EIPEN Konferenz 2017

Die Konferenz des European Interprofessional Practice and Education Network (EIPEN) tagte das erste Mail in der Schweiz. Präsentationen, Workshops und Netzwerktätigkeiten sorgten für Inspiration und Motivation für die Interprofessionelle Bildung und Zusammenarbeit.

Careum-Team an der EIPEN-Konferenz (v.l.): Alexandra Kraatz (Careum Bildungsentwicklung), Gabriele Schroeder (Careum Bildungsentwicklung), Gert Ulrich (Projektleiter Interprofessionelle klinische Ausbildungsstation Zürich IPKA-ZH), Sylvia Kaap-Fröhlich (Leitung Careum Bildungsentwicklung).

Die 6. EIPEN-Konferenz fand unter dem Titel «Interprofessional Practice and Education in Health and Social Care» statt. Weit über 100 internationale Teilnehmende trafen sich vom 6. bis 8. September 2017 in Lausanne, um sich über Interprofessionelle Bildung (IPE) und Interprofessionelle Zusammenarbeit (IPC) auszutauschen, weiterzubilden und ihre Netzwerkbeziehungen zu pflegen.

Die hohe Relevanz von IPE und IPC

In seiner Eröffnungsrede konstatierte der Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), Daniel Scheidegger, dass die Interprofessionelle Zusammenarbeit in der Praxis in der Schweiz noch vielerorts unzureichend sei. Er appellierte an die Zuhörenden sich mehr in der flächendeckenden Etablierung der Interprofessionellen Bildung und Interprofessionellen Zusammenarbeit und für den notwendigen Kulturwandel zu engagieren. Denn aufgrund von mangelhafter Kommunikation passierten noch zu viele medizinische (teils tödliche) Fehler. Zu dominant seien oft einzelne Personen im klinischen Kontext, wo IPC noch zu wenig gelebt werde.

In über 35 Vorträgen und Posterbeiträgen wurden Erfahrungen und Forschungsergebnisse einem interessierten Publikum vorgestellt und mit ihm diskutiert. Innovative Projekte und Herangehensweisen wurden präsentiert. Acht Workshops und Round Table Diskussionen luden ein, um relevante Themen von IPE und IPC in Europa gemeinsam zu bearbeiten und nächste Schritte zu planen.

Die Notwendigkeit einer interprofessionellen medizinischen Grundversorgung in der Schweiz wurde auch in einer Round Table Diskussion festgestellt und durch aktuelle Erhebungen untermauert. Durch die Förderung entsprechender Kompetenzen in der Ausbildung könne den zukünftigen gesellschaftlichen und medizinischen Herausforderungen angemessen begegnet werden. Dazu wurde exemplarisch das Pflegestudium an der Kalaidos Fachhochschule vorgestellt.   

Auch ausserhalb des offiziellen Rahmens tauschten sich die engagierten Teilnehmenden rege aus. Es wurden neue Kontakte geknüpft und alte gefestigt.

Im Folgenden soll noch auf drei thematische Schwerpunktbereiche der Tagung eingegangen werden:

  • Didaktische Lern- und Lehrkonzepte,
  • Notwendigkeit eines gemeinsamen IPE-Kompetenzrahmens,
  • Patientenorientierung.


Didaktische Lern- und Lehrkonzepte

Eine Reihe der Vorträge und Workshops befasste sich mit dem Thema der Lehrendenqualifikation und –weiterbildung im Rahmen von IPE. So wurde in einem der Workshops formuliert, welche Eigenschaften eine gute IP-Lehrperson benötigt, um IP- Kompetenzen bei ihren Lernenden zu fördern.

Als ein vorbildliches Beispiel für ein Setting zur Schulung von IP-Kompetenzen wurde eine von Studierenden geführte Klinik für verhaltensauffällige Kinder vorgestellt, die sechs verschiedene Berufsgruppen (wie Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie) in gemeinsamer IPC vereint.

In einem anderen Workshop wurde thematisiert, dass es Beiträgen über IPE oft an theoretischem Fundament mangelt. Den Anwesenden wurden verschiedene relevante Theorien präsentiert, um substantiellere Beiträge zu schreiben. Theoretisch fundierte und qualitativ hochwertige Publikationen dienen der Wahrnehmung über das eigene Fachgebiet hinaus und damit der Sichtbarkeit der IPE.

Notwendigkeit eines gemeinsamen IPE-Kompetenzrahmens

Andre Vyt, der Vorsitzende von EIPEN, erinnerte daran, dass Interprofessionelle Bildungsprogramme noch zu wenig verbreitet und in der Bildungslandschaft noch eher die Ausnahme als die Regel sind. Als Massnahme für die weitere Etablierung von IPE und für eine gemeinsame Stossrichtung in Europa möchte man daher bei EIPEN einen europäischen IP-Kompetenzrahmen erstellen, wie er in manchen Ländern (wie Canada) bereits existiert. Dieser kann als ein Kompass dienen bei der Gestaltung von IPE-Programmen.

Um sich einem Konsens über die zentralen IPE-Kompetenzen zu nähern, brainstormten und diskutierten die Teilnehmenden in einem Workshop. Als Ausgangslage diente der (bei EIPEN) seit 2011 bestehende Kriterienkatalog über die zu schulenden Kompetenzen in der IPE. Man kam zu dem Schluss, dass die Kriterien klar(er) definiert und messbar sein müssten und eine hohe Relevanz für die IPC aufweisen sollten. Die im Workshop erarbeiteten Beiträge sollen nun von der Leitung (Vorstandsteam EIPEN) aufbereitet und in einem halben Jahr für die weitere Diskussion und Finalisierung an die Mitglieder kommuniziert werden. Careum begrüsst diese wichtige Initiative von EIPEN, und hat sich engagiert im Workshop eingebracht.

Patientenorientierung

Philipp Clark von der University of Rhode Island (USA) verdeutlichte in seinem Keynote-Vortrag, dass für eine gute IPC auch die Stimmen der Patienten gehört werden müssen. Da sich für manche Patienten aufgrund individueller Eigenheiten eine normale Behandlung nicht eignet, könne die Kenntnis von Patienten-Narrativen und ihrer Biografie für eine angemessene Behandlung sehr wichtig sein.

Für dieses Ziel bedient sich die Robert Gordon University in Schottland einer inszenierten emotionalen Schauspielszene, um ihr interprofessionelles Studierendenpublikum in Bezug auf die Wahrnehmung von Patientenverhalten und damit verbundenen Vorurteilen zu sensibilisieren. Die wirksame Methode, die Laura Chalmers präsentierte, verdeutlicht den Studierenden, dass auch die Patientensituation für deren Einschätzung berücksichtigt werden sollte.

Andre Vyt schloss die Tagung mit einem positiven und motivierenden Ausblick und der Vision, dass mit gemeinsamem Engagement die Verbreitung und Verstetigung der IPE und IPC zu schaffen seien, und so die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitsbereich gemeistert werden könnten.

Weiterführende Informationen

EIPEN-Konferenz 2017
Interprofessionalität als wichtiges Thema bei Careum
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