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Problembasiertes Lernen

Vom Problem zur Lösung: Die Studierenden lernen, weitgehend selbstständig eine Lösung für reale Problemstellungen zu finden.

 

Konzept und Methode

Das Ziel des Problembasierten Lernens (PBL) ist der Erwerb von Wissen, das auf Problemstellungen in der Berufspraxis angewendet werden kann. Der Lernprozess beginnt mit einer realistischen Situation aus dem Berufsalltag, die als Problem formuliert wird. «Problem» wird dabei im angelsächsischen Sinn als Herausforderung verstanden. In Tutoratsgruppen und im Selbststudium analysieren die Studierenden eigenständig das Problem. Sie aktivieren ihr bestehendes Wissen, formulieren selbstständig Lernfragen und erarbeiten neues Wissen, das zur Problemlösung nötig ist.

Die Studierenden nehmen dadurch aktiv am Lernprozess teil. Die Lehrperson übernimmt derweil die Rolle einer Tutorin beziehungsweise eines Tutors. Sie präsentiert im Tutorat nicht ihr eigenes Wissen, sondern unterstützt den Lernprozess, indem sie offene Fragen stellt.

Die Problembearbeitung erfolgt mithilfe der sogenannten Siebensprung-Methode:

Phase 1 Problemanalyse in der Gruppe
Schritt 1 Unbekannte Begriffe klären
Schritt 2 Zentrale Fragestellungen bestimmen
Schritt 3 Vorhandenes Wissen aktivieren, Hypothesen bilden
Schritt 4 Hypothesen diskutieren und ordnen
Schritt 5 Lernziele oder Lernfragen formulieren
Phase 2 Problembearbeitung im Selbststudium
Schritt 6 Informationen recherchieren
Phase 3 Erweitertes Problemverständnis in der Gruppe
Schritt 7 Neue Informationen austauschen, Lernprozess reflektieren
 

Das erarbeitete Fachwissen wird im Skillstraining mit Blick auf die Berufspraxis vertieft. Dabei trainieren Studierende berufliche Fähigkeiten und Fertigkeiten (Skills) in einer Laborsituation, die der Berufsumgebung nachempfunden ist. Die Lehrperson übernimmt als berufliche Expertin die Rolle der Skillstrainerin beziehungsweise des Skillstrainers.

Die Studierenden vernetzen beim Problembasierten Lernen dadurch Vorwissen mit neuen Inhalten und erwerben neben fachlichen auch überfachliche Kompetenzen. Sie lernen, im Team aufeinander einzugehen sowie voneinander und miteinander zu lernen. Sie übernehmen bewusst die Verantwortung für das eigene Lernen.

Entstehung und Entwicklung

Das Problembasierte Lernen wurde Ende der 1960er-Jahre von Howard S. Barrows an der McMaster University in Kanada entwickelt. Heute ist es in der Ausbildung auf unterschiedlichen Bildungsstufen rund um die Welt verbreitet.

Je nach Verständnis des PBL wird es als pädagogisches Konzept für ein gesamtes Curriculum, als kontinuierliche Lernform oder als Technik (Siebensprung-Methode) eingesetzt.

Es existieren zahlreiche Formen des ursprünglichen Konzepts. Verwandte Ansätze wie Project-based Learning und Enquiry-based Learning gelten ebenfalls als erfolgversprechende Konzepte, um die Kompetenzentwicklung innerhalb der Bildungsgänge zu etablieren und Lernprozesse sowie Handlungskompetenzen umfassend zu fördern.

Sonderheft

Die Zeitschrift für Hochschulentwicklung hat zum Problem-based Learning Kongress 2016 ein Sonderheft veröffentlicht. Es umfasst 14 Beiträge zur Umsetzung von PBL und verwandten Ansätzen. Die Beiträge zeigen auf, wie explorative Lernansätze zur Förderung der Kompetenzorientierung an Bildungsinstitutionen eingesetzt werden können.

Literatur

Barrows, H.S., & Tamblyn, R.M. (1980). Problem-based learning: an approach to medical education (Vol. 1). New York: Springer.

Barrows, H. S. (1999). A Taxonomy of Problem-based Learning Methods. In J. A. Rankin (Hrsg.), Handbook on Problem-based Learning (S. 19-26). New York: Forbes.

Benner, P. (1984). From Novice to Expert. Excellence and Power in Clinical Nursing Practice. Menlo Park: Addison-Wesley.

Careum Stiftung (2000). Eine transferwirksame und praxisnahe Ausbildung mit Skillslab und problem-based Learning. Bericht Vorprojekt der Stiftung. Zürich: Careum Verlag.

Careum Stiftung (2013). Problem basiertes Curriculum Höhere Fachschule: Curriculum-Buch 1. Zürich: Careum Stiftung.

Crittin, J.-P. (2004). Selbstbestimmt und erfolgreich lernen. Bern: Haupt Verlag.

Landwehr, N.(1994). Neue Wege der Wissensvermittlung. Aarau: Sauerländer-Verlag.

Moust, J.H.C.; Bouhuijs, P.A.J.; Schmidt, H.G. (1999). Problemorientiertes Lernen. Wiesbaden: Ullstein Medical.

Reusser K. (2005). Problemorientiertes Lernen – Tiefenstruktur, Gestaltungsformen, Wirkung. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 23 (2), 159-182.

Siebert, H.(2005). Pädagogischer Konstruktivismus. Weinheim: Beltz Verlag.

Swanson, K.M. (1991). Empirical development of a middle range theory of caring. Nursing Research, 40 (3), 161-166.

Weber, A. (2004). Problem-based Learning. Bern: hep-Verlag.


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