Digitalisierung, Pflegeexpertise und Qualitätsmodelle: Inputs aus dem Careum Colloquium

Wie steht es um die «Advanced Nursing Practice» – also die erweiterte, vertiefte und spezialisierte Pflegepraxis – in der Schweiz? Dr. Stefan Gysin vom Institut für Hausarztmedizin & Community Care in Luzern bot im Careum Colloquium vom 14. März 2019 zum Einstieg einen kurzen Überblick. Die Pionierleistung ist vollbracht. Das Modell der «Advanced Practice Nurses / Nurse Practitioners» (APN/NP) – also von Pflegefachpersonen mit Hochschulbildung – hat mit dem Master of Science in Nursing, der unter anderem auch an der Careum Hochschule Gesundheit angeboten wird, auch in der Schweiz Einzug gehalten. «Das Modell ist bereit zum Abheben», sagte Dr. Stefan Gysin. Allerdings sei es noch ein langer Weg im Vergleich mit Amerika. Dort sind bereits über 270 000 «Nurse Pracititoners» im Einsatz – der Grossteil davon in der Grundversorgung.

In der Schweiz sind es dagegen erst wenige Hausarztpraxen, die solche klinischen Pflegeexpertinnen einsetzen. Der Kanton Uri will etwa in einem Pilotprojekt testen, ob das Modell der «Pflegefachpersonen Plus» eine sinnvolle Lösung für das Problem der fehlenden Hausärzte sein kann. Die meisten «Advanced Practice Nurses» in der Schweiz arbeiten im Spital, einige sind in der Forschung tätig, wenige sind in Pflegeheimen oder in der Pflege zu Hause im Einsatz. Plakativ gesprochen: Die «Nurse Practitioners» haben das «Hirn» eines Arztes oder einer Ärztin und das «Herz» einer Pflegefachperson. Ihr Vorteil laut Dr. Stefan Gysin: Die Versorgungsqualität und die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten ist höher, weil Pflegeexpertinnen mehr Zeit und eine ganzheitliche Sicht haben.

5-Sterne-Bewertung für die Gesundheitsversorgung

Als zweite Referentin war eine Gesundheitsexpertin aus der Metropolregion New York im Careum Colloquium zu Gast: Dr. Lydia Cristóbal vom CarePoint Health Hoboken University Medical Center in New Jersey sprach über ihre Erfahrungen in Sachen Digitalisierung, Führung und Qualität im Gesundheitswesen. Sie zeigte auf, wie das Qualitätsmodell in Amerika funktioniert. Die Patientinnen und Patienten bekommen eine Stimme, indem sie die Gesundheitsdienstleister und die Leistungen in einem 5-Sterne-System bewerten können. Daran verknüpft ist auch das Zahlungsmodell, also wie viel Geld für Leistungen abgegolten wird. Dr. Lydia Cristóbal zeigte auf, dass die Nurse Pracititoners in diesem System der Schlüssel für eine gute Partnerschaft im Kontinuum der Pflege von der Grundversorgung bis hin zur Langzeitpflege und Betreuung zu Hause sind.

In Sachen Digitalisierung erwähnte Dr. Lydia Cristóbal etwa die Medikamentenabgabe mit Barcodes. So müssen Pflegekräfte nur noch die Armbänder der Patientinnen und Patienten scannen, um zu wissen, welche Medikamente in welcher Dosis verabreicht werden müssen. Dieses System habe menschliche Fehler bei der Medikamentenabgabe drastisch reduziert, sagte Dr. Lydia Cristóbal. Sie zeigte auch die Vorteile von elektronischen Patientendossiers auf, aus denen Fachkräfte alle wünschenswerten Informationen herausziehen können. Als weiteren Vorteil im Zuge der Digitalisierung nannte sie die Telemedizin, die in den USA auch in der Grundversorgung auf dem Vormarsch ist.

Interprofessionelles Team von Superhelden

In einem immer komplexeren Umfeld des Gesundheitswesens ist ein hohes Mass an klinischer Expertise und wissenschaftlichem Wissen unerlässlich. Deshalb wurden in den USA 336 «Doctor of Nursing Practice»-Ausbildungsprogramme eingeführt und 121 weitere sind in Planung. Dr. Lydia Cristóbal hob ausserdem die interprofessionelle Ausbildung und Zusammenarbeit von verschiedenen Fachpersonen aus Gesundheit und Medizin als wichtigen Faktor hervor. Zum interprofessionellen Team sollten aber auch die Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen gehören. Es sei wichtig, die Konsumentenbedürfnisse immer im Blick zu haben. In Sachen Führung zählte sie etwa Aufstiegsmöglichkeiten für Pflegefachpersonen, zielgerichtete (und nicht subjektive) Leistungsbewertungen und Mentoringprogramme als bedeutende Apsekte auf.

Zum Schluss forderte Dr. Lydia Cristóbal dazu auf, ein positives Image der Pflegekräfte zu verbreiten. Schliesslich würden sie jeden Tag gute Dinge vollbringen. Aber darüber werde kaum je berichtet. Ihr bevorzugtes Sujet für eine Medienkampagne: eine interprofessionelle «Justice League» im Gesundheitswesen – eine Gruppe von Superhelden, welche die Welt mit Gesundheit retten.

Mehr Informationen

Interprofessionalität als wichtiges Thema bei Careum
Blogbeiträge zum Thema Pflegewissenschaft
Kurzversion des Careum Working Papers zum Thema: Wie revolutioniert die digitale Transformation die Bildung der Berufe im Gesundheitswesen?


Careum Dialog 2019: Kurzversion des Working Papers

Unter dem Leitthema «Anders Lernen – Lehren – Handeln» beschäftigte sich der Careum Dialog 2019 intensiv mit der Frage, wie die digitale Transformation die Bildung der Berufe im Gesundheitswesen revolutioniert. Rund 70 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus der Schweiz, Deutschland und Österreich diskutierten am 31. Januar und 1. Februar 2019  im Careum Auditorium über dringende Fragen in der Schnittmenge «Gesundheit – Digitalisierung – Bildung». Darunter waren Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheits- und Bildungswesen, aus Wirtschaft, Ethik, Forschung, Recht, Informatik, Berufsverbänden und Think Tanks sowie Studierende, Patientinnen und Patienten.

Als Grundlage für die Diskussionen diente ein von Expertinnen und Experten entwickeltes Working Paper. Die darin enthaltenen Postulate und Handlungsempfehlungen wurden im Careum Dialog 2019 bezüglich Zustimmung und Relevanz eingeordnet und in einem abschliessenden kollaborativen Schreibprozess geschärft. Die Kurzversion des Working Papers gibt nun hierzu einen ersten Überblick. Sie enthält 11 Postulate und 17 Handlungsempfehlungen im Bezug auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bildung in den Gesundheitsberufen. Die Kurzversion des Working Papers soll, zusammen mit der im Frühling 2019 erscheinenden Langversion, die weitere Diskussion zu diesem hochrelevanten Thema anregen. Das Papier soll als Richtschnur der strategischen Ausrichtung und als Grundlage für die operative Umsetzung im Bildungssystem der Berufe im Gesundheitssystem dienen.

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Aufgabenteilung bei der Behandlung von Patienten

Jetzt anmelden: St.Galler Tagung zum Gesundheits- und Pflegerecht, 12. September 2019

Die St.Galler Tagung zum Gesundheits- und Pflegerecht findet am Donnerstag, 12. September 2019, im Swissôtel in Zürich statt. Beleuchtet werden dieses Jahr sowohl die Entwicklungen in der Gesetzgebung und der Rechtsprechung im Gesundheitsrecht als auch die Entwicklungen im Pflegerecht.

Aufgabenteilung in der Behandlung

Ein aktuelles Thema, das an der Tagung ebenfalls Raum erhält, ist die  Aufgabenteilung bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten. Zentrale Fragen sind hier: Was ist ärztliche, was pflegerische Aufgabe? Was darf delegiert werden? Wie wird überwacht? Und: Wie wird abgerechnet? Wo liegen Chancen und Risiken der Delegation, wo gibt es Grenzen? Erzeugt Delegation mehr Aufwand als Nutzen? Wie können sich Leistungserbringer (Spital, Reha-Kliniken, Spitex und weitere) organisieren?

Die Tagung will zwei Ziele erreichen: Zum einen sollen die Teilnehmenden einen aktuellen Ueberblick über die neuesten Entwicklungen erhalten. Zum anderen will die Tagung ein zentrales Thema vertiefen und aus verschiedenen Blickwinkeln durchleuchten.
Sie richtet sich an Personen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich (Spital, Pflegeheim, ambulante Praxis), an Vertretungen von Gesundheitsbehörden, an die Anwaltschaft, an Mitarbeitende von Versicherungen sowie an weitere interessierte Personen.

Eine bunte Palette an Fragestellungen – und die Tagung soll dazu nützliche Antworten liefern. Die Referierenden sind mit den verschiedenen Fragen bestens vertraut und bieten Gewähr für eine praxisbezogene und aktuelle Tagung. An der Tagung werden Unterlagen abgegeben. Die Diskussionsrunden erlauben den Einbezug der Teilnehmenden. Fragen an die Referierenden können bereits vorgängig der Tagung gestellt werden.

Hier finden sie weitere Informationen und Programm und können sich anmelden. (Hinweis: Bestätigte Anmeldungen können nicht rückgängig gemacht werden.)

 

Tagungsleitung

  • Prof. Dr. iur. Ueli Kieser, Rechtsanwalt, Vizedirektor am Institut für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis an der Universität St.Gallen, Titularprofessor an den Universitäten Bern und St.Gallen, KSPartner, Zürich/St.Gallen
  • Prof. Dr. iur. Agnes Leu, Programmleitung Careum Forschung, Studiengangsleitung DAS in Pflege- und Gesundheitsrecht, Careum Hochschule Gesundheit AG, Mitglied Spitex Verband Kanton Zürich, Richterin


Referierende

  • Prof. Dr. iur. Thomas Gächter, Rechtswissenschaftliches Institut der Universität Zürich, Zürich
  • Jörg Kündig, Inhaber und Geschäftsführer, UBITUS AG Finanzberatung und Treuhand, Gemeindepräsident Gossau ZH, Präsident Verwaltungsrat GZO AG Spital Wetzikon, Mitglied Vorstand Schweizer Gemeindeverband, Präsident des Gemeindepräsidentenverbandes des Kantons Zürich, Kantonsrat, Zürich
  • Prof. Dr. iur. Hardy Landolt, LL.M., Lehrbeauftragter an der Universität St.Gallen für Haftpflicht-, Privat- und Sozialversicherungs- sowie Gesundheitsrecht, wissenschaftlicher Konsulent am Institut für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis an der Universität St.Gallen, Rechtsanwalt und Notar, Glarus
  • Judith Meier, Delegierte des Verwaltungsrates RehaClinic AG, Bad Zurzach, weitere Verwaltungsratsmandate
  • Prof. Dr. iur. Tomas Poledna, Titularprofessor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Zürich, Poledna RC AG, Zürich/Basel
  • Dr. med. Michael Schützenmeister, Facharzt für Arbeitsmedizin, Betreuung der Felder Betriebsmedizin, Arbeitsmedizin, Versicherungsmedizin und Verkehrsmedizin, Health& Medical Service AG, Zürich

Jubiläum 20 Jahre Pflegewissenschaft in der Schweiz

20 Jahre Hochschulbildung in der Pflege

Der erste Kooperations-Studiengang Master in Nursing Science von WE’G und Universität Maastricht war 1996 eine echte Pioniertat für die Schweizer Bildung im Gesundheitswesen. Das damalige Ziel war die Ausbildung von Akademikerinnen und Akademikern, die über Wissen und Fähigkeiten verfügen, um in der Forschung, Beratung, Führung usw. tätig zu sein. Zahlreiche Beispiele bezeugen die erfolgreiche Umsetzung.

Erleben Sie das Jubiläum in der Rückschau. Mehr... 

Lesen Sie die Broschüre zur Tagung. Mehr ...

Rosmarie A. Meier und Iris Ludwig über die Erfolgsfaktoren für den ersten MNS-Studiengang in der Schweiz – Audiopräsentation


Neuerscheinung Careum Verlag

Gesichter des Schmerzes - Möglichkeiten und Horizonte der Schmerzmedizin

Schmerzen gehören zum Leben wie Pickel zur Pubertät - wenn der Schmerz chronisch wird, haben wir ein größeres Problem.

Schmerz bedeutet immer eine existenzielle Bedrohung des momentanen Lebensentwurfs. Wird der Schmerz chronisch, heisst es «Sie müssen lernen, mit diesen Schmerzen zu leben.» Eine Aussage, mit der Ärzte das Problem, mit dem sie nicht fertig werden, an den Patienten delegieren - der Patient bleibt meist allein zurück.

Längst nicht alle therapeutischen Massnahmen sind bei vielen Patienten, die sogenannt austherapiert sind, durchgeführt worden. Zum einen, weil Ärzte und auch Patienten die verschiedenen Möglichkeiten nicht kennen, zum anderen, weil aufgrund von Vorurteilen unkonventionelle Methoden abgelehnt werden.

Was wir beim Patienten nicht verstehen, ist für viele Therapeuten psychisch. Aber etwas nicht zu verstehen heisst nicht, es ist psychisch. Schmerz ist nicht Liebeskummer, Zeit heilt nicht – im Gegenteil. Und ein jeder hat psychisch ein Problem, wenn er chronische Schmerzen hat, die Spezialisten nicht mehr weiter wissen und der Schmerz immer mehr Konflikte in Beziehung, Arbeitswelt und der Gesellschaft verursacht. Und jeder braucht in einer solchen Situation Hilfe.  

Wie Hilfe aussehen kann, darüber gibt die Neuerscheinung aus dem Careum Verlag einen eindrücklichen Überblick. Das gesamte medizinische Behandlungsspektrum, das mit dem bio-psycho-sozialen Behandlungsmodell – dieses umfasst schulmedizinische Therapien wie auch Komplementärmedizin und mentale Methoden – arbeitet, wird  anhand von Fallbeispielen erläutert.

Dr. Roland Schreiber gelingt es, das komplexe und gleichermassen faszinierende Thema des Schmerzes verständlich und mit einer guten Portion Humor darzulegen und damit einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen.