work & care integra

Ein innovatives Erwerbsmodell: Pflegende Angehörige werden von der Spitex angestellt und entlöhnt.

Ausgangslage

Die durch Angehörige geleistete Pflege und Betreuung ist für die Gesundheitsversorgung in der Schweiz von enormer Bedeutung. Vor allem in Privathaushalten könnte eine qualitativ zufriedenstellende Alters- und Langzeitversorgung aus finanziellen, personellen und strukturellen Gründen ohne das Engagement der pflegenden Angehörigen nicht aufrechterhalten werden. Das Leistungspotenzial der Angehörigen steht jedoch im Spannungsfeld der gesellschaftlich-familialen Veränderungen und der gleichzeitigen Personalknappheit bei Pflege- und Betreuungsberufen. Deshalb sind nicht nur Massnahmen zur Erhaltung des bestehenden Personals wichtig. Es sind darüber hinaus innovative Ansätze gefragt, um die Personalsituation vor allem in den häuslichen Pflegediensten zu entschärfen und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu sichern.

Projekt

Das Forschungsprojekt «work & care integra» basiert auf Erkenntnissen des Forschungs- und Entwicklungsprogramms «work & care». Sein Hauptziel ist die Entwicklung, Erprobung und Etablierung von zwei sich ergänzenden Ansätzen:

  • Einerseits wird untersucht, unter welchen Bedingungen die Anstellung von pflegenden Angehörigen bei der Spitex gelingen kann. In einigen Kantonen und lokalen Spitex-Organisationen sind solche Engagements bereits seit mehreren Jahren Praxis. Diese Anstellungsverhältnisse werden auf ihre derzeitige Machbarkeit hin erforscht und bezüglich Verbesserungspotenzial überprüft. Dabei werden neben rechtlichen und organisatorischen auch ethisch relevante Fragen im Zusammenhang mit der Angehörigenpflege evaluiert.
  • Andererseits wird geprüft, wie pflegende Angehörige im Rahmen der Anstellung ihr Bildungsprofil dank Aus- und Weiterbildung stärken und dadurch ihre Kompetenzen in der Begleitung pflegebedürftiger Menschen erweitern können. Diesbezüglich ist die Aus- und Weiterbildung von pflegenden Angehörigen hin zur beruflichen Grundbildung im Gesundheitswesen oder für individuell massgeschneiderte Bildungsziele ein gänzlich neuer Ansatz.

Das Forschungsprojekt «work & care integra» greift mehrere Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen und in der Gesellschaft gleichzeitig auf. In einem Vorprojekt werden die Teilprojekte konkretisiert und dazu geeignete Praxispartner gesucht.

Ein erstes Teilprojekt ist die Untersuchung «Anstellung und Qualifikation von pflegenden Angehörigen: Ein innovatives Erwerbsmodell in der Spitex». In einem ersten Schritt werden die Projektunterlagen der Spitex RegionKöniz gesichtet, die pflegende Angehörige bereits seit einigen Jahren anstellt. Basierend darauf werden in einem zweiten Schritt Experteninterviews mit Spitex-Verantwortlichen geführt, die eine Anstellung von Angehörigen realisieren. Kontrastierend dazu werden auch ein bis zwei Interviews mit Verantwortlichen geführt, die bewusst keine Angehörigen anstellen. Im letzten Schritt werden die Interviewergebnisse inhaltsanalytisch ausgewertet und zusammenfassend in einer Publikation gebündelt. Das Projekt wird mit einem Innovationscheck der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) gefördert.

Projektteam

Prof. Dr. Iren Bischofberger, Careum Forschung
Christine Rex, MScN, Studiengangsleiterin MAS in Care Management, Kalaidos Fachhochschule Gesundheit und Pflegeexpertin APN RegioSpitxe Limmattal

Laufzeit Vorprojekt

Bis Dezember 2013

Fördermittel

Innovationscheck Kommission für Technologie und Innovation (KTI)

Publikationen

Leu, A., & Bischofberger, I. (2013). Pflegende Angehörige als Angestellte in der Spitex: Eine Annäherung aus rechtlicher, qualifikatorischer und konzeptioneller Perspektive. Pflegerecht, 1 (4), 210-218. PDF

Leu, A. (2014). Angehörige als Angestellte der Spitex. Spitex Magazin, 1 (4), 22–23. PDF

Rex, C., & Bischofberger, I. (2014). Erfahrung und Know-how nutzen: Anstellung pflegender Angehöriger bei der Spitex. Krankenpflege – Soins infirmiers, 107 (2), 14-17. PDF

Fuhrer, S. (2013). Betriebshaftpflicht für pflegende Angehörige. Pflegerecht, 2 (2), 125. PDF

Medienberichte

Donzé, R. (28. Juli 2013). Bezahlt, um die Mutter zu pflegen. NZZ am Sonntag, 10. PDF

Ellner, S. (02. Juli 2012). Wenn die Spitex-Angestellte die eigene Tochter ist. Neue Zürcher Zeitung, 11. PDF

Benz, D., Homann, B., & Vetterli M. (2012). Verwandtenpflege – Hilfe für Helfer. Beobachter, 23. Volltext

Bossart, P., Hinnen, S., & Valsecchi, F. (21. September 2012). Dossier Pflege von Angehörigen. Neue Luzerner Zeitung, 45-49. PDF

 

Fernsehen SRF1, 10vor10: Entschädigung für Betreuung von Angehörigen, 19.11.2013