Wohin gehen die Besten?

Weltweiter Wettbewerb um Fachpersonal im Gesundheitswesen. Welche Rolle spielt die Migration für die künftige Karriere?

In OECD-Ländern ist das Gesundheitswesen eine der wichtigsten Branchen im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften des Gesundheitswesens übersteigt in aller Regel das Angebot aus dem eigenen Land. In der Schweiz besitzt beispielsweise ein Drittel der Beschäftigten im Gesundheitswesen einen ausländischen Pass. Es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil künftig aus zweierlei Gründen noch ansteigen wird. Einerseits lässt sich dies auf die ständig steigende Nachfrage, auf vergleichsweise hohe Verdienstmöglichkeiten, gute Weiterbildungschancen und attraktive Arbeitsbedingungen zurückführen. Anderseits wird künftig auch die nicht ausreichende Anzahl geschulter junger Kräfte eine gewichtige Rolle spielen, die diejenigen Mitarbeitenden ersetzen sollen, die bald das Ruhestandsalter erreichen (siehe Careum Working Paper 1).

Weder die Migration noch der Mangel an Arbeitskräften im Gesundheitswesen ist ein neues Phänomen. Nach Angaben der WHO herrscht weltweit Mangel; laut Aussage der OECD «zeichnet sich im Hinblick auf das Personal im Gesundheitswesen eine Krise ab». Die Zahl der weltweit offenen Stellen im Gesundheitswesen beläuft sich auf 4,25 Millionen. Dieser Mangel an sich ist schon Grund zur Besorgnis genug, da er die Qualität der Gesundheitsversorgung gefährdet. Das eigentliche Problem wird jedoch in der Migration qualifizierter Fachkräfte des Gesundheitswesens gesehen. Sie ist durch einen Dominoeffekt gekennzeichnet, bei dem die wohlhabenderen Länder Arbeitskräfte aus dem Osten bzw. dem Süden anziehen. Diese Situation weckt ethische Fragen, denn unter diesem «Care Drain», also der Abwanderung von Gesundheitspersonal, leiden die Länder, deren Gesundheitssysteme ohnehin bereits benachteiligt sind. Ausserdem werden durch diese Abwanderung in erheblichem Umfang Investitionen transferiert, die eigentlich dazu gedacht waren, Abhilfe zu schaffen. Dies sorgt für zusätzliche Probleme und eine noch grössere Anfälligkeit dieser Länder. Andererseits zeichnet sich der Arbeitsmarkt durch seine Globalität aus; er bietet Möglichkeiten für talentierte, qualifizierte Arbeitskräfte. Es wurden verschiedene Initiativen lanciert, um der Diskrepanz dieser beiden widerstreitenden Situationen entgegenzuwirken und um das Problem der Migration von Arbeitskräften im Gesundheitswesen in Angriff zu nehmen. Das Ziel dabei ist es, Strategien zu entwickeln, welche die negativen Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme abfedern.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheitswesen wurde mit der Ausarbeitung des vorliegenden Careum Working Paper betraut. Das Ziel war es, Diskussionen im Workshop über den weltweiten Wettbewerb um Fachpersonal im Gesundheitswesen im Rahmen des Careum Congress 2009 anzuregen. Dieses Dokument beleuchtet die Bedeutung der Migration von Arbeitskräften im Gesundheitswesen für die Schweiz und erörtert die getroffenen Massnahmen, mit denen die Selbstversorgung gesteigert werden soll. Darüber hinaus beurteilt es das Land im Hinblick auf den WHO-Verhaltenskodex für die internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal. Offenbar ist und bleibt die Mobilität der Beschäftigten im Gesundheitswesen weiterhin ein wichtiges Element für das Schweizer Gesundheitssystem. Diese darf jedoch nicht als endgültige Lösung hingenommen werden.

Die Careum Stiftung, die sich seit mehr als 130 Jahren aktiv mit Fragen der Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen beschäftigt, möchte den Weg für neue Denkweisen bereiten. Diese sind erforderlich, um die Binnenversorgung mit Fachkräften mithilfe von Strategien zu verbessern, deren Schwerpunkte Ausbildung, Praxis und eine Gesundheitspolitik sind, welche die Anwerbung, Ausbildung und Bindung von wesentlich mehr Fachkräften im Gesundheitswesen ermöglicht, als dies heute der Fall ist.

Working Paper 3

Silberschmidt, G., & Merçay, C. (2009). Where do the best go? Zürich: Careum. PDF

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