«Die Erfindung des Alters»

«Das Alter» gibt es nicht – dafür viele verschiedene und individuelle Formen von Alter und Altern. Altersbilder standen auch im Fokus des österreichischen Geriatriekongresses 2019. In Wien gut vertreten war das Team «Ageing at Home» der Careum Hochschule Gesundheit.

Heidi Kaspar, Claudia Müller, Patrick Schuchter, Klaus Wegleitner, Monika Wild, Ulrich Otto (v.l.). Bild: Careum

«Die Erfindung des Alters» – unter diesem Motto stand der 14. Gemeinsame Österreichisch-Deutsche Geriatriekongresses, der am 25. bis 27. April 2019 an der Universität Wien stattfand. Im Fokus standen eingefahrene und sich verändernde Altersbilder. Denn das «Alter» im Allgemeinen gibt es nicht, sondern viele unterschiedliche Lebensentwürfe im Alter, die jeder Mensch für sich selbst suchen, finden und «erfinden» muss. Es wird deshalb als «Plastizität der Alterung» bezeichnet, wenn man Alterung und Alter psychosozial und biologisch als gestaltbar betrachtet.

Starke Präsenz der Careum Hochschule Gesundheit

Etwa 500 Experten und Expertinnen verschiedener Disziplinen und Berufsgruppen diskutierten am dreitägigen Kongress angeregt miteinander. Stark vertreten mit Beiträgen war dabei das Forschungsprogramm «Ageing at Home» der Careum Hochschule Gesundheit.
Im Folgenden die Careum-Beiträge:

Symposium «Caring Communities – Sorge im Alter partizipativ fördern und gerecht gestalten»:
Hochaltrigkeit, Einsamkeit im Alter, immer mehr Single-Haushalte, familiäre Engpässe bei den Pflege- und Betreuungsmöglichkeiten, Care-Migration, Abwanderung und zunehmend fehlende soziale Infrastruktur in ländlichen Regionen fordern die Gesellschaft heraus. Und folgende Fragen werden immer dringlicher: Wie lässt sich die soziale Teilhabe alter Menschen besser verwirklichen? Wie können Technik und Digitalisierung dabei unterstützen? Wie lassen sich Beruf, Familie und Care besser vereinbaren?

In Deutschland, der Schweiz und Österreich entstehen neue kleinteilige Formen von Sorge-Gemeinschaften, sogenannte Caring Communities. Die vielen Organisationsformen beziehen sich jedoch oft kaum aufeinander. Denn meistens fussen sie auf unterschiedlichen Fachdiskursen und Denktraditionen (z. B. Care Ethik, christliche Soziallehre, Wohlfahrtsmix, Health Promoting Palliative Care, Sorge im dritten Sozialraum, Stärkung des Sozialen Kapitals, Quartiersentwicklung, demenzfreundliche Kommunen, Gesundheitsregionen, age friendly cities etc.). Das Symposium diskutierte kritisch und zukunftsorientiert über die Chancen und Grenzen von Caring Communities.

  • Forschungsleiter Prof. Dr. Ulrich Otto, Moderation und zusammenfassende Gedanken «Für eine kollektive gesellschaftliche Sorgekultur»
  • Prof. Dr. Claudia Müller, Vortrag «Die Menschen einbeziehen – Chancen und Grenzen partizipativer Technologieentwicklung»
  • Dr. Heidi Kaspar, Vortrag «Ent-Feminisierung von Sorgearbeit – eine Utopie?»

Wie aktuell das Symposium ist, zeigt sich auch gerade jetzt. Ende April 2019 hat sich das neue Schweizer Netzwerk Caring Communities der Öffentlichkeit vorgestellt. Careum ist mit in der Trägerschaft.

Symposium «Health Literacy in Digitized Environments»:
Prof. Dr. Claudia Müller, Co-Vorsitz und Vortrag (zusammen mit Jutta Jung-Henrich und David Struzek, alle aus dem Konsortium des EU-Projekts Access) «Sensor Literacy in the Field of e-Health|Siegen, D»

Session Ambient Assisted Living
Prof. Dr. Ulrich Otto (Vortrag) «Das Potenzial neuer Technologien zur Unterstützung von Pflege und Sorge über eine räumliche Distanz»

Session «Die Erfindung des Alters – Älterwerden als Frage der Kultur»:
Anna Hegedüs, Vortrag «Zwei Jahre integrierte Altersversorgung im Kanton Zürich: Ergebnisse der KlientInnen und Angehörigenbefragungen»

Die Pro Senectute des Kantons Zürich lancierte im Jahr 2016 das Pilotprojekt CareNet+. Kern ist, die fallbezogene Zusammenarbeit unter den bestehenden Leistungserbringern und Kostenträgern aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich entlang des individuellen Bedarfs der Betroffenen zu koordinieren: intensives Case Management für Menschen mit komplexem Hilfebedarf zu Hause. Anna Hegedüs berichtete von den Ergebnissen der Befragungen von Klienten und Angehörigen im Rahmen der Evaluation von CareNet+.

Session «Altersbilder»:
Regina Gerlich, Vortrag «Zufriedenheitsdimensionen von Silver Workers»

Mit den Daten der größten deutschen Haushaltsbefragung (SOEP) lässt sich zeigen, dass Personen, die über ihr reguläres Renteneintrittsalter hinaus in Vollzeit arbeiten (Silver Worker), deutlich zufriedener sind als Vollzeitarbeitende im erwerbsfähigen Alter oder Pensionierte ohne Erwerbstätigkeit. Dies gilt laut Regina Gerlich sowohl für die Zufriedenheit mit dem Einkommen und der Gesundheit als auch für das «Dachkonstrukt» Lebenszufriedenheit. Wenngleich Silver Worker insgesamt höhere Werte in den meisten Zufriedenheitsdimensionen aufweisen, kann man kaum davon ausgehen, dass Silver Working pauschal zufriedener macht. Vielmehr handelt es sich um einen Effekt der Selbstselektion: Ältere Personen, die in bestimmten Bereichen ihres Lebens zufriedener sind, sind gemäss Regina Gerlich auch eher bereit, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus weiterhin Vollzeit zu arbeiten.

Posterpräsentationen:
«Viele Zuhauses als ‹Versuchslabor› grenzüberschreitend skalieren – IBH-Living Lab ‹Active & Assisted Living›» (U. Otto, H. Kaspar, A. Kofler, C. Kunze, G. Kempter) zum Projekt

«IBH-Lab AAL: Technische Assistenz in schon stark mobilisierten Quartieren verstärken – ein 3-Länderprojekt» (A. Hegedüs, U. Otto, E. Maier, G. Kempter, A. Kofler, C. Kunze) zum Projekt
 

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14. Gemeinsamer Österreichisch-Deutscher Geriatriekongress
Tagungsprogramm
Forschungsprogramm «Ageing at Home»
Aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Ageing an der Careum Hochschule Gesundheit