit, und David Langner, der Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, der Frage nach, wie sich Bildung ändern muss, wenn sie von der Patienten- und Bürgerschaft her gedacht wird. Die Patientenstimme wurde von Frau Dr. Sigrid Pilz vertreten, der Wiener Patientenbeauftragten.

Aktuelle Beispiele zeigten auf, wie es gelingen kann, die «schreckliche institutionelle Trägheit» zu überwinden und in den Bildungsinstitutionen, im Gesundheitswesen und der Politik Transformationen einzuleiten. Die intersektorale Verflechtung in Bildung und Praxis sowie die Investition in die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sind hierbei wichtige Elemente – ebenso wie die Bereitschaft der Professionen, ihr Silodenken zu überwinden und auf neuartige Aufgabenteilungen hinzuwirken.

Am zweiten Tag diskutierte die Expertenrunde anhand von drei Fallbeispielen die Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren für die Schaffung eines Gesundheitscampus. Dieses Konzept für das gemeinsame Lernen aller Gesundheitsberufe ist schon in den 1970er-Jahren entwickelt worden. Es bietet allerdings auch heute eine Leitperspektive, um mit neuartigen Lernarrangements, sektorenübergreifendem Lernen und fachlicher Kompetenzerweiterung zukunftsfähige Antworten für neue Herausforderungen zu finden. Dies gilt besonders im Hinblick auf die Versorgung der steigenden Anzahl von Menschen mit chronischen Krankheiten – ein Schwerpunkt der Arbeit von Careum.

Vorgestellt wurden auch Ansätze, die anstreben, durch die Verbindung einer gesundheitspolitischen Vision mit neuen Ausbildungskonzepten die Gesundheit der Bevölkerung und die Teilhabe im sozialen Nahraum und der Region zu verbessern.

Dr. Beat Sottas, Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch
Stiftungsrat, Mitglieder Leitender Ausschuss

 


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