Double-Duty Caregiving Plus (DoDuCa+)

Gesundheitsfachpersonen als pflegende Angehörige: Eine Ressource für die Patientensicherheit?

Ausgangslage

Ausgangspunkt für die Studie «DoDuCa+» sind die Ergebnisse des Forschungsprojektes «Double-Duty Caregiving (DoDuCa) – Gesundheitsfachpersonen im Spannungsfeld von Erwerbstätigkeit und privatem Engagement für erkrankte, behinderte oder ältere Angehörige» (07/2015–12/2017). Diese zeigten eindrücklich, wie die Befragten ihre Doppelrolle als pflegende Angehörige und Gesundheitsfachperson erleben und welche Erfahrungen sie dabei machen.
Die befragten Pflegefachpersonen schilderten sicherheitsrelevante Beobachtungen und Situationen und verfolgten in ihrer Rolle als Angehörige die Versorgung ihrer Nächsten besonders wachsam. Sie sorgten für die Sicherheit ihrer Nächsten, fragten nach und mischten sich ein. In besonders dringlichen Situationen griffen sie auch selbst ein, zum Beispiel im Fall einer Unverträglichkeitsreaktion während einer Bluttransfusion. So erwies sich Patientensicherheit als konfliktträchtiger Brennpunkt in der Interaktion der Befragten mit dem involvierten Personal.

Entsprechend gerieten die Befragten in ihrer Doppelrolle als pflegende Angehörige und Gesundheitsfachperson in ein Dilemma, ob sie sich gegenüber dem involvierten Personal als Pflegefachperson zu erkennen geben sollten. Denn, obwohl Angehörige als wesentliche Akteure der Gesundheitsversorgung gelten, zeigen die erhobenen Daten auch, dass die Befragten mit ihrem Einmischen oftmals nicht das gewünschte Ziel erreichten, beispielsweise, wenn sie bei Unklarheiten nachfragten oder Bedenken äusserten.

Projekt

Die Studie «DoDuCa+» wird mit dem Ziel durchgeführt, den betrieblichen Umgang mit fachkundigen Angehörigen bei sicherheitsrelevanten Ereignissen zu ermitteln und daraus Empfehlungen für die Praxis abzuleiten. Untersucht wird dabei einerseits die Sichtweise von Fachpersonen des Qualitätsmanagements und der Patientensicherheit sowie andererseits auch diejenige von Pflegefachpersonen in unterschiedlichen Settings der Gesundheitsversorgung. Um die Rolle von Angehörigen mit und ohne einschlägigen Gesundheitsberuf bei sicherheitsrelevanten Ereignissen ergründen zu können, wird besonderes Augenmerk auf zwei Gefahrenherde gelegt: Medikation und Händehygiene.

Folgende Forschungsfragen werden verfolgt:

  • Welche Rolle übernehmen Angehörige bei sicherheitsrelevanten Ereignissen in der Gesundheitsversorgung ihrer Nächsten aus Sicht von Gesundheitsbetrieben?
  • Welche Bedeutung wird dabei dem Fachwissen von Angehörigen zugeschrieben? Wie relevant ist das Wissen, das im beruflichen Kontext erworben wurde?
  • Wie wirken Angehörige – mit und ohne einschlägigen Gesundheitsberuf – bei der Prävention bzw. der Behebung von unerwünschten Zwischenfällen in der Praxis mit?
  • Wie werden sicherheitsrelevante Interventionen der Angehörigen eingeschätzt bzw. als angemessen oder nicht angemessen beurteilt?


Methodisch werden Experteninterviews mit Fachpersonen aus Patientensicherheit und Qualitätsmanagement geführt, die in unterschiedlichen Versorgungssettings tätig sind. Anschliessend ist eine Vignettenstudie mit Pflegefachpersonen in unterschiedlichen Settings der Gesundheitsversorgung geplant.
Die Studie «DoDuCa+» wird durch ein Sounding Board begleitet, unter anderem mit einer Gesundheitsfachperson und Angehörigen sowie der Vertreterin einer Patientenstelle, um Partizipation in der Forschung zu ermöglichen und die Betroffenenperspektive zu berücksichtigen.

Projektteam

Careum Forschung: Iren Bischofberger, Anke Jähnke, Amelie Zentgraf, Alwin Abegg

Laufzeit

Juni 2018–November 2019

Finanzierung

Stiftung Pflegewissenschaft Schweiz

Publikationen

Jähnke, A. & Bischofberger, I. (2018). Double-Duty Caregiving: Herausforderungen und Chancen. Competence 18(5), 22-23. PDF
Liebert-Keller, Y., Jähnke, A. & Bischofberger, I. (2018). Wenn Gesundheitsfachpersonen ihre alten Angehörigen pflegen und betreuen – ein Gewinn für alle. Curaviva, 18(1), 44–46.
Jähnke, A., Liebert-Keller, Y., Käppeli, A., van Holten, K., & Bischofberger, I. (2017). «Wachsam? Aber sicher!» Gesundheitsfachpersonen als fachkundige Angehörige und ihre Rolle in der Patientensicherheit. Pflege, 30(6), 375–386. doi:10.1024/1012-5302/a000588
Jähnke, A. (2017). Ein Balanceakt? Als Gesundheitsfachperson eigene Angehörige pflegen. Onkologiepflege, (2), 13–14. PDF
Jähnke, A., & Bischofberger, I. (2015). Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege: Zwei Seiten einer Medaille? Seitenblick Bulletin von SBK+pflegezürich, (1), 9. PDF

Video zum Thema Double-Duty Caregiving, eine Zusammenarbeit von Familienservice und Careum