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Talk to me: Soziale Roboter im Gesundheitswesen

Was macht Roboter sozial? Wie sollen sie eingesetzt werden? Und wie sehen die Pflegeszenarien in der digitalen Welt 2025 aus? Roboter Carea half mit, dies am Careum Dialog 2020 herauszufinden.

Sieht so die Zukunft der Pflege aus? Roboter Carea von Raumcode mit Ursina Baumgartner von der Careum Hochschule Gesundheit auf der Bühne am Careum Dialog 2020. Bild: Frederike Asael

Robotic Care, Analog Care, Smart Care oder Deep Care? Wie sehen die Pflegeszenarien künftig aus? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 80 hochkarätige Gäste aus der Schweiz, Deutschland und Österreich am zweitägigen Careum Dialog 2020 mit dem Leitthema «Soziale Roboter im Gesundheitswesen» unter der Ko-Moderation von Prof. Dr. Ilona Kickbusch, Stiftungsrätin von Careum, und Prof. Dr. Jan Ehlers, Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke.

Veranschaulicht wurden die Pflegeszenarien mit Hilfe des Roboters Carea von Raumcode. Dabei zeigte sich «Smart Care», bei dem die menschliche Pflege durch Technik in ihrem Ablauf unterstützt wird, in der Diskussion als das wahrscheinlichste Szenario. Als wünschenswert kristallisierte sich «Deep Care» heraus, ein Szenario, in dem die künstliche Intelligenz den Weg frei macht für eine vertiefte Beziehung zwischen der menschliche Pflegeperson und den Patienten.

Im Zentrum muss immer der Nutzer oder die Nutzerin stehen

Wichtig für die Umsetzung: das Hinterfragen der Machtverhältnisse und die Partizipation aller Beteiligter von Anfang an – aber besonders der Patienten und Pflegenden. Ziel muss die Co-Entwicklung und der Dialog in interprofessionellen Teams und die Investition in Aus- und Weiterbildung sein. Alle waren sich einig: Im Zentrum muss immer der Nutzer oder die Nutzerin stehen, nicht die Faszination der Technologie.

Die Grundlage für die Diskussion lieferten sechs Inputvorträge. Zum Beispiel von Digital Health Experte Bart de Witte, Gründer der HIPPO AI Foundation und der Digital Health Academy in Berlin. Er kündigte die «synthetische Empathie» als «the next big thing» an. Was dies bedeutet, welche Gefahren bestehen und weshalb er Künstliche Intelligenz lieber dafür einsetzen will, menschliche Interaktionen zu stärken, statt sie zu ersetzen, erfahren Sie im Video zu seinem Auftritt.

Maschinen als Verwalter, Vermittler und Vertraute

Die Frage, was Roboter sozial macht, beantwortete Prof. Dr. Oliver Bendel, Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz. Soziale Roboter interagieren und kommunizieren mit Lebewesen, weisen eine Nähe zu ihnen auf, sind ein Abbild von ihnen und haben einen Nutzen für sie. Sie sind darauf programmiert, beim Menschen Gefühle und soziale Reaktionen auszulösen.

Kathrin Janowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik Interaktion der Universität Augsburg, teilte die Maschinen in drei Kategorien ein: Die Verwalter, die bei alltäglichen Aufgaben wie etwa der Medikamenteneinnahme unterstützen können. Die Vermittler, die als Bindeglied zwischen Pflegenden und Gepflegten fungieren. Und die Vertrauten, die langfristig auf eine engere Beziehung abzielen.

Gefahr der Entmenschlichung

Prof. Dr. Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich, veranschaulichte in seinem Referat, dass künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen grosse Datenmengen und grosse Rechenleistungen benötigen. Nur schon um zwischen einem Schokoladen-Cookie und einem Chihuaha-Hündchen mit Knopfaugen unterscheiden zu können, benötigt es komplexe Algorithmen. Die grosse Herausforderung aus seiner Sicht: Die Menschen sind nicht zu schlagen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen und mit anderen zu interagieren. Computer sind dagegen viel besser darin, einfache aber schnelle Entscheidungen zu treffen. Die Diskussion über den Einsatz, die Nutzung und die ethische Dimension hält Prof. Dr. Detlef Günther in Sachen Robotik für zentral.

Prof. Dr. Effy Vayena, Bioethikerin an der ETH, brachte in ihrem Referat derweil die ethischen Herausforderungen hervor. Sie stellte etwa die kritische Frage, wie viel Autonomie wir Robotern übertragen wollen. Wer kontrolliert was? Und wie können wir die persönliche Autonomie bei autonomen Systemen schützen? Sie brachte auch einige Bedenken in Sachen Roboter vor: Etwa die Gefahr einer Entmenschlichung oder einer Versachlichung von Beziehungen.

Kontroverse um Sexroboter

In der Diskussionsrunde wurden Sexroboter wie Harmony oder ihr männliches Pendant Henry besonders kontrovers diskutiert. Dabei stellen sich auch wichtige ethische Fragen, wo die Forschung zu sozialen Robotern Grenzen ziehen muss. Zudem stellt sich die Frage nach den Rechten der humanoiden Roboter: Dürfen Menschen alles mit ihnen machen?

In der Diskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, ob es soziale Roboter in der Pflege überhaupt braucht. Können Menschen es nicht von vorneherein besser? Darauf erwiderte Prof. Dr. Marc Oliver Korn, Professor für Human Computer Interaction an der Hochschule Offenburg, dass wir die nötigen Pflegekräfte schlicht nicht haben und ihnen dazu noch zu wenig zahlen. Einen Teil dieses Mangels könnten Roboter kompensieren, vor allem wenn es um unangenehme Tätigkeiten wie etwa bei der Körperpflege geht. In seinem Referat dämpfte Prof. Dr. Marc Oliver Korn allerdings zu euphorische Einschätzungen zur technischen Entwicklung: Sobald es um sensomotorische Fähigkeiten geht, stossen die aktuell verfügbaren sozialen Roboter bereits an ihre Grenzen. Bei einem Digital Breakfast konnten die Teilnehmenden am Careum Dialog 2020 mit einigen Entwicklern den derzeitigen Stand der Umsetzung gleich direkt diskutieren.

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