Gesundheit: Gemeinsam entscheiden

Der Careum Dialog 2016 ging der Frage nach, wie Patienten und Professionen durch Koproduktion gemeinsam Patientennutzen schaffen können.

«Gemeinsam entscheiden» stand im Zentrum der anregenden und vorwärtsweisenden Gespräche beim sechsten Careum Dialog am 11. und 12. Februar 2016. Im Swiss Re Centre for Global Dialogue kamen 70 hochrangige Akteure aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zusammen. Kurze, pointierte Referate von Wissenschaftlern, Leistungserbringern und Patientenvertretern führten in die Thematik ein, die anschliessend in Arbeitsgruppen und im Plenum lebendig erörtert wurde.

In einem interprofessionellen und intersektoralen Dialog diskutierten die Teilnehmer – mit Patientenbeteiligung – lebhaft darüber, in welchen Bereichen die Gesundheitssysteme der drei Länder eine grundlegende Neuorientierung im Hinblick auf gemeinsame Entscheidungsfindungen anstreben. Wie weit sind sie auf dem Weg zur «Produktivkraft Partizipation» bereits vorangekommen? Der Austausch über die Ländergrenzen hinaus erweist sich stets von Neuem als besonders fruchtbar.

Viele Einzelbeispiele verdeutlichten, wie Patienten und Professionen durch Koproduktion gemeinsamen Patientennutzen schaffen können. Illustriert wurde dies durch die gemeinsame Arbeit an Gesundheitszielen und Versorgungsrichtlinien, durch bessere Kommunikationsvorgänge und erweiterte Entscheidungskompetenzen. Die Teilnehmer führten aus, auf welche Weise internationale Initiativen wie Choosing Wisely, Triple Aim und Patient Empowerment auch in den drei teilnehmenden deutschsprachigen Ländern Einfluss gefunden haben. Es bestand jedoch Konsens, dass noch kein starker – auch von der Politik getragener – übergreifender Veränderungswille besteht, die großen Fehlanreize in den Gesundheitssystemen systemisch anzugehen. Dem stehen weiterhin zu viele Einzelinteressen entgegen.

Auf welche Weise kann also Veränderungsdruck entstehen? Für viele Teilnehmer stellt die Ergebnisorientierung und die damit verbundene Transparenz ein wichtiges Eingangstor zur Veränderung dar. Dabei ergeben sich auch neue Herausforderungen für die Forschung: Der Patientennutzen muss besser und anders erfasst werden und auch für die Patienten selber sowie ihre Angehörigen nachvollziehbar sein. Das erfordert – so die Patientenstimmen – eine starke Verbindung der Messung von Versorgungsqualität mit der Lebensqualität von Patienten.

Für andere Teilnehmer war klar, dass es deutliche ökonomische Anreize für den Kulturwandel und das Umdenken aller Akteure braucht. Das erfordert sowohl die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen wie auch eine gezielte Investition in die Gesundheitskompetenz der Bürger und Patienten. Dafür bräuchte es ein System, das die Patientenorientierung einerseits und die interprofessionelle Zusammenarbeit  andererseits belohnt. Eine neue Generation von Gesundheitsprofessionellen und auch von Patienten könnte sich hier als zielführend erweisen.

Partizipation kann aber nicht erst dann beginnen, wenn Bürger bereits Patienten sind oder wenn Professionelle ihre Ausbildung schon durchlaufen haben. So stand im Expertenworkshop die Frage nach den erforderlichen Veränderungen in der Bildung im Gesundheitswesen im Vordergrund. Wie kann Ausbildung, Fort- und Weiterbildung sowie Patientenbildung zu einer Transformation des Systems beitragen?

Auch hier zeigte die angeregte Diskussion, dass es in jedem dieser Bereiche viele positive Beispiele gibt, die «von unten» aus dem Bildungssystem heraus den Wandel praktizieren. Besonders hervorgehoben wurden Modelle der patientennahen, versorgungsorientierten und interprofessionellen Ausbildung, das Modell eines Health Campus mitten in der Gesellschaft, die Orientierung der Weiter- und Fortbildung an «Kompetenzsettings» und integrierten Antworten auf Herausforderungen wie Multimorbidität. Auch die Rolle von E-Learning und Social Media wurde aus verschiedenen Blickwickeln beleuchtet.

In Bezug auf die Vermittlung von Gesundheitskompetenz wurde erneut auf das erfolgreiche Modell Patientenuniversität Hannover hingewiesen, aber auch auf neue Ansätze zur Erarbeitung einer nationalen Strategie für Gesundheitskompetenz. Dabei verdeutlichte sich, wie wichtig es ist die Balance zu halten zwischen dem Ruf nach mehr Innovation und gegen Überregulierung einerseits, und der Bedeutung der öffentlichen Verantwortung in den Bereichen Gesundheit und Bildung andererseits.


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