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Young Carers in der Schweiz

Der Anteil von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Pflege- und Betreuungsaufgaben liegt in anderen Ländern bei zwei bis vier Prozent. Für die Schweiz sind ähnliche Zahlen anzunehmen.

Es ist noch kaum bekannt, dass auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene pflegebedürftige Angehörige betreuen. Sie übernehmen oft auf regelmässiger Basis massgebliche Pflegeaufgaben. Sie tragen damit eine Verantwortung, die normalerweise mit Erwachsenen in Verbindung gebracht wird. Die pflegebedürftige Person ist meist ein Elternteil. Es kann sich aber auch um ein Geschwister, ein Grosselternteil oder andere Angehörige mit einer körperlichen, psychischen oder kognitiven Gesundheitsbeeinträchtigung handeln.

Internationale Studien zeigen, dass es sich bei den Young Carers (unter 18 Jahren) und den Young Adult Carers (18 bis 25 Jahren) um ein globales Phänomen handelt. In Ländern, für die bereits Studien vorliegen, beträgt der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Pflegeaufgaben zwischen zwei und vier Prozent. Ähnliche Zahlen sind auch für die Schweiz anzunehmen.


In der Schweiz besteht zur Situation pflegender Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener unter 25 Jahren eine Forschungslücke. Weder sind deren Anzahl noch Art und Umfang ihrer Aufgaben sowie deren Auswirkungen auf sie bekannt. Auch die Bedürfnisse und die Wünsche der Betroffenen selbst sowie ihrer Familien sind nicht erforscht. Das Forschungsprogramm «Young Carers» beabsichtigt, die Daten- und Forschungslücke für die Schweiz zu schliessen. Es ist im Jahr 2014 gestartet und auf fünf bis zehn Jahre angelegt.

Studien belegen Spätfolgen, wenn Kinder und Jugendliche Pflegeaufgaben übernehmen. So können zum Beispiel schulische Beeinträchtigungen zu schlechteren Bildungschancen führen. In Grossbritannien, dem Ursprungsland der Young Carers-Forschung, ist aufgrund zahlreicher Projekte das Bewusstsein für die schwierige Situation pflegender Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener inzwischen gewachsen. Dadurch sind schulische Beeinträchtigungen rückläufig. Diese positive Entwicklung lässt die Annahme zu, dass Verbesserungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Pflegeaufgaben auch in der Schweiz möglich sind.

Bundesratsbericht

An seiner Sitzung vom 5. Dezember 2014 hat der Bundesrat als Teil seiner gesundheitspolitischen Prioritäten «Gesundheit2020» den «Bericht zur Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen» verabschiedet. Der Bundesrat hält klar fest, dass die Pflege und Betreuung kranker Familienmitglieder durch Angehörige wegen der demografischen Entwicklung künftig noch wichtiger wird. Insbesondere, da dem Schweizer Gesundheitssystem das nötige Personal und Geld fehlt, um den Mehrbedarf mit professioneller Pflege abdecken zu können. Der Bundesrat hat deshalb verschiedene Massnahmen lanciert, um Angehörige zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Erwerbsfähigkeit zu fördern.

Erfahren Sie mehr zum Bericht des Bundesrates

Postulat zu pflegenden Kindern

Am 2. September 2015 nahm der Bundesrat Stellung zu einem Postulat von CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. Sie regte einen Bericht zur Situation minderjähriger Kinder und Jugendlicher an, die erkrankte Eltern pflegen. Dieses Thema werde zwar im Bericht vom 5. Dezember 2014 erwähnt, aber es werde nicht näher darauf eingegangen. Der Bundesrat lehnte das Postulat mit der Begründung ab, er werde im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplanes zur Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen den spezifischen Bedürfnissen der betreuenden und pflegenden Kinder und Jugendlichen besondere Aufmerksamkeit schenken.

Erfahren Sie mehr zum Postulat in der Geschäftsdatenbank des Nationalrats


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