Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene als pflegende Angehörige in der Schweiz

Die Bedürfnisse von pflegenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und ihren kranken und beeinträchtigten Familienmitgliedern in der Schweiz wurden bisher noch nicht systematisch untersucht. Dies ist die erste nationale Studie innerhalb eines international ausgerichteten Forschungsfeldes. Sie entwickelt evidenzbasierte Empfehlungen für die Politik und die Praxis.

Von links: Urs Moser (Universität Zürich), Hannah Wepf, Agnes Leu, Adrian Würgler (bz-gs Olten), Corinna Jung, Marianne Frech

Zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich um ein krankes Familienmitglied kümmern, ist in der Schweiz noch kaum etwas bekannt. Weder ist die Anzahl der pflegenden Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bekannt noch die Art und der Umfang ihrer Aufgaben, die Auswirkungen der Pflegeleistung auf Gesundheit, Wohlbefinden, psycho-soziale Entwicklung, Bildung, Übertritt ins Erwachsenenalter, zukünftige Anstellungsverhältnisse oder ökonomische Teilnahme.

Methode

Das Projekt ist in drei Teilprojekte aufgeteilt:

  1. Es wird eine nationale schweizweite Online-Befragung zur Untersuchung der Sensibilisierung von Fachpersonen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich durchgeführt.
  2. Mittels standardisierten Instrumenten wird eine Befragung an 4800 Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um die Anzahl und Aufgaben pflegender Kinder und Jugendlicher quantitativ zu erheben.
  3. Mit semi-strukturierten qualitativen Interviews werden ausserdem Kinder bzw. Jugendliche und ihre pflegebedürftigen Angehörigen in 20 Familien befragt, um die Ergebnisse aus den quantitativen Teilprojekten (1) und (2) zu konsolidieren und zu validieren. Auf diese Weise sollen Erfahrungen in Bezug auf die Themen, die in den Befragungen und in früher publizierten Studien identifiziert wurden, direkt von pflegebedürftigen Familienmitgliedern und jungen Pflegenden erfasst werden.
     

Ziele

Die Studie füllt eine wichtige nationale und internationale Forschungslücke. Es werden Daten erhoben zur Sensibilisierung, zu Umfang, Art und Auswirkungen der Pflege bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz. Diese Ergebnisse werden mit aussagekräftigen Belegen aus anderen Ländern vernüpft.

Die Studie umfasst:

  • das Ausmass der Sensibilisierung von Fachpersonen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich auf das Thema der Young Carers und Young Adult Carers
  • die Verbreitung von Young Carers/Young Adult Carers in der Normstichprobe der Kinder und Jugendlichen und was Young Carer in ihrer Pflegerolle leisten
  • direkte Erfahrungsberichte von Familien über Erhalt oder Ausübung von Pflege
     

Projektteam

Prof. FH Dr. iur. Agnes Leu, Careum Forschung (Projektleitung)
Prof. Dr. Saul Becker, University of Birmingham
Dr. phil. Corinna Jung, Careum Forschung (Senior)
Dr. Joe Sempik, University of Birmingham (Senior)
Dr. phil. Martin Verner, Universität Zürich (Junior)
Marianne Frech, Careum Forschung (PhD candidate)

Projektmitarbeit

Dr. Kurt Albermann, Chefarzt Sozialpädiatrisches Zentrum SPZ, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie FMH, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Kantonsspital Winterthur
Prof. Dr. Urs Moser, Geschäftsleitung Institut für Bildungsevaluation, Universität Zürich

Fördermittel

SNF Money Follows CH-UK, 10001AM_160355
Lay Summary in der Forschungsdatenbank P3: p3.snf.ch

Laufzeit

Oktober 2015 bis Oktober 2018

Weitere Informationen

Flyer: «Ich bringe Familie und Schule nicht mehr unter einen Hut», Flyer für pflegende Kinder und Jugendliche. PDF