Double-Duty Caregiving

Die Doppelrolle im Fokus: Wenn Gesundheitsfachpersonen im Privatleben auch noch Angehörige betreuen.

Ausgangslage

Gesundheitsfachpersonen engagieren sich häufiger als andere Berufsgruppen für ihre kranken, behinderten oder betagten Angehörigen. Dies zeigen Betriebsumfragen von Careum Forschung und die internationale Forschungsliteratur. Ein Grund dafür ist, dass Gesundheitsfachpersonen für ihre Angehörigen spezifisches Fachwissen bereithalten. Dies kann hilfreich, aber auch beunruhigend sein, zum Beispiel bei Hintergrundwissen zur Krankheitsprognose. Die Doppelrolle wird international als «Double-Duty Caregiving» bezeichnet. Dies bedeutet, dass sich Gesundheitsfachpersonen beruflich und privat für pflegebedürftige Personen engagieren.

Über die Verschränkungen dieses beruflichen und privaten Engagements ist bislang wenig bekannt. So ist unklar, wie viele Gesundheitsfachleute in der Schweiz in der skizzierten Doppelrolle sind. Auch die Konsequenzen für das Privat- und Berufsleben sind bisher kaum erforscht. Gelingt die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege nicht, droht möglicherweise der vorzeitige Berufsausstieg. Vor dem Hintergrund des prognostizierten Fachkräftemangels im Gesundheitswesen sind die Betriebe deshalb gefordert, sich dem Thema Vereinbarkeit zu stellen.

Projekt

Das Projekt zielt auf folgende Effekte im Gesundheitswesen ab:

  • durch höhere Motivation und Leistungsbereitschaft steigern die Mitarbeitenden die Versorgungsqualität
  • durch verringerte Personalfluktuation werden steigende Arbeitskosten vermieden und der drohende Fachkräftemangel entschärft
  • durch das bessere Image des Betriebs steigert sich die Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt
     

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden in einem ersten Schritt Interviews mit betroffenen Gesundheitsfachpersonen geführt, um die Doppelrolle besser zu verstehen. Im zweiten Schritt wird das Ausmass mit der «Double-Duty Caregiving Scale» untersucht, die kanadische Forschende der University of Western Ontario zur Verfügung stellen. Basierend auf den Ergebnissen wird zusammen mit Betrieben ein Transferkonzept erarbeitet, das gute Anwendungen in der Praxis ermöglicht.

Praxispartner

Laufzeit

Juli 2015–Dezember 2017

Drittmittel

Publikationen

Bischofberger, I., & Jähnke, A. (2014). Double-Duty Caregiving. Präsentation an der Tagung der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich, 07.07.2014. PDF

Bischofberger, I., Jähnke, A., & Radvanszky, A. (2012). Neue Herausforderung: berufstätig sein und Angehörige pflegen: Double-Duty Caregiving. Competence, 76 (10), 28–29. PDF

Jähnke, A. (2017). Ein Balanceakt? Als Gesundheitsfachperson eigene Angehörige pflegen. Onkologiepflege, (2), 13–14.

Jähnke, A. (2017). Als Gesundheitsfachperson eigene Angehörige pflegen – ein Balanceakt? 19. Schweizer Onkologiepflegekongress. Onkologiepflege Schweiz. Bern, 23.03.2017.

Jähnke, A. (2017). Gesundheitsfachpersonen als pflegende Angehörige – Forschung mit und für die Praxis. 8. internationaler wissenschaftlicher Kongress für angewandte Pflege- und Gesundheitsforschung, Universität. Forschungswelten 2017. Trier, 02.03.2017.

Jähnke, A. (2016). Wenn Gesundheitsfachpersonen auch pflegende Angehörige sind – und dies auf Distanz. Impulsreferat. Abendveranstaltung zum internationalen Tag der Familie. Careum Weiterbildung. Aarau, 18.05.2016.

Jähnke, A., & Bischofberger, I. (2015). Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege: Zwei Seiten einer Medaille? Seitenblick – Bulletin von SBK+pflegezürich, (1), 9. PDF

Liebert-Keller, Y., Jähnke, A., Käppeli, A. & Bischofberger, I. (2017). Gesundheitsfachpersonen als Angehörige – eine wichtige Stütze im Alter. 57. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie. Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie. Wien, 21.04.2017. [Nach Call for Abstracts]

Liebert-Keller, Y., Jähnke, A., Käppeli, A. & Bischofberger, I. (2017). Health professionals as family caregivers. Invaluable navigators in the health care system. SAMW-Symposium. Bern, 01.03.2017. [Nach Call for Abstracts] Poster

Ward-Griffin, C. (2008). Health Professionals Caring for Aging Relatives: Negotiating the Public-Private Boundary. In A. Martin-Matthews & J. E. Phillips (Eds.), Aging and Caring at the Intersection of Work and Home Life. Blurring the Boundaries (pp. 1–20). New York: Psychology Press.