Professionelle Versorgung braucht professionelle Ausbildung

Anästhesistin bei der Arbeit. Bild: UniversitätsSpital Zürich

Dr. Eva-Maria Panfil hat beim Austauschanlass «Careum Campus lebt» am 17. Oktober 2018 die Aus- und Weiterbildung der nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe am UniversitätsSpital Zürich (USZ) vorgestellt. Die Leiterin Bildung der Direktion Pflege sowie medizinisch-technische und medizinisch-therapeutische Berufe informierte, dass das USZ eine mengenmässig festgelegte Ausbildungsverpflichtung vom Kanton hat. Als Praxislernort kooperiert es mit Bildungspartnern im In- und Ausland. Am USZ werden 15 nicht-ärztliche Gesundheitsberufe – von der Fachperson Gesundheit (FaGe) bis zur Physiotherapeutin und zum Physiotherapeut FH – in der Praxis ausgebildet. 2017 wurden total 757 Praktika am USZ durchgeführt. Die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sind dabei nicht für die Ausbildung «freigestellt». Sie sind alle als Fachpersonen in ihrer Abteilung tätig und bilden gleichzeitig aus. «Das ist eine grosse Stärke der Berufsbildung, aber auch eine grosse Herausforderung für die Berufsbildenden», sagte Dr. Eva-Maria Panfil.

Ausgezeichnetes Ausbildungsmodell

Ohne pädagogisches Modell geht es nicht. Das USZ setzt auf das Modell Cognitive Apprenticeship und für die Pflegeberufe auf das Organisationskonzept der «Lern- und Arbeitsgemeinschaft» (LAG). Das heisst, dass die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner täglich als Team mit den Auszubildenden und Studierenden Patientinnen und Patienten versorgen und gleichzeitig dabei miteinander lernen. Das Ziel ist, dass die Auszubildenden und Studierenden 80 Prozent ihrer Ausbildungszeit in interprofessionellen und/oder interdisziplinären Lern- und Arbeitsgemeinschaften verbringen, um von-, mit- und übereinander zu lernen. Dazu gehört auch das Geben und Nehmen von Feedback zum eigenen Kompetenzaufbau. In Nachbearbeitungsphasen wird das fachliche Wissen vertieft und gegenseitig oder auch an andere Mitarbeitende der Abteilung weitervermittelt.

Die Lern- und Arbeitsgemeinschaft fördert damit fachliche und soziale Kompetenzen, interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie kollaboratives, intergenerationelles Lernen und Peer-teaching. Stolz zeigte sich Dr. Eva-Maria Panfil auf den Preis für Unternehmensgeist in der Berufsbildung. Das pädagogische Konzept der Lern- und Arbeitsgemeinschaft vom USZ wurde am ENTERPRIZE 2017 von Bundesrat Johann Schneider-Ammann ausgezeichnet.

Interprofessionalität als Schlüssel

Interprofessionalität ist der Schlüssel für eine patientenorientierte und wirtschaftliche Patientenversorgung, zeigte sich Dr. Eva-Maria Panfil überzeugt. Das werde am USZ schon in der Ausbildung gelebt. Deshalb freut sie sich über die Entwicklung der Zürcher interprofessionellen klinischen Ausbildungsstation (ZIPAS) am USZ, an der unter anderem auch Careum beteiligt ist. Das Ziel ist, dass dort angehende Ärztinnen und Ärzte sowie angehende Gesundheitsfachpersonen gemeinsam im Team Patientinnen und Patienten versorgen und dabei für eine interprofessionelle Zusammenarbeit gecoacht werden.

Das Fazit von Dr. Eva-Maria Panfil: Eine professionelle Aus- und Weiterbildung ist ein Anliegen der Gesamtinstitution. Die Bildung ist keine «Nebentätigkeit oder Zusatzaufgabe», sondern eine gleichwertige attraktive Aufgabe neben der Führungs- und Fachverantwortung. Deshalb betreibt das USZ auch Talentförderung. Und: Professionelle Bildung braucht ein pädagogisches Konzept.

In der Diskussion räumte Dr. Eva-Maria Panfil mit dem alten Vorurteil auf, dass das USZ keine FaGe brauche: «Es ist kein ‹kleiner Pflegeberuf›, sondern ein eigenständiger Beruf.» Sie erklärte zudem, dass auch die Weiterbildung am USZ grosse Bedeutung hat. Diese soll noch interprofessioneller und abteilungsnäher gestaltet werden, damit deren Ergebnisse in der Patientenversorgung spürbarer werden.


Edubase an der Frankfurter Buchmesse

Nadia Garcia und Marion Leu vom Careum Verlag haben an der Frankfurter Buchmesse 2018 verschiedene Einsatzformen rund um die Lernplattform Edubase vorgeführt. Sie haben unter dem Titel «E-Books erfolgreich im Schulunterricht einsetzen» aufgezeigt, wie smart sich ein digitales Angebot für Bildungseinrichtungen präsentieren kann.

Der Fokus der Referate lag auf der Nutzung bereitstehender Edubase E-Books für Lehrkräfte sowie für Schülerinnen und Schüler zur Vorbereitung, im Unterricht sowie in der Nachbereitung. Neben vielen für das Lernen mit E-Books relevanten Zusatzfunktionen wurden insbesondere die Verbindung zu Learning-Management-Systemen (LMS) und die Erweiterung um eine Medienbibliothek vorgestellt.

Konkrete Anwendungsmöglichkeiten und Tutorials für E-Books

Die Referate wurden rege besucht und die Teilnehmenden hatten auch im Anschluss Interesse an einem vertieften Gespräch. Es erstaunt, dass es tatsächlich immer noch an konkreten Umsetzungsmöglichkeiten von E-Books im Alltag scheitert oder gar die Ideen dazu fehlen. Edubase wird darum 2019 weiterhin diese Richtung einschlagen: mit der konkreten Anwendung im Unterricht, weiteren Tutorials von Lehrpersonen und dem methodisch-didaktischen Einsatz sowie der technischen Verbesserung im Bereich Usability in der Desktop-Version.

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Edubase


Alterspflege: «ambulant vor stationär» greift zu kurz

Im nächsten Careum Colloquium ist ein Experte für Altersvorsorge und Gesundheitspolitik zu Gast: Dr. Jérôme Cosandey von der Denkfabrik Avenir Suisse wird im Careum Auditorium über die Herausforderungen der Altersversorgungskette referieren. Der «Directeur romand» und «Forschungsleiter Finanzierbare Sozialpolitik» wird aufzeigen, dass ambulante Dienstleistungen (Spitex) und stationäre Einrichtungen (Pflegeheime) je nach Pflegebedarf sehr wohl komplementär sind und nicht gegeneinander aufgespielt werden sollten. Zudem können Tagesstrukturen einen sinnvollen Mittelweg und eine wichtige Entlastung für das System, die Patienten und ihre Angehörigen bieten.

Die Veranstaltung findet von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr im Careum Auditorium statt. Sie haben die Möglichkeit, sich während des Colloquiums aktiv einzubringen und Fragen zu stellen. Im Anschluss können Sie sich während eines Apéros im Foyer des Careum Auditoriums auch persönlich mit Dr. Jérôme Cosandey und anderen Teilnehmenden austauschen.

Anmeldung

Melden Sie sich gleich hier für das Careum Colloquium an. Anmeldeschluss ist am Montag, 5. November 2018.


Veranstaltungsdetails

Ort: Careum Auditorium, Pestalozzistrasse 11, 8032 Zürich (ZVV-Fahrplan, Google Maps)
Datum: Montag, 12. November 2018
Zeit: 16.30–18.00 Uhr, anschliessend Apéro im Foyer
Kalendereintrag zum Herunterladen


Wir können nicht alles digitalisieren

Der 16. Case Management Kongress hat sich mit den Chancen und Gefahren der Digitalisierung und der Flexibilisierung der Arbeitswelt befasst. «Wir müssen mitdenken und mitmachen», lautete eine Kernaussage aus der Podiumsdiskussion in der Welle in Bern. Es wurden diverse Vorträge rund um Trends und Themen der Zukunft sowie ihren Herausforderungen angeboten.

Einen Blick in die Zukunft der Schmerzbehandlungen und Prävention bot Dr. Oliver Christ von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er zeigte mithilfe von Virtual Reality moderne Therapien auf. Weiter ging es mit digitaler Unterstützung im Haushalt: Michael Lehman, Leiter des Living Labs in Biel, stellte mit grosser Begeisterung seine aktuelle Forschung vor. Er und sein Team haben eine Lebenswelt kreiert, genauer gesagt ein Haus mit einem älteren Ehepaar – den Brönnimanns. Herr Brönnimann ist an Demenz erkrankt. Seine Frau Elisabeth ist schon etwas unsicher auf den Beinen. Wie kann Digitalisierung die Brönnimanns nun im Haushalt unterstützen? Kann sie vielleicht eine pflegerische Tätigkeit ersetzen oder eben nicht? Die Ideen des Forschungsteams, wie zum Beispiel ein digitaler Kleiderschrank, regten zum Nachdenken, aber auch ein wenig zum Schmunzeln an.

Wo sind die Grenzen der Digitalisierung?

Am Mittag standen diverse Foren zur Verfügung. Zum Beispiel zum elektronischen Patientendossier, das schon bald jeden von uns vor die Entscheidung stellen wird: Möchte ich meine privaten Daten in digitaler Form an ausgewählte Personen weitergeben, damit der Informationsfluss gewährleistet wird?

Wo ist die Grenze in der Digitalisierung zu ziehen? Gibt es denn eine und stimmt diese für uns alle? Auch dies bot viel Gesprächsstoff am Case Management Kongress. Spannende Beispiele aus dem Leben von Herzchirurg Prof. Dr. Dr. Thierry Carel vom Inselspital Bern zeigten die ethischen Fragen infolge von Digitalisierung auf. «Es braucht Politik in der Forschung, und die hinkt hinten nach», lautete ein Statement. Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die aktuelle Forschung: Wohin geht diese in der Medizin und was bedeutet dies für Case Manager?

Am Schluss waren sich alle einig: Wir können nicht alles digitalisieren. An erster Stelle muss immer der Patient als Individuum mit seinen eigenen Wünschen und Gefühlen stehen. Dies geht eben auch in einer digitalen Welt oft nur durch direkten Augenkontakt.

Bild und Text: Larissa Kallen und Fabienne Kohler (Studierende der Kalaidos Fachhochschule)

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Netzwerk Case Management Schweiz


Neue Wohnformen im Alter

Am internationalen «Tag der älteren Menschen» (1. Oktober 2018) lud Pro Senectute Kanton Zug zu einer Filmvorstellung und einer animierten Podiumsdiskussion ein, u. a. mit Prof. Dr. Ulrich Otto (Leiter Careum Forschung). Ziel war es, über verschiedene Wohnformern im Alter zu diskutieren.

Foto: Michael Gaida/Pixabay

Alternative Wohnformen im Alter: Rund 100 Personen nahmen an der kostenlosen Veranstaltung  der Pro Senectute Kanton Zug teil. Gemeinsam schauten die Seniorinnen und Senioren den Spielfilm «Si on vivait tous ensemble?» (Deutscher Titel: «Und wenn wir alle zusammenziehen?»), der auf lockere Art und Weise das Thema des gemeinsamen Wohnens  – im Film in Form einer Alters-WG – behandelt.
Danach stellt Moderatorin Sushma Patricia Banz (Leiterin Bildung und Kultur, Pro Senectute Zug) die Podiumsgäste vor: Kurt Landis (Leiter Alternative Wohnformen im Alter Kanton Zug), Tina Arndt (dipl. Architektin ETH SIA und Frau baut AG) sowie Prof. Dr. Ulrich Otto (Leitung Forschung Careum Stiftung).

Arndt erklärt, dass sie mit vier Frauen aus verschiedenen Berufen eine AG gegründet habe, die in erster Linie alleinstehende Frauen berät: «Durch unsere unterschiedlichen Berufe sind wir flexibel und verfügen über ein breites Know-How. Alleinstehende Frauen bewegen sich im Pensionsalter wegen verschiedener Faktoren vermehrt am finanziellen Limit. Wir finden mit alterstauglichen Einbauten und einfachen Abtrenn-Möglichkeiten für ein gemeinsames und spannendes Wohnen Lösungen. Die Wohnungen sind dabei so erschwinglich und zentral wie möglich.» Sie finde, dass das Thema der Wohnformen im Alter auch vermehrt politisch thematisiert werden müsse.

Prof. Dr. Ulrich Otto stellt klar: «Gemeinschaftliches Wohnen ist wirtschaftliches Wohnen! Um das grosse Sparpotential in Zukunft zu nutzen, braucht es Gruppen, die mutig Ideen und Lösungen für robuste Wohnformen präsentieren.» Weiter redet er von systematischen Wohnnachbarschaften als bereits existierende Wohnform, wo man sich gegenseitig wohn- und pflegetechnisch unterstützt. Landis findet: «Herausfordernd sind die hohen Landpreise im Kanton, weshalb auch vermehrt kleinere altersgerechte Wohnungen attraktiv werden.»

Quelle: Rückblick, Gemeinsam stärker – Neue Wohnformen im Alter, Website Pro Senectute

Lesen Sie dazu auch den Artikel Veranstaltung zu kreativen Wohnformen im Alter von Nils Rogenmoser in der Zuger Zeitung vom 2. Oktober 2018.