Young Carers im europäischen Vergleich

Ein internationales Forschungsprojekt untersucht die Situation von pflegenden und betreuenden Jugendlichen in sechs verschiedenen europäischen Ländern. Ziel ist es, zielgerichtete Massnahmen zu evaluieren und zu entwickeln, um ihre Situation zu verbessern.

Ausgangslage

Jugendliche, die  Familienmitglieder pflegen oder betreuen, werden international als Adolescent young carers (AYCs) bezeichnet. Ihre Rolle und Aufgaben können sowohl unmittelbare, als auch langfristige Auswirkungen auf ihre mentale Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung haben. Auch das Erwachsenwerden, die soziale Einbindung, die Bildung und Arbeitsmarktfähigkeit der Betroffenen können  beeinflusst werden. Dieses Phänomen ist europaweit relevant, spezifische Daten und Hilfestellungen sind jedoch nur begrenzt zugänglich. Auch das Bewusstsein für ihre Situation scheint gering zu sein (Leu/Becker 2016). Es fehlt ein öffentliches Verständnis für die Möglichkeiten und Hindernisse, die durch die aktuelle Politik und Gesetzeslage gegeben sind. Darüber hinaus wird die Expertise, die von bestehenden Initiativen geschaffen wird, nur in einem geringen Ausmass an andere europäische Länder und Fachkräfte weitergegen.

Projekt

Das Horizon 2020-Projekt «Psychosocial Support for Promoting Mental Health and Well-being among Adolescent Young Carers in Europe (ME-WE)» hat zum Ziel, die Situation solcher junger Menschen in sechs europäischen Ländern (Grossbritannien, Italien, Niederlande, Slowenien, Schweden, Schweiz – mit einem  unterschiedlichen Entwicklungsstand bezüglich der Situation von AYCs)  zu untersuchen und zu verbessern.
Forschungsteams und Praxisorganisationen arbeiten mit einer interdisziplinären Herangehensweise in diesem Projekt zusammen mit und für AYCs (15–17 Jahre alt), um sie zu unterstützen und zu stärken.

Das Projekt verfolgt drei zentrale Zielsetzungen:

  1. Die Systematisierung des Wissenstandes zu AYCs: Dabei sollen ihre Profile, Bedürfnisse und Wünsche identifiziert, die nationalen Rahmenbedingungen bezogen auf Politik, Gesetzeslage und Dienstleistungen analysiert und bestehende Herangehensweisen überprüft werden
  2. Entwicklung und Testung  von psychosozialen Massnahmen für die Verbesserung der mentalen Gesundheit und des Wohlbefindens junger Betroffenen
  3. Evaluierung und Umsetzung der Erkenntnisse auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene

Unter der Leitung von Prof. Dr. Agnes Leu ist Careum Forschung hauptverantwortlich für Teilprojekt 2 «Development and implementation of policies, legislation and services». Ziel dieses Teilprojekts ist die Erforschung der bestehenden rechtlichen Bestimmungen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Prüfung der Umsetzung in der Praxis.


Projektteam

Prof. Dr. iur. Agnes Leu, Careum Forschung (Lead)

Externe Forschungspartner

Elizabeth Hanson, Linnaeus University (SE): Department of Health and Caring Sciences
Stecy Yghemonos, Eurocarers (BE)
Saul Becker, University of Sussex
Anna Morris, Carers Trust (UK)
Alice de Boer, Ministry of Health, Welfare and Sport - Netherlands Institute for Social Research (NE)
Frans van Zoest, Foundation Vilans (NE)
Sara Santini, National Institute of Health and Science on Ageing (IT)
Licia Boccaletti, Not Only Older People Social Cooperative (IT)
Valentina Hlebec, University of Ljubljana (SI): Faculty of Social Sciences             

Fördermittel

Horizon 2020

Laufzeit

2018–2021 (39 Monate)

Literatur

Leu, A., & Becker, S. (2016). A cross-national and comparative classification of in-country awareness and policy responses to 'young carers'. Journal of Youth Studies, 1–13. PDF