Hat die Bibliothek mit der Digitalisierung ausgedient?

Die Digitalisierung hat einen grossen Einfluss auf unseren Alltag. Eine Partnerin oder einen Partner suchen, einkaufen oder Musik hören – das machen wir heute alles schon im Internet. Die Digitalisierung macht auch vor dem Wissenschaftsprozess nicht Halt. Es gibt immer mehr neue Tools. Was heisst dies für die Bibliothek? Hat sie im Zeitalter der Digitalisierung ausgedient? Nein, erklärten Dr. Wilfried Lochbühler, Direktor der Hauptbibliothek der Universität Zürich, und Dr. Annika Rieder, Leiterin der Hauptbibliothek – Medizin Careum, an der Veranstaltung «Careum Campus lebt» vom 15. Januar 2018.

Siegeszug der Bibliothek als «Learning Center»

Die Bologna-Reform, die Straffung und Strukturierung des Studiums oder der Stellenwert des Selbststudiums und des gruppenorientierten Arbeitens haben eine Renaissance der Bibliothek ausgelöst. Sie hat als «Learning Center» einen Siegeszug auf der ganzen Welt angetreten. Die Bibliothek erfüllt als wichtiges Element auf dem Campus die Funktion eines Servicezentrums. Sie bietet ruhige Arbeitsplätze, Gruppenbereiche für die Zusammenarbeit, Ruhezonen, Verpflegungsbereiche, technische Möglichkeiten etwa für Videoproduktionen, attraktive Öffnungszeiten auch über Wochenenden oder Feiertage, die Vermittlung digitaler und analoger Medien und Lernformen sowie einen Referenzbestand. So bezeichnete auch Hans Gut, Präsident der Careum Stiftung, die Hauptbibliothek – Medizin Careum als wichtigen Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Careum Campus.

Weniger Bücher vor Ort – mehr Informationskompetenz

Allerdings haben sich die Aufgaben der Bibliothek verschoben. Die klassischen Tätigkeiten wie die Katalogisierung verschwinden. Die Standorte werden künftig zudem optimiert. «Es wird weniger Bücher vor Ort geben», sagte Dr. Wilfried Lochbühler. Schon heute sind die Universität Zürich und vier weitere Institutionen im Trägerverein der kooperativen Speicherbibliothek im luzernischen Büron. Im vollautomatisierten Lager werden Bücher per Kurierdienst und Zeitschriftenartikel als elektronische Kopie per E-Mail versendet. Die Hauptbibliothek – Medizin Careum sei über einen «mittleren Zeitraum» aber nicht gefährdet, sagte Dr. Wilfried Lochbühler auf Anfrage. Da gebe es in anderen Disziplinen noch deutlich mehr Potenzial für Standortoptimierungen. Als wichtige Aufgabe der Bibliothek sieht Dr. Wilfried Lochbühler in Zukunft die Vermittlung von Informationskompetenz: «Es gibt immer mehr Quellen, da braucht es Anleitungen.» Weiter wird die Unterstützung bei Publikationen und das Forschungsdatenmanagement wichtiger werden.

Im Bereich der Medizin und Gesundheitsberufe gibt es einen klaren Trend zur digitalen Bibliothek. Grund dafür ist die Forschungs- und Medienstruktur: Die Forschung ist international vernetzt, die Aktualität spielt eine entscheidende Rolle und Artikel werden häufig in Journals und nicht in Büchern veröffentlicht. Die Welt der Bücher wird laut Dr. Annika Rieder aber trotzdem nicht ganz verschwinden. Zwar werden die Klinikbibliotheken abnehmen, aber Lehr- und Fachbücher in diesem Bereich sowie gedruckte Gesundheitszeitschriften sind nach wie vor stark gefragt.

Interaktive Schnitzeljagd in der Bibliothek

Wie nimmt die Hauptbibliothek – Medizin Careum diese Trends konkret auf? Sie vermittelt in freiwilligen und curricular eingebundenen Kursen Informationskompetenz. Sie offeriert Beratung zum Forschungsdatenmanagement und Unterstützung bei der systematischen Literaturrecherche. Sie bietet mit Actionbound eine interaktive Schnitzeljagd als Einführung in die Bibliotheksnutzung. Und ab Mitte 2018 verbindet sie mit Physical Web den physischen und virtuellen Raum. Miniatursender werden in der Bibliothek über Bluetooth standort- oder kontextbezogene Informationen an Smartphones senden.


Neuheit aus dem Careum Verlag

Der Careum Verlag bringt eine neue Publikation zum Thema Palliative Care auf den Markt. Sie ist ganz aus der Praxis und für die Praxis geschrieben worden. Sie versteht sich als Arbeitsinstrument und beschreibt knapp, aber differenziert, worauf es bei Palliative Care in der heutigen Wirklichkeit von Langzeitinstitutionen ankommt. Palliative Pflege und Betreuung hat zum Ziel, das Leiden von Menschen mit einer unheilbaren, lebensbedrohlichen und chronisch fortschreitenden Krankheit zu reduzieren und bis zuletzt eine möglichst hohe Lebensqualität aufrechtzuerhalten.

Einfacher Zugang zur Thematik

Die Publikation ist so gestaltet, dass auch Mitarbeitende, denen das Lesen von Fachliteratur eher schwer fällt, einen Zugang zur Thematik finden können. Sie eignet sich unmittelbar für die Selbstreflexion eines Teams, das im gemeinsamen Gespräch seine Palliationskultur überdenken und vertiefen will.

In einem einführenden Teil wird das Grundkonzept von Palliative Care anhand der WHO-Definition erklärt und die Entwicklung dieses Betreuungsansatzes unter besonderer Berücksichtigung der neusten Entwicklungen in der Schweiz erläutert. Besondere Beachtung wird der zunehmenden Verlagerung des Schwerpunktes von Palliative Care aus dem onkologischen in den geriatrischen Langzeitpflegebereich geschenkt.

Formulare und Checklisten

Im Hauptteil werden neun Schlüsselaspekte von Palliative Care dargestellt. Ein dritter Teil bringt Fallbeispiele aus der Praxis eines Pflegeheims, die anhand der dargestellten Schlüsselaspekte diskutiert werden können. Ein vierter Teil beschreibt, wie in der Schweiz Institutionen der Langzeitpflege mit dem Label «Qualität in Palliative Care» zertifiziert werden können. Ein abschliessender Anhang stellt Formulare und Checklisten zur Verfügung, die bei der Entwicklung einer Kultur von Palliative Care eingesetzt werden können.

Bestellen

Die Neuerscheinung «Palliative Care – eine Einführung für Mitarbeitende in Institutionen der Altenpflege» können Sie direkt hier im Online-Shop des Careum Verlags bestellen.


Personenzentrierte Gesundheitsversorgung – Trends und Strategien

Der Swiss Congress for Health Professions (SCHP) ist die Plattform für den Wissensaustausch unter den Fachhochschulen Gesundheit und ihren Praxisbetrieben: Ergotherapie, Ernährung und Diätetik, Hebammen, Pflege, Physiotherapie, Medizinisch-technische Radiologie (Romandie), Optometrie und Osteopathie. Er wird im 2018 durch die Kalaidos Fachhochschule Gesundheit – eine Tochtergesellschaft der Careum Stiftung – ausgerichtet.

Auf «kompetente Patientinnen und Patienten» vorbereiten

Der SCHP 2018 steht ganz im Zeichen der «personenzentrierten Gesundheitsversorgung»: Um die aktive Rolle der Patientinnen und Patienten, der Betroffenen und ihrer Angehörigen wahrnehmen zu können, müssen sich Mitarbeitende in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung auf die «kompetenten Patientinnen und Patienten» vorbereiten. Betriebe sind gefordert Bedingungen zu schaffen, damit Organisation, Administration und Ausstattung noch viel patientenzentrierter werden. Betreuung, Schulung und Beratung stehen vor der Herausforderung den unterschiedlichen Bedürfnissen von «kompetenten» sowie möglicherweise «kognitiv beeinträchtigten» Betroffenen gerecht zu werden.

Der SCHP 2018 bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit «Trends und Strategien» in der Schweiz zur Ausgestaltung und Umsetzung einer personenzentrierten Gesundheitsversorgung in einem breiten interprofessionellen und sektorübergreifenden Umfeld zu diskutieren.

Swiss Congress for Health Professions 2018
Wann: 3. und 4. September 2018
Wo: Careum Auditorium, Pestalozzistrasse 11, Zürich

Abstract

Beiträge zu einem Forschungspraxisprojekt können bis am 4. März 2018 eingereicht werden.

Anmeldung und Programm

Detaillierte Informationen zum Swiss Congress for Health Professions 2018
Flyer Save the date


Interprofessionelle Ausbildungsstation: Ein Praxisbesuch in Schweden

Das Exkursionsteam beim Besuch in Stockholm. Bild: Dr. Beat Sottas

Auszubildende aus Medizin- und unterschiedlichen Gesundheitsberufen versorgen auf einer Lernstation gemeinsam Patientinnen und Patienten. Dies soll am UniversitätsSpital Zürich bald Realität werden. Dafür spannen die sechs Institutionen Careum Stiftung, Medizinische Fakultät der Universität Zürich, UniversitätsSpital Zürich, Careum AG Bildungszentrum für Gesundheitsberufe, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Departement Gesundheit) sowie das kantonale Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen zusammen.

Profitieren von 20-jähriger Erfahrung mit interprofessioneller Ausbildung

In Schweden ist die interprofessionelle Ausbildung bereits eine Institution. Dort können zukünftige Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen sowie Physio- und Ergotherapeuten seit 20 Jahren die berufsübergreifende Zusammenarbeit bereits in der Ausbildung proben. Betreut werden sie dabei von Supervisoren vom Fach, die als Lernbegleiter, Experten und Beurteilende fungieren. Ein Exkursionsteam – bestehend aus Mitgliedern des Projektteams «Interprofessionelle klinische Ausbildungsstation Zürich» und weiteren beteiligten Personen – hat sich daher Ende November 2017 nach Stockholm aufgemacht, um das Konzept live in der Praxis mitzuerleben und sich mit den Expertinnen und Experten vor Ort auszutauschen. Das Team um Projektleiter Dr. Gert Ulrich und Exkursionskoordinator Dr. Beat Sottas konnte mehrere Ausbildungsstationen in Stockholm besuchen und wichtige Erkenntnisse im Gepäck mit nach Hause nehmen.
Besonders eindrücklich erschien den Teilnehmenden etwa die flache Hierarchie auf den Ausbildungsstationen. Ein wichtiger Hinweis war, dass es einen motivierten und für das Thema Interprofessionalität offenen ärztlichen Unterstützer auf der anvisierten Pilotstation als Supervisor braucht. Als essentiell wird auch für Zürich ein eigenes Besprechungszimmer auf der Ausbildungsstation erachtet. Im Tagesablauf sollten zudem unbedingt Freiräume für Feedback, Reflektieren und Recherchieren eingebaut werden. Die Partner in Stockholm meldeten bereits ihr Interesse an einem nachhaltigen Austausch an.

Weitere wichtige Inputs für eine mögliche Ausbildungsstation in Zürich

Weitere wichtige Inputs für das Projekt «Interprofessionelle klinische Ausbildungsstation Zürich» konnten die Verantwortlichen bereits aus einer Gesprächsrunde mit Sari Ponzer, Professorin der medizinischen Universität «Karolinska Institutet» in Stockholm, bei ihrem Besuch in der Schweiz ziehen. Zudem haben Pflegefachfrau Birgit Trierweiler-Hauke und Dr. med. Pascal Probst die Heidelberger Interprofessionelle Ausbildungsstation (HIPSTA) auf dem Careum Campus vorgestellt.


Mehr erfahren

Projektbeschrieb «Interprofessionelle klinische Ausbildungsstation Zürich»
Interprofessionalität als wichtiges Thema bei Careum
Gesprächsrunde mit Professorin Sari Ponzer bei Careum
Vorstellung der Heidelberger Interprofessionelle Ausbildungsstation bei Careum
Fernsehbericht über die Heidelberger Interprofessionelle Ausbildungsstation im SWR


Kontaktperson für weitere Informationen

Gert Ulrich, Dr. phil., M.A.
Projektleiter «Interprofessionelle klinische Ausbildungsstation Zürich»
Kooperationsprojekt von Careum, Universität Zürich, UniversitätsSpital Zürich, Careum Bildungszentrum, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen

Careum Stiftung
Pestalozzistrasse 3
CH-8032 Zürich
+41 43 222 64 26
gert.ulrich@careum.ch


Edubase: Erster Workshop für Interessierte

Edubase wird fortlaufend weiterentwickelt und von immer mehr Anwendenden genutzt. Um die Benutzerinnen und Benutzer im Schulalltag besser unterstützen zu können sowie Anliegen und Probleme besser verstehen zu können, lädt Edubase am 23. Januar 2018 im Careum Auditorium zum ersten Anwenderworkshop ein. Edubase will damit auch den Austausch zwischen den Benutzerinnen und Benutzern fördern.

Der Fokus der Veranstaltung liegt auf kurzen Best Practice-Beispielen. Anwendende zeigen, welche Kriterien für den Entscheid einer E-Book-Lösung relevant sind oder wie es ihnen gelingt, mit Edubase Lernprozesse zu unterstützen und den Unterricht aktiv zu gestalten.

Der Edubase-Anwenderworkshop versteht sich nicht als Expertentreffen. Alle, die sich für E-Learning oder Blended Learning interessieren, speziell im Zusammenhang mit Edubase, sind herzlich willkommen.

Programm

  • 17.15–17.45 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer, Kaffee
  • 17.45–18.00 Uhr: Ideen für den praxisbezogenen Einsatz von E-Books (Christoph Wildhaber, Lehrperson GIBZ Zug und Fachberater Hotel & Gastro formation Schweiz)
  • 18.00–18.15 Uhr: E-Books im Unterricht – verschiedene Strategien und Beispiele aus der Praxis (Diana Widmer, Marketingleiterin, Compendio Bildungsmedien AG)
  • 18.15–18.30 Uhr: Einsatzmöglichkeiten digitaler Lernkarten im Unterricht (Monika Gerlach, Pharmazeutin, Lehrperson)
  • 18.30 – 18.45 Uhr:  Best Practice suissetec. Mehrwerte für Lernende mit Edubase (Mujdesir Asimi, Projektleiter Lehrmittel suissetec)
  • Ab ca. 18.45 Uhr: Apéro, mit der Möglichkeit andere Teilnehmende kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.

An Lernstationen können die Themen des Abends noch einmal vertieft werden.

Workshopdaten

Wann: Dienstag, 23. Januar 2018, ab 17.15 Uhr
Wo: Careum Auditorium, Pestalozzistrasse 11, 8032 Zürich

Anmeldung

Anmeldungen sind unter info@edubase.ch möglich.