Hilfe im Dschungel der Gesundheitsinformationen

Warum ist Gesundheitskompetenz so wichtig? Das hat das neue Team um Dominique Vogt im Rahmen der Veranstaltung «Careum Campus lebt» erklärt und erste Projekte vorgestellt.

Dr. PH Dominique Vogt stellt den neuen Bereich Gesundheitskompetenz bei Careum vor. Bild: Larissa Nef (Careum)

Careum hat einen neuen Bereich Gesundheitskompetenz geschaffen. An der Veranstaltung «Careum Campus lebt» vom 28. Mai 2019 hat sich das zuständige interdisziplinäre Team vorgestellt, das seit März 2019 die Arbeit aufgenommen hat. Es besteht aus der Leiterin Dr. PH Dominique Vogt mit Master in Public Health, Dr. sc. nat. Saskia Gehrig mit einem Master in Bewegungswissenschaften und Sport sowie Anita Schürch mit einem Master in Sozialwissenschaften.

Viele Gesundheitsinformationen gehen verloren

Warum ist Gesundheitskompetenz so wichtig? Dominique Vogt zeigte auf, dass Patientinnen und Patienten 40 bis 80 Prozent der erhaltenen Gesundheitsinformationen nach wenigen Minuten vergessen haben. Knapp die Hälfte der erinnerten Informationen ist zudem nicht korrekt. «Es gehen also wahnsinnig viele Informationen verloren.» Verstärkt wird dies dadurch, dass mit der Digitalisierung immer mehr Gesundheitsinformationen verfügbar sind und das Gesundheitssystem in den letzten Jahren immer komplexer geworden ist. Hier setzt Gesundheitskompetenz an. Sie steht für die Fähigkeiten, die wesentlichen Informationen zu finden, zu verstehen, einzuschätzen und zu nutzen, um im Alltag Entscheidungen treffen zu können, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Der Begriff ist 1978 erstmals in den Erziehungswissenschaften in den USA aufgetaucht. Inzwischen sind weitere Perspektiven hinzugekommen. Mittlerweile geht es immer um das Zusammenspiel der persönlichen Fähigkeiten des Einzelnen sowie der Anforderungen und Komplexität des Systems, wie Dominique Vogt erklärte. Ganz neu ist das Thema bei Careum nicht: Es wurde im Careum Dialog 2017 behandelt und war bereits mit dem ehemaligen Forschungsprogramm «Patientenbildung» verankert. Mit Evivo bietet Careum zudem ein Trainingsprogramm, das Teilnehmende befähigt, im täglichen Leben besser mit chronischen Krankheiten zu leben.

Selbstcheck für Gesundheitsorganisationen

Erste Projekte und Massnahmen konnte das Team bereits übernehmen. Die Careum Stiftung und die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich spannen im Programm «Gesundheitskompetenz Zürich» zusammen, um die Gesundheitskompetenz der Einwohnerinnen und Einwohner wie auch der Gesundheitsorganisationen im Kanton Zürich zu stärken. Das Programm ist über mehrere Jahre ausgelegt und beinhaltet verschiedene Grundlagenprojekte. Saskia Gehrig und Anita Schürch stellten drei davon vor, die bereits laufen.

Das erste Projekt ist eine Verlaufserhebung im Kanton Zürich. Eine erste Befragung fand bereits Ende 2018 statt. Dabei gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen zu haben. Es zeigt sich zudem, dass Menschen mit höherem Lebensalter, tieferer Bildung und tiefem sozialen Status sowie chronische Erkrankte mehr Mühe haben. Ein zweites Projekt zielt darauf ab, gemeinsam mit den Praxispartnern mediX Zürich und Spitex Limmat Zürich ein Selbstbeurteilungsinstrument für Arztpraxen und Spitex-Organisationen zu entwickeln. Daraus sollen Organisationen künftig Handlungsbedarf ableiten und Massnahmen planen können. «Damit leisten wir Pionierarbeit. Ein vergleichbares Instrument gibt es für diese Organisationen im deutschsprachigen Raum bisher noch nicht», sagte Dominique Vogt.

Krankheitsunabhängiger Leitfaden für den Arztbesuch

In einem dritten geplanten Projekt wird es um die Entwicklung eines Leitfadens für den Arztbesuch gehen. Solche gibt es zwar schon zuhauf, aber sie konzentrieren sich zumeist auf eine bestimmte Krankheit. Das Ziel ist es deshalb, ein krankheitsunabhängiges Hilfsmittel zu entwickeln, das möglichst kurz und gut verständlich ist. Der Leitfaden soll helfen, den nächsten Besuch bei Ärztinnen und Ärzten optimal vorzubereiten, damit sich Patientinnen und Patienten im Gespräch besser einbringen können.

Des Weiteren ist eine Zusammenarbeit mit Careum Bildungsentwicklung und der Forschungsabteilung der Careum Hochschule Gesundheit angedacht. Das Team Gesundheitskompetenz vernetzt sich auch mit Institutionen im In- und Ausland. Es bereitet zudem eine Tagung mit dem Titel «Gesundheitskompetenz in der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen verankern» vor.

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