Das Gesundheitswesen in einer Stunde erklärt

Fragen Sie sich manchmal auch, wofür Sie jeden Monat hohe Krankenkassenkosten zahlen, obwohl Sie selbst eigentlich kaum jemals zum Arzt gehen? Die beiden Autoren Dr. Werner Widmer und Roland Siegenthaler können Ihnen diese Frage im neuen Buch vom Careum Verlag beantworten.

Podiumsdiskussion mit Werner Widmer, Andrea Rytz, Christine Maier, Thomas Weibel und Daniel Scheidegger (v.l.). Bild: Janine Aegerter (Careum)

Wieso steigen die Krankenkassenprämien jedes Jahr? Welche Gründe sind dafür verantwortlich? Und was kann die Politik dagegen tun? Das Buch «Durchblick im Gesundheitswesen», das kürzlich im Careum Verlag erschienen ist, kann diese und weitere Fragen beantworten.

Der Careum Verlag hat das Buch am 11. Februar 2019 im Rahmen einer Buchvernissage im Careum Auditorium in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt. Moderiert wurde der Anlass von Christine Maier, ehemalige Chefredaktorin des Sonntagsblicks und ehemalige Moderatorin des Schweizer Fernsehens.

Kosten versus Qualität

Nach einem Grusswort von Michael Gysi, CEO der Careum Stiftung, der auch der Careum Verlag angehört, übernahm der Zürcher Stadtrat Andreas Hauri (GLP) das Wort. Der Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich lobte den Inhalt des Buches: Es ermögliche eine bessere Diskussion rund um das Gesundheitswesen. Fachbegriffe würden erklärt und es helfe, unser komplexes Gesundheitssystem zu verstehen.

Weiter stellte Andreas Hauri die Frage in den Raum, wie viel das Gesundheitswesen kosten dürfe. Dabei müsse man ethische wie auch wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen. «Es muss zwar gespart werden, aber gleichzeitig verlangt man Spitzenmedizin», brachte er das Problem auf den Punkt.

Angeregte Diskussion

In der anschliessenden Podiumsdiskussion kamen neben Dr. Werner Widmer, Co-Autor des Buchs, auch Daniel Scheidegger, Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), Andrea Rytz, Direktorin der Schulthess Klinik sowie GLP-Nationalrat Thomas Weibel zu Wort. Letzterer war für den krankheitshalber verhinderten Ex-SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi eingesprungen.

Christine Maier stellte die richtigen Fragen und die Teilnehmer nahmen kein Blatt vor den Mund. Werner Widmer beispielsweise bezeichnete es als «Blödsinn», wenn beim Neubau eines Spitals überhaupt über Zweier- oder Dreibettzimmer nachgedacht werde. Stattdessen solle man kleine Einbettzimmer für Allgemeinversicherte und grössere für Privatversicherte zur Verfügung stellen. Denn ein Einbettzimmer sei nicht teurer als ein Mehrbettzimmer: Es werde schneller wieder frei und als Patient werde man schneller wieder gesund, weil man mehr Ruhe habe und besser schlafe. Zudem gebe es weniger Verwechslungen von Medikamenten.

Auch der im Vorfeld von Andreas Hauri angesprochene Widerspruch kam in der Podiumsdiskussion wieder auf: Einerseits bereiten uns die steigenden Gesundheitskosten Sorgen, andererseits fordern wir die beste Behandlung, wenn wir oder unsere Liebsten krank sind. Andrea Rytz sprach in diesem Zusammenhang von einem «Luxussyndrom»: «Sie können nicht einen Rolls Royce bestellen und dann nur den Preis für einen Trabi zahlen wollen», gab sie zu bedenken.

Werner Widmer warnte zudem, dass die solidarische Finanzierung, wie wir sie heute haben, gefährdet sei, wenn man immer mehr dafür zahlen müsse. Schon heute müsse ein Viertel der Versicherten unterstützt werden, damit sie den solidarischen Beitrag überhaupt zahlen können.

Komplexes Gesundheitswesen besser verstehen

Ziel von Werner Widmer und Co-Autor Roland Siegenthaler war daher auch, ein Buch zu schreiben, das Politikern und anderen interessierten Personen das Gesundheitswesen in einer Stunde erklärt. Beispielsweise auf einer Zugfahrt von Zürich nach Bern. Damit soll ihnen quasi das Werkzeug in die Hand gegeben werden, damit sie ihren Job gut machen können.

Den eigentlichen Anstoss für das Buch gab aber Andrea Rytz: «Gegenüber Politikern mussten wir immer bei Adam und Eva anfangen, wenn es um die Gesundheitspolitik ging», sagte sie. So sei die Idee für das Buch entstanden. Es sollte nicht politisch gefärbt und gut geschrieben sein, damit eben auch Laien verstehen können, wie das Schweizer Gesundheitswesen funktioniert.

Tipps für den nächsten Arztbesuch

Zum Schluss noch ein Tipp aus der Diskussionsrunde: Die Teilnehmenden empfehlen, beim nächsten Arztbesuch folgende fünf Fragen zu stellen:

  • Gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der empfohlenen Behandlung?
  • Wie wahrscheinlich sind die Vor- und Nachteile?
  • Was passiert, wenn ich nichts unternehme?
  • Und last but not least: Was kann ich selbst tun?
     

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